Der Baumarkt Praktiker hat am Donnerstag Insolvenz angemeldet. An der Pleite soll vor allem das schlechte Wetter Anfang des Jahres schuld gewesen sein. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit, sagt die österreichische Investorin Isabella de Krassny in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung. Vor allem die ständigen Rabattaktionen ("20 Prozent auf alles außer Tiernahrung") hätten maßgeblichen Anteil an der Schieflage des Unternehmens gehabt. Zudem habe es einen letzten Rettungsversuch gegeben, der allerdings an den Gläubigern gescheitert sei.

Praktiker stellt einen Insolvenzantrag wegen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit. Aber was sind die Gründe für die bevorstehende Pleite der Baumarktkette mit über 300 Märkten in Deutschland?

Isabella de Krassny hält gemeinsam mit ihrem Mann Alain de Krassny rund ein Fünftel der Anteile an Praktiker. Über ihren Fonds Maseltov gehören ihr 9,6 Prozent an Praktiker, ihr Mann besitzt über die Beteiligungsfirma Donau Invest weitere 9,95 Prozent. Im Interview mit der "Bild"-Zeitung spricht sie nun über die Gründe für die Insolvenz des Baumarktes - und kritisiert ebenso wie die Gewerkschaft Verdi das Management.

Vom Unternehmen hieß es, dass der lange Winter sowie das verregnete Frühjahr und der damit verzögerte Start in die Gartensaison ein Grund für die Praktiker-Pleite sei. So ist der Konzernumsatz der Praktiker AG in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres gegenüber dem gleichen Zeitraum 2012 um mehr als zehn Prozent zurückgegangen.

Scharfe Kritik an Rabattaktionen

Das schwache Frühjahrsgeschäft betrifft aber nicht nur Praktiker, sondern auch die Heimwerkermarkt-Konkurrenz. Nach Angaben des Branchenverbandes BHB sank vor allem wegen des schlechten Wetters der Gesamtumsatz der Bau- und Heimwerkermärkte von Januar bis Ende Mai um 6,2 Prozent.

Für Isabella de Krassny ist das schlechte Wetter für Praktiker ohnehin nur ein Teil des Problems: "Die ständigen Rabattaktionen, die gefahren wurden, um Geld in die Kassen zu bekommen, haben das Unternehmen in den Tod getrieben", sagte sie der "Bild"-Zeitung. "Wer ständig 20 Prozent Rabatt auf alles außer Tiernahrung gibt, verzichtet auf 20 Prozent Umsatz. Die Kunden wären auch gekommen, wenn man nur einzelne Warengruppen rabattiert hätte. Zum Beispiel 50 Prozent auf Dübel."

Bereits am Freitag hatte die Gewerkschaft Verdi scharfe Kritik an dem Rabatt-Konzept geäußert. "Aus unserer Sicht ist der wesentliche Grund das Missmanagement der zurückliegenden Jahre", sagte Christiane Scheller, Sprecherin des Verdi-Bundesvorstands. Der Slogan "20 Prozent auf alles außer Tiernahrung" sei offensichtlich die falsche Strategie gewesen. "Die Leute kommen dann nur noch in die Filiale, wenn sie wissen, dass sie ein Schnäppchen machen können."

Letzter Rettungsversuch offenbar gescheitert

Verdi veröffentlichte am Freitag eine Mitarbeiterinformation, die an die Betriebe ging. "Es gab Werbung ohne entsprechende Ware im Markt, Lieferschwierigkeiten, stornierte Bestellungen und eine Prozentaktion nach der nächsten", heißt es dort. Ein Praktiker-Sprecher wollte die Vorwürfe nicht kommentieren.

Auslöser der Insolvenz war der gescheiterte Verkauf von Anteilen an den luxemburgischen Bâtiself-Baumärkten nach einem Rückzieher des Käufers. Deswegen habe Praktiker eine kurzfristige Geldspritze in Höhe von 35 Millionen Euro gebraucht. Doch die Banken lehnten das offenbar ab.

Isabella de Krassny erklärte in der "Bild"-Zeitung, dass Investoren Geld nachgeschossen hätten: "Das Geld wäre da gewesen." Sie und ihr Mann seien bereit gewesen, 10 Millionen Euro zu investieren. Ein weiterer Investor habe 30 Millionen Euro versprochen. Doch zu einer Einigung kam es nicht: "Das Problem war, dass die sehr gut besicherten Gläubiger keine Sicherheiten aufgeben wollten. Und es auch kein konstruktives Gespräch mit den Investoren gab", sagte sie weiter.

Konkurrenz steht schon bereit

Die Insolvenz sei laut Isabella de Krassny nicht das Ende von Praktiker, "solange alle Beteiligten in dieselbe Richtung marschieren." Man überlege gerade mit anderen Investoren, "die Banken rauszukaufen und ihre Kredite abzulösen." So solle eine Zerschlagung verhindert werden. Das "wäre schlimm, weil immer Werte vernichtet werden. Schon jetzt kreisen doch die Aasgeier, die sich die besten Stücke rauspicken wollen", sagte Isabella de Krassny.

Mehrere Konkurrenten haben bereits ihr Interesse an einzelnen Praktiker-Filialen bekundet, darunter Hagebau und Obi, aber auch Rewe, der Mutterkonzern der Toom Baumärkte, sowie Globus und Hornbach.

So oder so, kurzfristig soll der Betrieb der Praktiker-Baumärkte aufrecht erhalten werden. Das erklärte der vorläufige Insolvenzverwalter Christopher Seagon. "Die Filialen bleiben geöffnet, der Verkauf geht mit allen Beschäftigten unverändert weiter", erklärte er am Freitag in Hamburg. Ziel sei es, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren, um die Voraussetzung zu schaffen, möglichst viele Filialen und Arbeitsplätze zu sichern. (cai)