Das hoch verschuldete Griechenland droht offen mit der Beschlagnahme deutschen Staatseigentums, sollte es zu keiner Einigung mit Berlin über die Reparationsforderungen kommen. Die internationale Presse ist sich einig: Reparationen einzutreiben hilft Athen nicht.

"Bild"-Zeitung: Es reicht! Das will man der griechischen Regierung zurufen. Tag für Tag! Denn wie im Stundentakt kommen immer neue Vorstöße aus Athen. Bizarr, anmaßend, unverschämt. Diesmal sind es neue Milliardenforderungen für Deutschlands Weltkriegs-Schuld. Die Regierung Tsipras setzt den Hebel an, wo Deutschland am verwundbarsten ist. Bei den von Deutschland begangenen Verbrechen in Weltkrieg I und II. Moralische Erpressung! Unsere Regierung antwortet kühl und sachlich: Die Reparationszahlungen sind geleistet. In die Zukunft solle man schauen. Nicht in die Vergangenheit. Es ist richtig, dass sich die Bundeskanzlerin und ihre Minister nicht von den Griechen-Radikalos provozieren lassen. Nüchternheit und Sachlichkeit entlarven die griechischen Forderungen als das, was sie sind: bizarr, anmaßend und unverschämt.

"Die Welt": Nur Halbstarke lärmen. Mächtige gehen auf leisen Sohlen. Es wird Zeit, diese Weisheit im Alltag zu verinnerlichen und sie zur Regel für den Umgang mit der griechischen Regierung zu erheben. Mag die Athener Ministerriege noch so rüde sein, mag sie noch so rotzig werden, es ist nicht nötig, jeden Fehdehandschuh seinerseits für einen Hieb zu nutzen. Athens Regierung verweigert sich lebenswichtigen Reformen. Lieber setzt sie darauf, das Volk mit dem feurigen Fusel einer antideutschen Rhetorik zu berauschen. Möge sie weiter wüten, mit dem Gedanken spielen, Islamisten nach Deutschland zu entsenden, Reparationen verlangen und die Goethe-Institute schließen, die Antwort darauf kann nur eine sein: verbindliche Härte. Anders ausgedrückt: Athen darf nicht als Sieger vom Platz gehen.

"Lausitzer Rundschau" (Cottbus): Zehn Milliarden für Bildungsprojekte, Infrastrukturmaßnahmen oder als Starthilfe für Firmen. Vielleicht konzentriert auf jene Dörfer und Regionen, in denen die Deutschen ihre schlimmsten Massaker veranstalteten. Das wäre auch 70 Jahre danach noch ein nach vorne gerichtetes Zeichen tätiger Wiedergutmachung. Leider wird eine solche Lösung wohl erst möglich sein, wenn Tsipras aufgehört hat, mit dem Thema böse Stimmung zu machen.

"Mannheimer Morgen": Einem Land, das bei den Partnern so tief in der Kreide steht, stünde mehr Demut gut zu Gesicht. Ministerpräsident Alexis Tsipras aber denkt gar nicht daran, seinen Haushalt zu konsolidieren oder seine Steuerverwaltung zu modernisieren, sondern führt eine absurde Debatte über deutsche Kriegsschulden und den Zinseszinseffekt. Bis zu 332 Milliarden Euro müsste Finanzminister Schäuble den Griechen nach dieser Rechnung überweisen – eine Summe, mit der Tsipras alle Sorgen los wäre und sein heruntergewirtschaftetes Land wohl auch. Fließen allerdings wird Geld in diesem Leben nicht mehr, dazu ist die Rechtslage zu eindeutig und die griechische Position zu aussichtslos. Spätestens mit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag, der nach dem Fall des Eisernen Vorhangs einen politischen Strich unter die Nachkriegszeit in Europa gezogen hat, ist das Thema erledigt.

"Lidove noviny" (Prag): Immer mehr Staatsmänner leben mental im Jahr 1945. Der russische Präsident (Wladimir) Putin kämpft heute noch mit Bandera-Anhängern und Faschisten in der Ukraine und versucht, das in Jalta geformte Weltbild wiederzubeleben. Nun gesellt sich der griechische Ministerpräsident hinzu, der ebenfalls das Thema Zweiter Weltkrieg auf den Tisch bringt. Wenn ein notorischer Schuldner die Streichung seiner Schulden fordert (nicht erbittet), wirkt er wie ein arroganter Fratz. Wenn er sich aber zugleich in die Rolle eines nie entschädigten Kriegsopfers stilisiert, gewinnt er die moralische Überlegenheit. Und darum bewegt sich (Alexis) Tsipras mental im Jahr 1945.

"Independent" (London): Das Anliegen der Griechen ist gerecht und Deutschland sollte für seine Kriegsverbrechen büßen, genau so wie es die liberal gesinnte Bundesrepublik für derzeitige mörderische Regime verlangen würde. Und trotzdem ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, neue Bitternis zwischen Griechen und Deutschen zu provozieren, und Eintreiben von Kompensationen für solche Kriegsverbrechen wird nicht sehr viel von Griechenlands Schuldenberg abtragen. (...) Ob mit oder ohne Euro, ob in einem Krieg der Worte mit den Deutschen oder nicht, Griechenland muss sich klar machen, dass es nicht über seine Verhältnisse leben kann.

"Die Presse" (Wien): Was haben die Europäer getan? Sie haben den Griechen viel Geld geliehen, von Anfang an mit der berechtigten Sorge, einiges davon nie wieder zu sehen. Sie haben, wie jeder Gläubiger, Sicherheiten verlangt. Keine Inseln und keine Akropolis, sondern nur Reformen, die nach der weltweiten, jahrzehntelangen Erfahrung der Experten für Schuldnerstaaten der einzige, wenn auch steinige Weg zur Genesung sind. (...) Aber es ist nicht verwerflich, auf der Einhaltung von Verträgen und Regeln zu bestehen – im Gegenteil. "Beim Geld hört die Freundschaft auf", sagt der Volksmund und irrt sich. Das warme Gefühl ums Herz mag abkühlen, wenn der Freund sich als säumiger Schuldner erweist. Aber nur, wenn man Geborgtes zurückzahlt, wenn man sich an Vereinbarungen und gemeinsam beschlossene Regeln hält, kann es auch Vertrauen geben. Und das ist der einzige Boden, auf dem Freundschaft auf Dauer gedeihen kann.

"De Telegraaf" (Amsterdam): Das aggressive Vorgehen Athens gegen die Deutschen nimmt immer bizarrere Formen an. Die Griechen sehen sich in der Eurokrise als "Kolonie" der reichen Nordländer und drohen mit der Beschlagnahme deutscher Besitztümer in ihrem Land, wenn es keine zusätzlichen Reparationen wegen des Zweiten Weltkriegs gibt. (...) Die Auseinandersetzung darüber kommt Alexis Tsipras politisch gut zu pass. Es sieht nämlich immer mehr danach aus, dass er die bittere Pille von Sparmaßnahmen im Gegenzug für weitere Kredite von EZB, IWF und EU schlucken muss - und zwar trotz all seiner vollmundigen Wahlversprechen. Da kommt die von Zeit zu Zeit wiederkehrende Auseinandersetzung um Reparationen als Ablenkungsmanöver, mit dem sich die bittere Medizin für die Bevölkerung ein wenig versüßen lässt, sehr gelegen. (far/dpa)