(ae, ) - Es ist das immer wiederkehrende Ärgernis, nicht nur für Autofahrer: Während die Rohölpreise fallen, steigen die Benzinpreise. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit denkt sich Otto-Normalverbraucher. "Bekommen die Multis den Hals nicht voll?", lautet die berechtigte Frage.

Doch warum ist dies überhaupt so und warum kommen die Ölkonzerne damit überhaupt durch? Oder sind vielleicht nicht nur die Ölkonzerne daran Schuld? Dies ist ein Versuch, eine Erklärung zu finden. In der Herstellung wird der Rohstoff Erdöl durch Veredelung (Reinigung, Destillation und Konversion) zu Benzin, Diesel oder Heizöl verarbeitet. Dabei ergibt sich aus einer Tonne Rohöl, was etwa 7,3 Barrel sind, ungefähr 540 Liter Benzin.

Beobachtet man die langfristige Preisentwicklung der Rohölpreise im jährlichen Preis-Chart, so stellt man fest, dass es eigentlich in jedem Jahr zum Teil erhebliche Schwankungen gibt.

So kostete beispielsweise zum Jahresanfang 2008 ein Barrel Rohöl etwa 96,- US-Dollar. Bis Mitte Juli stieg der Preis auf über 146,- US-Dollar, um dann schließlich zum Jahresende hin auf etwa 41,- US-Dollar zu fallen.

Wäre der Benzinpreis direkt am Rohöl gekoppelt, so ergebe sich folgende Rechnung: Anfang Januar hätte man für 1 Liter Benzin 1,29 US-Dollar bezahlt, Mitte Juli dann 1,97 Dollar und zum Jahresende dann 0,55 US Dollar! Eine Preisspanne für Benzin zwischen 0,55 US-Dollar und 1,97 US-Dollar!

Man sieht also, dass es bereits beim Rohöl zum Teil extreme Schwankungen gibt, die sich beim Benzin fortsetzen. Generell kann man sagen, dass viele Faktoren die Preise von Rohöl und Benzin beeinflussen.

Da wäre zum einen die politische Lage in den Förderländern, die da wären: "Gibt es Krisen?", "Ist die politische Führung instabil?" oder "Gibt es einen Handelsboykott?". Zwar kann man kurzfristige Embargos oder Ausfälle ausgleichen, doch die Reservekapazitäten sind laut Experten bei weitem nicht mehr so groß wie in der Vergangenheit.

Natürlich spielt auch die Psychologie eine Rolle. "Wird Öl generell knapp?" oder sind Berichte darüber doch nur pure Panikmache. Dies nutzen dann wiederum Spekulanten, denen es nicht um den wirklichen Marktwert der Ware Öl geht, sondern um pure Gewinnmaximierung in ihrem Portfolio.

Der Dollarkurs beeinflusst die Preise genauso wie die allgemeine Lage der Weltwirtschaft. Dadurch dass Rohölkäufe am Weltmarkt durch den US-Dollar getätigt werden, heißt dies in der Praxis für die Einkäufer aus der Euro-Zone: Ist der Euro im Vergleich zum US-Dollar auf einem schwachen Niveau bekommt er weniger Öl auf dem Markt. Ist hingegen der Euro stark, bekommt er mehr "Schwarzes Gold". Boomt die Weltwirtschaft, wird die Nachfrage nach Öl größer, was auch dazu führt, dass die Preise ansteigen.

Die Mineralölkonzerne beeinflussen den Preis natürlich auch. Sie wollen ihren Gewinn maximieren und versuchen dies natürlich auch über die Zapfsäule. Zwar sagt der Mineralölwirtschaftsverband (MWV), dass die Marge an der Zapfsäule "zwischen einem halben und einem Cent" liege, doch ob diese Rechnung wirklich aufgeht, ist zumindest zweifelhaft.

Denn die regelmäßigen Preisanstiege an den Tankstellen nicht nur zu Feiertags-, oder Ferienzeiten erstaunen immer wieder. Und auch die Autoverbände klagen diese gängige Praxis an. So würden demnach Preisanstiege an den Ölmärkten sofort an den Zapfsäulen spürbar, Erholungen aber nicht als Preisrückgang an den Kunden weitergegeben. Und wenn man sich die Preisspannen innerhalb eines Jahres anschaut, kann eine verlangsamte oder gar ausgesetzte Anpassung der Preise sehr viel ausmachen.

Und natürlich sind auch die Steuern ein wichtiger Faktor. Die Energiesteuer ist festgelegt und beträgt unabhängig vom aktuellen Preis bei einem Liter Benzin 65,4 Cent, bei Diesel 47 Cent. Dies führt der Staat auch immer an, wenn gesagt wird, er verdiene an steigenden Benzinpreisen mit. Was dabei von den Politikern allerdings nicht erwähnt wird, ist: Neben der Energiesteuer kassiert man auch noch 19 Prozent Umsatzsteuer. Und die steigt mit einem steigenden Benzinpreis natürlich auch. Insofern liegt es auf der Hand, dass der Staat nicht proaktiv gegen steigende Benzinpreise ankämpft.

Allein dieser kurzer Abriss zeigt, dass sehr viele Faktoren den Benzinpreis beeinflussen. Ein einziges "schwarzes Schaf" ist dabei schwer auszumachen, da es in der Regel immer mehrere Faktoren sind, die die Preise festlegen und potentiell steigen lassen.

Unbefriedigend für den Verbraucher? Bestimmt. Aber ob beispielsweise ein konsequenter Boykott von überteuerten Tankstellen, autofreie Tage oder Wochenenden, der komplette Verzicht auf Motorisierung oder aber der Ruf nach staatlicher Kontrolle oder gar Eingreifen wirklich Besserung bringt, mag man nicht vorherzusehen.

Und eines ist klar: Solange man über die Preise nur meckert, wenn man mal wieder beim Tanken ist und die hohen Preise keine wirklichen Konsequenzen bei jedem Einzelnen hervorrufen, wird es keine Veränderung der bestehenden Zustände an der Zapfsäule geben.

(Mit Material der afp)