Mit einem raffinierten Winkelzug will sich Wurstfabrikant und Schalke-04-Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies angeblich einer Millionenbuße des Bundeskartellamts entziehen. Kartellamtspräsident Andreas Mundt fordert nun schärfere Gesetze.

Clemens Tönnies' "Zur-Mühlen-Gruppe" hatte im vergangenen Jahr als Mitglied eines "Wurstkartells" eine Geldbuße in Höhe von 120 Millionen Euro auferlegt bekommen. Nach Überzeugung der Wettbewerbshüter hatte sie Preise vor allem für Wurstwaren in den Regalen des Discounters Aldi abgesprochen.

Laut einem Bericht der "WirtschaftsWoche" könnte die Gruppe die Zahlung der Kartellbuße nun durch eine Umstrukturierung umgehen. Die von der Entscheidung des Kartellamts betroffenen Firmen seien aus dem Handelsregister gelöscht worden, die werthaltigen Unternehmensteile seien auf neu gegründete Gesellschaften übertragen worden.

Ein Sprecher der "Zur-Mühlen-Gruppe" sagte auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur, Tönnies habe ohnehin notwendige Umstrukturierungen genutzt, um sich in der Kartell-Streitfrage besserzustellen. Die Umstrukturierung sei "ein zusätzliches Verteidigungs-Instrument gegenüber der Behörde".

Kartellamtspräsident Andreas Mundt fordert jetzt schärfere Gesetze, damit Unternehmen sich nach Wettbewerbsverstößen nicht mehr um hohe Geldbußen herumdrücken können. Es gebe Regelungslücken, die dringend geschlossen werden müssten, sagte er der "WirtschaftsWoche". Mundt forderte die Politik zum Handeln auf. Auch die letzte Gesetzesreform im Sommer 2013 habe nur "einige Schlupflöcher zur Umgehung von Bußgeldern beseitigt".

(smo/dpa)