Wegen der Ablösung von Siemens-Chef Löscher gerät nun auch Aufsichtsratschef Gerhard Cromme unter Druck. Die Vertreter im Kontrollgremium sprechen von einem "Putsch".

Machtkrise bei Siemens? Die geplante Ablösung von Peter Löscher als Konzern-Chef hat offenbar zu einem tiefen Zerwürfnis im Aufsichtsrat geführt. Nach Information von "Spiegel Online" hat sich der Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann vehement gegen einen Konsens des Aufsichtsratspräsidiums zur Absetzung von Peter Löscher und einer Übernahme durch den Finanzchef Joe Kaser gestemmt. Das Magazin beruft sich in seinem Bericht auf Insider-Kreise.

Demnach hatte Aufsichtsratschef Cromme ursprünglich am Wochenende geplant, eine schnelle Entscheidung über das Stühlerücken bei Siemens zu erreichen. Doch Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann stellte sich gemeinsam mit zwei weiteren Mitgliedern des Aufsichtsrats quer.

Sie hätten Löschers abrupte Verabschiedung als "würdelos" bezeichnet. Nach Informationen von Reuters handelt es sich dabei um Allianz-Chef Michael Diekmann und Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller. Aus dem Umfeld des Unternehmens ist die Rede von einer "Nacht-und-Nebel-Aktion" oder gar von einem "Putsch" gegen Löscher.

Wie "Spiegel Online" berichtet, sollen die drei Rebellen im Aufsichtsrat nun offenbar in Erwähnung ziehen, Kaeser am Mittwoch ihre Stimmen aus Protest zu verweigern. Auf Anfrage des Magazins sagte ein Sprecher am Montagabend, dass Ackermann noch nicht entschieden habe, wie er abstimmen werde.

Dem Bericht zufolge werden Spekulationen laut, dass Ackermann mit seiner Blockadehaltung selbst auf den Posten als Siemens-Oberkontrolleur spekuliere. Anstelle von Finanzchef Joe Kaeser favorisiere Josef Ackermann unter anderem den Ex-Siemens-Chef Klaus Kleinfeld an der Spitze des Weltkonzerns. Ackermanns Sprecher dementierte beide Spekulationen laut "Spiegel" vehement. (kom)