• Die Bundesnetzagentur bleibt dabei: "Die Gasversorgung in Deutschland ist stabil", hieß es auch am Mittwoch in ihrem täglichen Lagebericht.
  • Seit Mittwochmorgen fließt weniger russisches Gas Richtung Westen.
  • Das wirft Fragen auf.

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Die Ukraine leitet seit Mittwochmorgen kriegsbedingt kein russisches Erdgas mehr durch das Gebiet Luhansk Richtung Westen. Der russische Gaskonzern Gazprom erklärte, dass daher am Mittwoch mit 72 Millionen Kubikmetern Gas rund ein Viertel weniger Erdgas als noch am Vortag durch die Ukraine fließen sollte. Große Auswirkungen auf die Gasversorgung in Westeuropa hat dies bislang offenbar nicht. Ein Überblick.

Fließt jetzt tatsächlich weniger russisches Gas nach Europa als vorher?

Ja. Das durch die Ukraine transportierte Gas kommt unter anderem im bayerischen Waidhaus an. Die Bundesnetzagentur erklärte, dass dort gut ein Viertel weniger Gas als am Vortag ankommt.

Kommt es durch das fehlende Gas zu einem Engpass auf dem europäischen Gasmarkt?

Nein. "Diese Mengen werden aktuell durch höhere Flüsse insbesondere aus Norwegen und aus den Niederlanden ausgeglichen", heißt es bei der Behörde. Der Gasmarkt habe die Mindermengen selbstständig kompensiert, sagte ein Insider aus der Gasbranche.

Sind die Gaspreise gestiegen?

Bis zum Mittwochnachmittag nicht. Im Gas-Großhandel sanken die Preise sogar leicht. Am wichtigen niederländischen Handelspunkt TTF lag der Preis für eine Megawattstunde für im Juni zu lieferndes Erdgas am frühen Nachmittag bei 95,30 Euro. Am Vortag hatte er noch 98,80 Euro betragen. Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor kostete die Megawattstunde dort knapp 20 Euro, am 7. März 2022, knapp zwei Wochen nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine, fast 211 Euro. Am Mittwochmorgen war der Großhandelspreis allerdings zeitweise auf über 100 Euro geklettert.

Was bedeutet die Verringerung der Gas-Transitmenge für Haushaltskunden?

Auch wenn die Großhandelspreise bislang nicht gestiegen sind, rechnet der Energieexperte der Verbraucherzentrale NRW, Udo Sieverding, mit einer zunehmenden Nervosität der Märkte. Verbraucher sollten sich auf weiter steigende Gaspreise einstellen. Noch längst nicht alle Versorger hätten die Großhandelspreise vollständig weitergegeben oder würden eine weitere Preiserhöhungswelle benötigen. "Es bleibt dabei: Energiesparen, was das Zeug hält, und den Sommer für Energieeffizienzmaßnahmen nutzen", riet er.

Der Energieversorger Eon rechnet ebenfalls nicht mit unmittelbar steigenden Endkunden-Preisen. "Kurzfristig hat die Teil-Einstellung des Gastransports durch die Ukraine für die Preise unserer Kunden keine direkt spürbaren Auswirkungen", sagte ein Unternehmenssprecher. Welche Folgen sich längerfristig ergäben, bleibe abzuwarten. Eon geht davon aus, dass sich die massiven Steigerungen bei den Beschaffungspreisen für Energie langfristig auch auf die Endkundenpreise niederschlagen werden. Langfristig könne sich kein Anbieter dieser Entwicklung entziehen, sagte er. "Vieles spricht dafür, dass die Preise an den Großhandelsmärkten wohl länger hoch bleiben."

Wie beurteilen Experten die Verringerung der Transitmengen?

"Es war nur eine Frage der Zeit, dass die Ukraine den Gastransit nach Europa kriegsbedingt teilweise stoppt", sagt etwa Energieökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Auf die Versorgungssicherheit in Deutschland habe dies keine unmittelbaren Auswirkungen. "Auch können die Speicher wie geplant bis zum nächsten Winter ausreichend gefüllt werden", ist sie überzeugt. Sie rechnet damit, dass die Großmarktpreise weiter steigen, sodass in der Folge auch die Gasrechnungen für die Endkunden weiter steigen dürften.

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