• In neun von zehn Ländern haben sich die Lebensverhältnisse den Vereinten Nationen (UN) zufolge 2021 verschlechtert - auch in Deutschland.
  • Einen solch flächendeckenden Rückschritt haben die UN in über 30 Jahren nicht verzeichnet, nicht einmal auf dem Höhepunkt der Finanzkrise.
  • Schuld ist auch, aber nicht nur, die Corona-Pandemie.

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Die Lebensverhältnisse der Menschen haben sich im Jahr 2021 in neun von zehn Ländern verschlechtert. Das geht aus dem "Index der menschlichen Entwicklung" der UN-Entwicklungsagentur UNDP hervor. Zum zweiten Mal in Folge sei der globale Index-Wert zurückgegangen, beklagte die UNDP bei der Präsentation des Berichts am Donnerstag. Einen so flächendeckender Rückgang wie 2021 habe es in über 30 Jahren seit Einführung des Index nicht gegeben. Selbst auf dem Höhepunkt der Finanzkrise vor rund zehn Jahren sei dieser nur in rund einem von zehn Ländern zurückgegangen.

Corona-Pandemie wirft Welt um fünf Jahre zurück

Der Index misst den Durchschnitt von Lebenserwartung, Bildungsniveau und Lebensstandard in Staaten. Der derzeitige Rückgang bedeute, "dass wir früher sterben, weniger gut gebildet sind, dass unsere Einkommen sinken", sagte UNDP-Chef Achim Steiner der Nachrichtenagentur AFP. Dies führe zu einem verbreiteten Gefühl von "Verzweiflung, Frustration, Zukunftsangst".

Wichtigster Auslöser des Rückgangs ist dem Bericht zufolge die Corona-Pandemie. Politische, finanzielle und klimabedingte Krisen hätten ebenfalls dazu beigetragen. Der Rückgang habe die Errungenschaften der vorangegangenen fünf Jahre zunichtegemacht.

Deutschland verliert fünf Plätze im Vergleich zu 2015

Laut dem neuen Ranking ist die Schweiz mit einem Index-Wert von 0,962 das höchstentwickelte Land der Welt, nahezu gleichauf mit Norwegen und Island. Deutschland kommt auf 0,942, belegt Rang neun und verliert damit im Vergleich zu 2015 fünf Plätze. Bei der Erstauflage 1990 hatten die Vereinigten Staaten noch geführt, sie kommen jetzt nur noch auf Rang 21. Auf den hintersten Plätzen der 191 untersuchten Staaten liegen Niger, Tschad und Südsudan.

"Wir leben in sehr schmerzlichen Zeiten, egal ob es um eine Welt unter Wasser, ohne Wasser, in Flammen oder inmitten einer Pandemie geht", sagte Steiner. "Die Welt taumelt von Krise zu Krise, gefangen im Kreislauf des Feuerlöschens, ohne dass die Wurzeln unserer Probleme angefasst werden." Außerdem beobachteten die Statistiker weltweit wachsenden Pessimismus: Sechs von sieben Menschen gäben an, sich unsicher zu fühlen, ein Drittel sagte, dass sie anderen nicht vertrauen.

"Woran liegt es, dass wir nicht handeln?"

Fortschritt sei aber beispielsweise dank neuer Computertechnologien, Wissenschaft oder neuer Getreidesorten möglich, so Steiner weiter. In Kenia könne dank ausgiebiger Anstoßinvestitionen inzwischen 90 Prozent des Strombedarfs durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Gesellschaften, die fossile Brennstoffe finanzierten, machten einen Fehler, sagte er. "Wir können unsere Umstände ewig in Statistiken umschreiben. Die harte Frage, der wir uns stellen müssen, lautet: Woran liegt es, dass wir nicht handeln?" (dpa/afp/mcf)

Teaserbild: © Getty Images/Juanmonino