Die Bürger in weiten Teilen Deutschlands müssen sich in der kommenden Woche auf erhebliche Beeinträchtigungen im öffentlichen Dienst einstellen.

Weitere aktuelle News finden Sie hier

Vor der wahrscheinlich entscheidenden Tarifrunde für die Beschäftigten von Bund und Kommunen am 15. und 16. April wollen die Gewerkschaften ab Dienstag ihren Druck auf die Arbeitgeber erhöhen und ihre Warnstreiks ausweiten.

Verdi fordert für die bundesweit 2,3 Millionen Beschäftigten sechs Prozent mehr Lohn und Gehalt, mindestens aber 200 Euro pro Monat. Die Arbeitgeber haben bislang kein Angebot vorgelegt. Die Tarifverhandlungen hatten am 26. Februar begonnen. Seitdem haben die Gewerkschaften ihre Forderungen immer wieder mit Warnstreiks untermauert. Über Ostern wurde nicht gestreikt. Die Arbeitgeber halten die Arbeitsniederlegungen mit Hinweis auf den vereinbarten nächsten Verhandlungstermin in Potsdam für überflüssig.

Müllabfuhr, Kitas, Ämter und Kliniken in Baden-Würrtemberg bestreikt

In Baden-Württemberg sollen ab Dienstag nicht nur die Müllabfuhr, Kitas, Ämter und Kliniken bestreikt werden, sondern erstmals während der laufenden Tarifrunde auch der öffentliche Nahverkehr. Die Aktionen sollen bis einschließlich Donnerstag dauern, teilte die Gewerkschaft Verdi am Freitag mit. "Am 16. April muss es einen Tarifabschluss im öffentlichen Dienst geben, der tarifpolitisch in das Jahr 2018 passt", forderte Verdi-Landesbezirksleiter Martin Gross.

Auch in Hessen werde es ab Dienstag zu "umfassenden Streiks" kommen, teilte Verdi in Frankfurt mit. Betroffen seien unter anderem Stadtwerke, Stadtreinigungen, Krankenhäuser, Stadtgärtnereien, Kitas, Verwaltungen sowie der öffentliche Nahverkehr. Auch der Frankfurter Flughafen könnte betroffen sein: Auf Nachfrage bezeichnete eine Verdi-Sprecherin einen Warnstreik dort als "wahrscheinlich".

In Nordrhein-Westfalen hat Verdi für Dienstag zu drei Großkundgebungen und Warnstreiks aufgerufen. Der mit verhandelnde Beamtenbund plant für Mittwoch in Bonn eine Demonstration mit rund 7.000 Teilnehmern.

Kundgebungen in München und Nürnberg

Der Verdi-Landesbezirk Bayern hatte bereits für nächsten Dienstag und Mittwoch zwei Großkundgebungen in München und Nürnberg mit jeweils mehreren tausend Teilnehmern angekündigt und von Bund und Kommunen Bewegung gefordert. Hauptverhandlungsführer für den Bund ist Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), für die Städte und Gemeinden ist es der Präsident der kommunalen Arbeitgebervereinigung VKA, Thomas Böhle. Für die Beschäftigten der Bundesländer gibt es gesonderte Tarifverhandlungen.

Warnstreiks am Donnerstag in Hannover und Bremen

Im Norden werden am Dienstag Warnstreiks im Bezirk Weser-Ems stattfinden mit Schwerpunkt in Emden. Am Donnerstag soll es einen ganztägigen Warnstreik in Hannover und Bremen geben. In der niedersächsischen Landeshauptstadt würden keine Busse und Bahnen fahren, auch Müllabfuhr, Stadtreinigung und Kitas würden bestreikt, kündigte der Verdi-Landesbezirk Niedersachsen/Bremen an. Bei einer Kundgebung auf dem Opernplatz soll unter anderem Verdi-Chef Frank Bsirske sprechen, die Gewerkschaft erwartet 8.000 Teilnehmer.

In Berlin waren am Freitag die Beschäftigten der Stadtreinigung aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. Der Aufruf galt auch für Samstag, wie ein Verdi-Sprecher sagte. An beiden Tagen sollten sich rund 5.500 Beschäftigte an dem Ausstand beteiligen. Bei den Wasserbetrieben war die Servicehotline betroffen. Zu einer Kundgebung am Freitagvormittag kamen laut Gewerkschaft rund 1.000 Mitarbeiter.  © dpa