(cai) - Der "Black Friday" ist einer der umsatzstärksten Verkaufstage in den USA. Konsumkritiker setzen seit 20 Jahren den "Buy nothing day" dagegen. Der wird auch in Deutschland gefeiert. Wie man den "Kauf-nix-Tag" am 24. November übersteht, ohne einen Cent auszugeben.

Es ist kein Tag wie jeder andere. Am sogenannten "Black Friday", dem Freitag nach dem amerikanischen Erntedankfest "Thanks Giving", wird in den USA das Weihnachtsgeschäft eingeläutet. Gerade in Zeiten einer lahmenden Konjunktur gelten die Verkaufszahlen an diesem Tag als wichtiger Indikator für das bevorstehende Weihnachtsgeschäft. Mit Rabatten und Aktionen kurbeln Händler ihr Geschäft an. Mit Erfolg: Der "Black Friday" ist einer der umsatzstärksten Tage in den USA.

1992 kam das kanadische Medienunternehmen Adbusters Media Foundation auf die Idee, den Spieß umzudrehen - und rief den "Buy nothing day" aus. Das Unternehmen, das für Aktivistenorganisationen wie Greenpeace oder die Präsidentschaftskampagne der US-Grünen auch Werbespots produziert hat, Inititator der Occupy-Wall-Street-Bewegung war und das kulturkritische Journal "Adbusters" herausgibt, verfolgt damit eine Mission: Die moderne Konsumgesellschaft wachrütteln und zum Überdenken des eigenen Konsumverhalten anhalten.

Einkaufsparadiese in Dubai und Co. bieten mehr als nur Einheitsbrei.

Der "Buy nothing day" wird mittlerweile in über 80 Ländern gefeiert. Auch in Deutschland. Hier begleiten seit Anfang der 2000er Jahre unter anderem die Globalisierungskritiker von Attac den sogenannten "Kauf-nix-Tag" mit diversen Aktionen und Veranstaltungen. Er findet aber anders als in den USA nicht am letzten Freitag, sondern am letzten Samstag im November statt.

"Kauf-nix-Tag": Rituale über Bord

An diesem einen Samstag kein Geld ausgeben, klingt nicht gerade nach einer unlösbaren Aufgabe. "Sein" Einkauf des neuesten Technik-Gadgets oder "Ihr" Schuhkauf muss dann eben warten. Verschoben ist ja nicht aufgehoben. Einfach für einen Tag einen Bogen um die Einkaufsstraßen und Kaufhäuser machen. So einfach ist das. Gerade in der stressigen Vorweihnachtszeit kann das sogar erholsam sein.

Auf der anderen Seite gibt man ja nicht nur beim klassischen Shoppen Geld aus. So sind auch liebgewonnene Rituale am "Kauf-nix-Tag" tabu: Wie jeden Samstag nach dem Aufstehen erst einmal zum Bäcker gehen und frische Brötchen holen? Geht nicht. Sich zum ausgiebigen Brunchen mit Freunden treffen? Gibt's nicht.

Auch die Nachmittagsplanung fällt dünn aus. Während "Sie" auf das Treffen mit der besten Freundin im Cafe verzichtet, lässt "Er" den Gang in die Sportbar zum Fußballgucken sausen. Außer natürlich der Cafe- oder Barbesitzer hat kein Problem damit, wenn "Sie" sich ihren Kaffee oder "Er" sich das Bier diesmal von Zuhause mitbringt. Eine Alternative: Statt mit Geld einfach mit Abwaschen zahlen.

Singles, die ausgerechnet am Kauf-nix-Tag, ein Date am Abend haben, stehen vor einer undankbaren Aufgabe. Blumen für die Dame der Wahl kaufen? Verboten. Sie aus Nachbars Garten holen? Möglich. Aber Ende November blüht da einfach nichts.

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Letzter Ausweg Tauschbörse

Die Abendplanung wirft das größte Problem auf: Ein Kino- oder Clubbesuch ist wegen der Eintrittspreise nicht möglich. Das heißt dann wohl: Zur Privatparty einladen - zumindest wenn jeder Gast etwas mitbringt.

Das ist dann auch die Lösung für den "Kauf-nix-Tag": "Ich gebe dir etwas, dafür gibst du mir etwas zurück." Das uralte Tauschprinzip hält durch Tauschbörsen wieder Einzug in die moderne Konsumgesellschaft. Zu tauschen statt zu kaufen, dürfte auch ganz im Sinne der konsumkritischen Erfinder des "Buy nothing days" sein.

Unzählige Online-Börsen bieten mittlerweile nicht mehr nur Waren, sondern auch Dienstleistungen zum Tausch an. Wie beispielsweise "Die Tauschbörse". Wer ein altes Produkt loswerden will, stellt es hier einfach online - und wartet, welcher andere Nutzer ihm welchen Artikel dafür anbietet. Das Prinzip bei "Tauschticket" ist etwas anders: Produkt online stellen und einen Tauschwert, ein sogenanntes Ticket, festlegen. Findet das Produkt einen Abnehmer, können die dafür erhaltenen Tickets für einen anderen Artikel eingelöst werden.

Zudem gibt es zahlreiche lokal organisierte Tauschringe, sozusagen die Web-Form der Nachbarschaftshilfe. Beim "Tauschring München" werden beispielsweise nicht nur Produkte getauscht, sondern auch Dienstleistungen wie Kinderbetreuung, Gartenarbeit oder handwerkliche Hilfen angeboten. Auch hier fließt kein Geld, als Währung gilt vielmehr der erbrachte Zeitaufwand, den man später bei anderen Mitgliedern einlösen kann.