Im Münchner Prozess um den Milliardenskandal bei Wirecard wollen die Richter erst nach Bedenkzeit entscheiden, wie sie mit einem Brief des mutmaßlichen Drahtziehers Jan Marsalek verfahren.

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Damit ist noch nicht klar, ob und wann die Kammer das im Auftrag Marsaleks von dessen Anwalt aufgesetzte Schreiben als "schriftliche Zeugenerklärung" für die Beweisaufnahme zu den Akten nimmt. "Das werde ich nicht in der Nacht übers Knie brechen", sagte der Vorsitzende Richter Markus Födisch am Donnerstag. Als Grund nannte er rechtliche Überlegungen.

Der aufsehenerregende Brief enthält massive Vorwürfe gegen den Kronzeugen der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung des früheren Wirecard-Vorstandschefs Markus Braun misst dem Schreiben daher große Bedeutung bei und hat die Verlesung im Prozess beantragt. Marsalek ist seit drei Jahren untergetaucht, wird per Haftbefehl gesucht und ist einer der Hauptverdächtigen.

Die Vorwürfe der Anklage fußen ganz wesentlich auf den Aussagen des Kronzeugen, dem Brauns Anwälte wiederholt Lügen vorgeworfen haben. Demnach erdichtete eine Betrügerbande bei Wirecard unter maßgeblicher Beteiligung Brauns Scheingeschäfte in Milliardenhöhe. Nach Darstellung Brauns hingegen waren sowohl Geschäfte als auch Erlöse echt.

Stattdessen sollen Marsalek und Komplizen zwei Milliarden Euro aus dem Konzern abgezweigt und veruntreut haben. Die Verteidigung des Kronzeugen hingegen hat das Marsalek-Schreiben für "Blödsinn" erklärt - mit dem Argument, dass dieses keine konkreten Belege enthalte und Marsalek unglaubwürdig sei.  © dpa

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