Unsere Finger knacken, wenn wir daran ziehen. Aber schadet das den Gelenken und löst es Arthritis oder Athrose aus? Und warum entsteht eigentlich ein Knackgeräusch?

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Ob bewusst oder unbewusst: Bei vielen Menschen knacken die Finger. Manche entspannt das Geräusch, anderen stehen dabei die Haare zu Berge auf. Aber ist das Knacken eigentlich schädlich? Und woher kommt das Geräusch?

Entsteht durch Fingerknacken Arthrose?

Mit der ersten Frage haben sich bereits jede Menge Forscher beschäftigt. Der amerikanische Arzt Donald Unger zum Beispiel testete ganze 50 Jahre lang das Knacken an seiner linken Hand, während er die rechte in Ruhe ließ. Heraus kam: nichts. Er konnte keinen besonderen Verschleiß (Arthrose) und keine spezielle Entzündung (Arthritis) nachweisen.

Andere Studien fanden heraus, dass Fingerknacker lediglich öfter geschwollene Hände haben, häufiger körperlich arbeiten, mehr Alkohol trinken und rauchen - ob das allerdings mit dem Fingerknacken zusammenhängt, ist unklar.

Die schlechte Studienlage lässt die Vermutung zu, dass das Knacken keine großen Probleme verursacht. "Wir hätten vermutlich bereits bemerkt, wenn Menschen, die ihre Gelenke knacken lassen können, häufiger Probleme mit diesen Gelenken haben", sagt Orthopädin Caroline Werkmeister, die das Athleticum am Universitätsklinikum Eppendorf leitet.

Auch Fritz Uwe Niethard, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), sagt gegenüber dem "Spiegel": "In der Regel dürfte das Knacken keine negativen Folgen haben." Auch dann nicht, wenn es mal knackt, obwohl man gar nicht an den Fingern gezogen hat.

Fingerknacken hat auch mit Genetik zu tun

Genau hier gibt es einen Unterschied: Nicht jeder Mensch knackt bewusst mit den Fingern. Das Knacken scheint schlicht und einfach mit Gewohnheit zu tun zu haben - und mit einem kleinen körperlichen Unterschied.

"Bei manchen Menschen sind die Gelenke genetisch bedingt lockerer als bei anderen", so Niethard. "Dann knacken sie auch einfacher."

25 bis immerhin 54 Prozent - also mehr als die Hälfte aller Menschen - knacken mit den Fingern ganz einfach aus Gewohnheit.

Aus diesem Grund entsteht das Knackgeräusch

Warum das Geräusch beim Fingerknacken entsteht, ist bis heute noch nicht ganz geklärt. Dazu gibt es aber zwei Theorien.

Eine davon stammt von Wissenschaftlern der University of Alberta in Kanada aus dem Jahr 2015. Gregory Kawchuk und sein Team fanden heraus, dass beim Knacken ein Hohlraum im Gelenk entsteht, wenn man die Finger auseinanderzieht.

"Es ist ein wenig, als würde sich ein Vakuum bilden", erklärte Greg Kawchuk in einer Mitteilung. "Wenn sich die Gelenkflächen plötzlich voneinander wegbewegen, ist keine Flüssigkeit mehr da, um das immer größer werdende Volumen zu füllen. So kommt es zu dem Hohlraum, und dieses Ereignis ist mit dem Geräusch verbunden." Eben dem typischen Knackgeräusch.

Eine zweite Theorie aus den 70er-Jahren besagt, dass Kohlendioxid und Sauerstoff durch den Unterdruck in die Flüssigkeit zwischen den Gelenken gelangt. Durch die Gase entstehen dort große Blasen, die zerplatzen.

Es ist jedoch umstritten, ob das dabei entstehende Geräusch wirklich so laut zu hören ist. Um den wahren Grund für das Knackgeräusch zu ermitteln, gibt es derzeit noch nicht genügend große Studien.

Eines ist allerdings gewiss: Sollten einmal Schmerzen beim Fingerknacken auftreten, sollten Sie zum Arzt gehen. Auch der Münchner Orthopäde Werner Zirngibl warnt vor Verschleißerscheinungen der Gelenke, wenn sie häufig überdehnt werden.

(pak/ff/mit Material der dpa)

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