• Der Spiegel ist ein Alltagsgegenstand in jedem Haushalt. Und doch birgt er ein Rätsel, das vielen Menschen Kopfzerbrechen bereitet.
  • Warum vertauscht ein Spiegel rechts und links, aber niemals oben und unten?
  • Das steckt hinter dem Spiegelparadoxon.

Mehr Wissensthemen finden Sie hier

Timo hat sich ein neues T-Shirt seiner Lieblingsband "Foo Fighters" gegönnt. Doch als er sich mit dem guten Stück im Spiegel betrachtet, wird die Aufschrift unleserlich. Jeder kennt das Phänomen – im Spiegel erscheinen Schriften spiegelverkehrt. Er scheint also rechts und links zu vertauschen. Doch ist das wirklich so? Und warum vertauscht der Spiegel dann nicht oben und unten?

Es ist eine Frage, die uns immer wieder Kopfzerbrechen bereitet. So sehr, dass es dafür einen eigenen Begriff gibt – das Spiegelparadoxon.

Die Erklärung für das T-Shirt-Phänomen ist denkbar einfach, denn der Foo-Fighters-Schriftzug auf Timos Shirt ist ja bereits falsch herum. Er ist so angebracht, dass ihn Timos Freunde lesen können, nicht aber Timo aus seiner Perspektive des T-Shirt-Tragenden selbst. Der Spiegel vertauscht also gar nicht links und rechts, das hat Timo bereits selbst getan.

Spiegelparadoxon – der Folientrick gibt Aufschluss

Ein weiteres Beispiel macht es noch deutlicher: Schreiben wir ein Wort auf ein Blatt Papier und halten es vor einen Spiegel, erscheint das Spiegelbild seitenverkehrt. Denn wir halten das Papier ja nicht so, dass wir die Schrift lesen können, sondern drehen es um 180 Grad zum Spiegel hin. Schreiben wir dasselbe Wort auf eine transparente Folie, brauchen wir es nicht zu drehen. Wir sehen nun von hinten, dass die Schrift genauso im Spiegel erscheint wie auf der Folie.

Wer statt einer Schrift einen Pfeil verwendet, erkennt: Zeigt der Pfeil nach links, so zeigt auch das Spiegelbild dorthin. Zeigt er nach rechts, tut dies auch sein Ebenbild im Spiegel.

Doch Timo ist weiterhin verwirrt. Denn wenn er seinen rechten Arm hebt und seinem Spiegelbild zuwinkt, so winkt dieses natürlich zurück – allerdings mit dem linken Arm. Will uns der Spiegel zum Narren halten?

Lesen Sie auch: Alltagsfrage: Warum gibt es Tages- und Nachtcreme?

Der Spiegel narrt unser Gehirn

Natürlich trifft ein Spiegel keine selbständigen Entscheidungen. Vielmehr kommt uns – wie so oft – unsere eigene Natur in die Quere. Denn ein Spiegel wirft Lichtstrahlen, die auf seine Oberfläche treffen, ganz einfach zurück - er vertauscht somit das Bild entlang der vertikalen Achse. Unser Gehirn setzt die Informationen dann so zusammen, wie es uns sinnvoll erscheint.

Dabei entsteht das sogenannte virtuelle Bild. Als ob ein Doppelgänger um den Spiegel herumgegangen wäre und uns nun entgegenblickt. Die rechte Hand, die Timo hebt, erscheint uns als die linke des Doppelgängers. Denn wir interpretieren, was wir sehen und stellen es in einen uns bekannten Sinnzusammenhang.

Timo zeigt mit dem Finger auf sein Spiegelbild, als ob er es warnen wollte, ihn nicht zu veralbern. Da fällt ihm etwas Entscheidendes auf: Sein Spiegelbild zeigt ebenfalls auf ihn. Berührt er den Spiegel, so tut das auch sein Ebenbild, quasi "von innen".

Lesen Sie auch: Alltagsfrage: Wozu ist das zweite Loch im Waschbecken da?

Aus vorne wird hinten – Durchblick beim Spiegelparadoxon

Ein Spiegel vertauscht also sehr wohl etwas. Allerdings nicht rechts und links, sondern vorne und hinten. Was nahe am Spiegel ist, erscheint auch im Spiegelbild nahe. Dinge, die weiter entfernt sind, scheinen sich auch bei unserem Gegenüber weiter von der Reflexionsfläche zu befinden.

Den Effekt des Spiegels könnte man also als ein "Umstülpen" beschreiben. Als ob eine Person durch den Spiegel hindurchgedrückt würde. Und dann auf der anderen Seite als Hohlkörper mit exakt denselben Ausmaßen ankommen würde. Nur eben spiegelverkehrt.

Diese Vorstellung ist uns aber fremd. Deshalb stellt sich unser Gehirn lieber einen Menschen vor, der um den Spiegel herumgeht. Dabei hilft der symmetrische Aufbau eines menschlichen Gesichtes.

Es ist also nicht der Spiegel, der rechts und links vertauscht, sondern es sind wir selbst. "My Poor Brain" heißt ein Song der Foo Fighters. Und Timo dreht ihn heute extralaut auf.

Verwendete Quellen:

  • Spektrum der Wissenschaft (Ausgabe Juni 2004): Spiele mit ebenen Spiegeln
  • Why Do Mirrors Flip Left and Right but NOT Top and Bottom – Richard Feynman
  • scienceBlogs.de: Das Spiegelparadoxon: Warum vertauscht ein Spiegel links und rechts aber nicht oben und unten?
  • wissen.de: Warum ist das Spiegelbild seitenverkehrt?
Interessiert Sie, wie unsere Redaktion arbeitet? In unserer Rubrik "Einblick" finden Sie unter anderem Informationen dazu, wann und worüber wir berichten, wie wir mit Fehlern umgehen und woher unsere Inhalte kommen.
Bildergalerie starten

So sähen historische Persönlichkeiten heute aus

Wir kennen Büsten von Julius Caesar, Nofretete und Kleopatra. Von Wolfgang Amadeus Mozart und Marie Antoinette gibt es Gemälde. Doch wie würden diese historischen Persönlichkeiten aussehen, wenn sie in der heutigen Zeit leben würden? Eine Künstlerin hat ihnen einen neuen Anstrich verliehen.