Kraftwerke, Solaranlagen und Windräder sorgen dafür, dass die Haushalte nonstop mit Energie versorgt sind. Doch woher kommt die Energie aus der Steckdose eigentlich vom Erzeuger in meine Wohnung. Eine Spurensuche.

Das Radio läuft, das Licht ist an und im Herd backt ein Kuchen. Völlig selbstverständlich stecken wir den Stecker des Föhns in die Steckdose oder schalten den Fernseher ein. Strom gehört zu unserem Leben und ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Viele Haushalte setzen inzwischen auch auf nachhaltig erzeugte Elektrizität. Die Energieversorgung in Deutschland wird von Jahr zu Jahr grüner. Trugen erneuerbare Energien laut dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Jahr 2014 noch 25,8 Prozent zur Bruttostromerzeugung bei, waren es Mitte 2015 über 30 Prozent. Vor 16 Jahren lag der Anteil übrigens bei gerade mal sechs Prozent.

Versorgung beruht auf breitem Mix

Doch ob herkömmlich oder öko - wo kommt der Strom eigentlich her? Die Versorgung in Deutschland basiert auf einem breiten Mix: Strom wird in Kohle-, Atomkraftwerken, durch Wasserkraft, Windräder, Photovoltaikanlagen und in Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen produziert oder auch aus dem Ausland importiert. Mit einem Anteil von fast 25 Prozent ist die klimaschädliche Braunkohle trotz Energiewende eine der Hauptquellen. Aber auch erneuerbare Energien gewinnen an Bedeutung. Jede vierte verbrauchte Kilowattstunde Strom stammt heute aus dieser Quelle, informiert das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie aus seiner Website.

Wenn Sie diese Fallen kennen, schonen Sie Ihren Geldbeutel.

Das europäische Stromnetz sorgt für die Grobverteilung der elektrischen Energie. 110.000 Volt fließen durch diese Leitungen. Das ist fast 500-mal mehr Spannung, als in der heimischen Steckdose. Um den Strom nutzen zu können, muss die Spannung reduziert werden. Das übernehmen riesige Transformatoren in den Umspannwerken. 110.000 Volt werden so in 10.000 Volt umgewandelt. Neben dem Strom aus dem Übertragungsnetz produzieren die Stromversorger wie zum Beispiel die Stadtwerke einen Teil des Stroms in Blockheizkraftwerken oder mit Hilfe erneuerbarer Energien wie Photovoltaikanlagen selbst. Mit kleineren Solaranlagen kann auch jeder Haushalt einen Teil selbst erzeugen.

Und wie kommt der Strom nun in die heimische Steckdose? Je nach Stromversorger und Gebiet wird der Strom aus dem Verteilnetz und aus den verschiedenen hiesigen Produktionsstätten in das Mittelspannungsnetz eingespeist. Mit einer Spannung von 10.000 Volt wird der Strom an Großverbraucher wie Firmen oder Krankenhäuser weitergeleitet. In Übergabestationen wandeln die Transformatoren die Spannung in 400 Volt um. In Privathaushalten reicht eine Spannung von 220 Volt. Deshalb wird der Strom, bevor er über Erdkabel oder Freileitungen in die Häuser und Wohnung weitergeleitet wird, in verschiedenen Ortsnetzstationen von 10.000 Volt in 230 Volt transformiert. Auch der Strom von kleinen Solaranlagen wird in dieses Niederspannungsnetz eingespeist.

Wie wird Öko-Strom produziert?

Sonne und Wind spielen bei erneuerbaren Energien eine große Rolle. Daneben leisten Biomasse, Wasserkraft und Geothermie einen wertvollen Beitrag zur nachhaltigen Energieversorgung. Sonnenenergie lässt sich meist direkt nutzen. Solarzellen in Photovoltaikanlagen, solarthermische Kraftwerke und Sonnenkollektoren nutzen die Sonnenstrahlung ohne Umwege und wandeln sie in Strom oder Wärme um. Windenergie hat mittlerweile einen Anteil von über neun Prozent an der deutschen Stromerzeugung. Doch was passiert eigentlich, wenn die Windräder mangels wehendem Wind still stehen? Legt das unseren Alltag lahm? "Nein, das passiert sicher nicht", sagt Joß Bracker vom Öko-Institut in Freiburg gegenüber unserer Redaktion.

Zum einen stützt sich die Versorgung nicht auf eine einzelne Art, Energie zu erzeugen sondern auf eine breite Palette verschiedener Kraftwerksarten. Zum anderen kann in Zeiten mit niedriger Stromerzeugung aus Wind und Sonne auch Energie aus Nachbarländern importiert werden. Eine wichtige Aufgabe der Zukunft wird laut des Experten des Öko-Instituts sein, das Netz weiter auszubauen und zu stärken, sodass der Strom überallhin transferiert werden kann. Weht in Süddeutschland nur ein laues Lüftchen, kommt der Strom aus der Windenergie dann eben aus dem Norden. Genauso wichtig für ein starkes Netz wird laut des Öko-Strom-Experten auch der Bau von flexiblen Anlagen wie Gaskraftwerken sein.

Auch Energiespeicher sind ein Thema der Zukunft. Sie können für einen Ausgleich von Erzeugung und Verbrauch genutzt werden, in dem sie zum Beispiel in Zeiten mit viel Wind Strom aufnehmen und bei einer Windflaute die Energie ins Netz abgeben. "Doch um das Energiesystem stabil zu halten, spielen Speicher derzeit keine zentrale Rolle", erklärt der Öko-Strom-Experte. "Speicher werden erst in über zehn Jahren notwendig sein um Schwankungen von Wind und Solarstrom auszugleichen."

Welcher Strom kommt jetzt aus meiner Steckdose?

Was ist, wenn ein Haushalt ausschließlich Öko-Strom beziehen möchte? Braucht er dann einen anderen Hausanschluss? Nein. In der Regel wird der Öko-Strom vom Erzeuger in das allgemeine Versorgungsnetz eingespeist. Egal ob Öko-Strom oder Atomstrom - die elektrische Energie, die man nach Hause geliefert bekommt, unterscheidet sich nicht. Das spielt aber auch keine Rolle. Denn der Kunde bezahlt den Erzeuger dafür, dass er diesen Anteil nachhaltig in umweltfreundlichen Anlagen produziert und eben nicht konventionell. Wenn also mehr Kunden Öko-Strom kaufen, verändert sich auch sein Anteil in diesem Pool, der auch Stromsee genannt wird.

Öko-Strom ist in der Regel teurer als konventionell hergestellter Strom. Da für den Verbraucher nicht zu erkennen ist, welche Art von Strom er letztendlich nutzt, kann es bei grünem Strom auch zu Missbrauch oder Betrug seitens des Anbieters kommen. Experten empfehlen daher, auf seriöse Zertifizierungen zu achten oder sich vorab bei Verbraucherzentralen und namhaften Umweltorganisationen informieren.