Die Chinesen schicken einen "Jadehasen" (Yutu) auf den Mond. Was etwas lächerlich klingt, ist ein großer Moment für das Reich der Mitte und hat auch für den Rest der Welt durchaus Bedeutung. Das Mondfahrzeug befindet sich an Bord des Raumschiffs "Chang'e 3", das am Samstag auf dem Erdtrabanten aufsetzen soll. Gelingt das Vorhaben, ist China nach der früheren Sowjetunion und den USA die dritte Nation der Erde, die eine Mondlandung durchgeführt hat. Stellt sich die Frage: Was bezwecken die Chinesen eigentlich mit dieser Aktion?

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Mond-Souvenirs für die Ewigkeit

Diese "Andenken" ließen Neil Armstrong und Buzz Aldrin bei der ersten Mondlandung auf dem Erdtrabanten zurück.

37 Jahre ist es bereits her: Im August 1976 ließen die Sowjets das letzte Mal eine Sonde - Luna 24 - auf dem Mond landen. Dementsprechend groß ist die Aufmerksamkeit, die China derzeit mit seiner "Chang'e 3"-Mission weltweit erregt.

Kosmischer Rohstoffhunger der Chinesen

Ziel ist laut der offiziellen Webseite der Chinesen, die weiche Landung auf dem Erdtrabanten zu üben und die Mondoberfläche zu erkunden. Der "Jadehase" soll vorerst drei Monate lang 3-D-Bilder und Infrarotspektren aufnehmen und Bodenanalysen durchführen. In letzterem Punkt dürfte die Hauptmotivation liegen: der Suche nach Rohstoffen. Denn auf dem Mond gibt es wahrscheinlich Elemente in Hülle und Fülle, die auf der Erde nur in begrenztem Maß vorhanden sind: seltene Erden, Titan, Uran und vor allem Helium 3. Das kommt als möglicher Brennstoff für künftige Kernfusionskraftwerke in Frage - einer alternativen Energiequelle, die wir Menschen gut gebrauchen könnten, wenn die fossilen Brennstoffe auf der Erde erschöpft sind.

Die chinesische Jagd nach Rohstoffen im All geht allerdings nur in kleinen Schritten voran. So wird China frühestens auf einer weiteren Mission Gesteinsproben vom Mond auf die Erde bringen. Sie ist für 2017 anvisiert. Ein Langzeitziel des chinesischen Raumprogramms ist schließlich eine bemannte Mondmission.

Das will China im All

Schaut man auf die Raumfahrtambitionen der Chinesen, fällt auf: Eine Aktion jagt die nächste. So fand im Sommer der bisher längste bemannte Raumflug Chinas statt. Der 15-tägige Flug mit dem Raumschiff "Shenzhou 10" war ein wichtiger Schritt für den chinesischen Traum einer eigenen Raumstation. Sie soll bis 2020 fertig im All schweben. Dann wird sie dort vielleicht der einzige Außenposten der Menschheit sein - falls der Betrieb der ISS wirklich eingestellt wird. Darüber hinaus arbeitet China auch an einem Satellitennetz, das ein globales Navigationssystem werden soll.

Richtig ärgerlich war für China Indiens erste Marssonde, die der Erzrivale Anfang November auf den Weg schickte. Die beiden Länder liefern sich einen Kampf um die Vormachtstellung in Asien. Im Vergleich der beiden Länder kommt es gar nicht gut, dass China noch keinen Erfolg bezüglich Mars vorzuweisen hat. Auch das soll sich nach Willen der chinesischen Führung ändern: Missionen zum Roten Planeten könnten in der Zukunft folgen.

Das Reich der Mitte auf Aufholjagd

Neben dem kosmischen Machtkampf mit Indien befindet sich das Reich der Mitte mit seinem - übrigens vom Militär verantworteten - Raumprogramm vor allem in einer wissenschaftlich-technischen Aufholjagd gegenüber dem Westen. Es will zeigen: Wir sind wer! "Prestige ist eine wichtige Motivation, aber es ist nicht die einzige und vielleicht nicht einmal die wichtigste", sagt Chen Lan, Herausgeber des Raumfahrtmagazins "Go Taikonauts" der Wissenschafts-Seite "Spektrum.de". China glaube vielmehr, als Weltmacht müsse es komplexe Wissenschaft verstehen und Technologien beherrschen sowie entwickeln, da diese die Zukunft des Landes darstellten. Auf diese Weise wolle das Land auch seiner Wirtschaft zum Durchbruch verhelfen.