Eine kühle Erfrischung nach einem anstrengenden, heißen Tag ist für viele ein absolutes Muss. Der Badespaß kann allerdings tragisch enden. Jährlich ertrinken Hunderte Menschen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

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Die steigenden Temperaturen locken Jung und Alt an umliegende Badeseen, Teiche und Flüsse. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) rät allerdings zur Vorsicht, jedes Jahr ertrinken Hunderte Menschen in Deutschland.

Gründe für die tragischen Notfälle sind unter anderem zu wenig Schwimmunterricht und Übermut.

Wie viele Menschen ertrinken jährlich?

2017 sind nach Angaben der DLRG 404 Menschen ertrunken. "Binnengewässer sind nach wie vor die Gefahrenquelle Nummer eins", sagt DLRG-Präsident Achim Haag.

329 Menschen verloren ihr Leben in Flüssen, Bächen, Seen und Kanälen. Nach Angaben der Rettungs-Gesellschaft waren drei von vier Opfern männlich.

Wann ertrinken die meisten Menschen?

Gutes Wetter sorgt für mehr Badeunfälle. Im vergangenen Jahr ertranken 69 Menschen - und damit die meisten - im Juni. Im darauffolgenden Monat starben 55 Personen im Wasser.

Im Jahr zuvor waren es jedoch insgesamt und auch in den Sommermonaten deutlich mehr. Alleine im August ertranken 92 Menschen.

Die DLRG führt das auch auf das schlechtere Sommerwetter in 2017 zurück. Im Winter gibt es deutlich weniger Fälle, aber auch im Januar und Februar ertranken jeweils 22 Menschen.

Warum ertrinken Menschen?

"Leichtsinn, Übermut und Unkenntnis über Gefahren spielen dabei eine große Rolle", sagt DLRG-Sprecher Achim Wiese zu der hohen Zahl männlicher Ertrunkener.

Senioren wiederum gehe schnell die Kraft aus, Herzprobleme oder Diabetes seien ebenfalls oft ein Problem.

Darüber hinaus sei die Schwimmfähigkeit insgesamt rückläufig. Laut einer Eltern-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der DLRG kann mehr als die Hälfte der Grundschüler in Deutschland nicht richtig schwimmen.

Wie sieht ein Ertrinkender aus?

Entgegen der weitverbreiteten Meinung erkennt man einen Ertrinkenden auf den ersten Blick häufig nicht. Er schreit und strampelt nicht, sondern liegt in den meisten Fällen ruhig im Wasser.

Das liegt daran, dass bei einem Ertrinkenden die menschlichen Instinkte die Oberhand gewinnen. Der Betroffene kann seine Bewegungen nicht mehr bewusst steuern und konzentriert sich nur noch aufs Atmen. Die Sprachfunktion wird dadurch überlagert.

Wie Sie einen Ertrinkenden genau erkennen, beantwortet Ihnen dieser Artikel.

Wie hilft man einem Ertrinkenden?

Für Laien ist es schwierig, einen Ertrinkenden aus dem Wasser zu ziehen und sich aus den oft sehr festen Griffen zu befreien. Jeglicher Körperkontakt mit dem Betroffenen sollte vermieden werden. Das Gewässer kann außerdem Gefahren bergen, die vom Ufer aus nicht zu erkennen sind.

Laien sollten der Person im Wasser deswegen nur Schwimmhilfen oder andere Gegenstände zuwerfen, an denen sich der Ertrinkende festhalten kann.

Außerdem rät die DLRG für den Notfall: Hilfe holen. Der Notruf sollte in erster Linie über die 112 erfolgen. Fachkräfte wie Wasserwacht oder Feuerwehr können dem Betroffenen am besten helfen.

Ist es gefährlich, mit vollem Magen ins Wasser zu gehen?

Das Amerikanische Rote Kreuz fand in einer großen Überblicksanalyse bei Jugendlichen und Erwachsenen keinen lebensgefährlichen Einfluss eines vollen Magens beim Schwimmen.

"Die Bewegungen fallen mit vollem Bauch aber schwerer", sagte DLRG-Sprecher Martin Holzhause. Die DLRG warnt vor dem Gang ins Wasser mit ganz vollem Bauch insbesondere mit Blick auf Kinder. Sie übernähmen sich eher mal, ergänzte Holzhause.

Wenn ihnen beim Baden oder Schwimmen übel wird, sie gar erbrechen und möglicherweise Wasser schlucken, könne es lebensgefährlich werden. "Wir raten daher davon ab, dass Kinder direkt nach dem Essen ins Wasser gehen."

Zudem sollten Kinder ohnehin beim Baden immer überwacht werden.

Ein leerer Magen könne dagegen wirklich bei jedem zum Problem werden, sagte sein Kollege Achim Wiese. Denn zum Schwimmen braucht der Körper viel Energie: In zehn Minuten wird ungefähr die Energie eines Apfels verbraucht.

Bleibt das Herz beim Sprung ins kalte Wasser stehen?

Bei warmem Wetter fließt Blut vermehrt in Arme und Beine. Bei einem Sprung in kaltes Wasser ziehen sich die Gefäße zusammen und pumpen das Blut auf einmal zum Herz.

"Dies belastet die rechte Herzkammer stark und kann bei Menschen mit unerkannten Herzerkrankungen - auch Kindern - zu Rhythmusstörungen führen", erklärt Martin Halle, ärztlicher Direktor des Zentrums für Prävention und Sportmedizin der TU München. Außerdem werde ein Reflex ausgelöst, wenn kaltes Wasser auf das Gesicht trifft. "Herzfrequenz und Blutdruck sinken schnell und manchmal sehr stark."

In den seltensten Fällen sei so ein Ereignis tödlich. Allerdings kann es im Wasser zum Verlust der Orientierung oder zu Bewusstlosigkeit kommen.

Zieht nasse Kleidung nach unten?

Kleidung erhöht den Widerstand beim Schwimmen. Man braucht mehr Kraft und kommt langsamer voran. Dass nasse Kleidung im Wasser jedoch gefährlich nach unten zieht, ist ein Irrglaube.

Stattdessen könne sie sogar Auftrieb geben, schreiben Michael Tipton und Frank Golden in ihrem Fachbuch zum Überleben auf See. Je nach eigener Bewegung kann für eine Zeit die Luft aus der Kleidung am Körper bleiben. Und die sorgt im Notfall für wichtige Wärme in kalten Gewässern. (ff/dpa)

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