Einem Team von Gerichtsmedizinern rund um Fabio Monticelli aus Salzburg ist es gelungen, eine genauere Methode zur Feststellung des Todeszeitpunktes zu entwickeln. Das Verfahren ist besonders auf dem Gebiet der Forensik von großer Bedeutung.

Jeder kennt es von Krimiserien aus dem TV: Ein Mensch wird tot aufgefunden und innerhalb weniger Stunden liefern Forensiker wichtige Hinweise zur Todesursache des Opfers.

So unkompliziert läuft es in der Realität nicht ab. Da braucht es vor allem eines: viel Zeit. Doch bei einem Todesfall mit ungeklärter Ursache zählt jede Sekunde.

Eine Arbeitsgruppe rund um den Gerichtsmediziner Fabio Monticelli von der Universität Salzburg hat nun ein neues Verfahren entwickelt, das neue Möglichkeiten in der Forensik eröffnet und die Feststellung des Todeszeitpunktes massiv beschleunigt.

Gängige Methoden begrenzt einsetzbar

Bisher war es nur möglich, den genauen Todeszeitpunkt entweder kurz nach dem Ableben oder sehr spät nach dem Ableben eines Menschen zu bestimmen. Bei gängigen Methoden wird der Zeitpunkt aufgrund des Abkühlungsverhaltens des Körpers, oder der Untersuchung supravitaler Reaktionen bemessen.

Diese Verfahren sind aber zeitlich begrenzt. "Ab zwölf bis 24 Stunden nach dem Tod, je nach den äußeren Bedingungen, sind diese Methoden aber nicht mehr einsetzbar", erklärt Monticelli. Danach gibt es eine methodische Lücke von ein paar Tagen.

Genau dieser Zeitraum ist in der Forensik wichtig, denn viele Leichen werden eben erst ein paar Tage nach dem Tod entdeckt. "Später greift die Forensische Entomologie, bei der die Liegezeit einer Leiche auf Basis der Entwicklungsstadien von Insekten, die die Leiche besiedelt haben, bestimmt wird."

Abbauverhalten von Proteinen ist die Lösung

Das von Monticelli und seinem Team entwickelte Verfahren soll es möglich machen, die methodische Lücke zu schließen: "Unsere Methode ist für Fälle geeignet, bei denen es mindestens zwei Leichen gibt, die den gleichen Bedingungen ausgesetzt waren oder sind. Und, wo etablierte Methoden nicht zum Einsatz kommen können.

"Wie das geht? Die Gerichtsmediziner können den Abbauprozess von Proteinen in Skelettmuskeln vergleichen. "Diese Proteine bauen sich nach einem bestimmten Muster ab", so Monticello. Dadurch kann der Todeszeitpunkt genauer eingegrenzt werden.

Um das Verfahren auch auf einzelne Leichen anwenden zu können, muss weiter geforscht werden. Darum kooperiert das Salzburger Team jetzt mit dem größten gerichtsmedizinischen Institut Südkoreas.

Mordfall vom Traunsee durch neue Methode geklärt

Zum Einsatz gekommen ist das Verfahren bereits bei einem Kriminalfall am Traunsee. Im Jänner 2016 wurden in dem Gewässer die Leichenteile einer Frau in zwei Koffern aufgefunden. Kurz darauf entdeckten Taucher die Leiche eines Mannes am Grund des Sees. Es stellte sich heraus, dass es sich um ein hessisches Ehepaar handelte.

Monticelli: "Die Obduktion lieferte wichtige Hinweise, um den Tathergang zu rekonstruieren. Es war zunächst völlig offen, wer zuerst starb oder ob die beiden gleichzeitig zu Tode kamen."Durch das lange Verweilen der Körper im Wasser, waren die gängigen Methoden zur Todeszeitpunktbestimmung unbrauchbar. Durch das Anwenden des neuen Verfahrens konnte jedoch herausgefunden werden, dass die Frau schon wesentlich länger tot war.

Die Ermittlungen ergaben schließlich, dass der Mann seine Ehefrau bereits in Deutschland umgebracht und zerstückelt hatte. Danach fuhr er zum Traunsee, wo er die Leichenteile versenkte und sich anschließend selbst umbrachte.