Es gibt ihn auf Papier, mechanisch und elektronisch und ohne ihn wäre unser modernes Leben kaum vorstellbar: der Kalender. Seine Ursprünge liegen schon sehr lange zurück. Den heutigen modernen Kalender verdanken wir hauptsächlich den alten Römern. Von ihnen stammen auch die Bezeichnungen für unsere Monate. Wussten Sie zum Beispiel, dass der Juli nach Julius Cäsar benannt wurde?

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Von der Steinzeit zu Julius Cäsar

Die ersten Kalender tauchten bereits in der Steinzeit auf. So diente beispielsweise Stonehenge der genauen Bestimmung von Sommer- und Wintersonnenwende. Auch die Kultur der Maya hatte eine eigene Zeitrechnung. Der moderne Kalender, wie wir ihn heute verwenden, geht auf Julius Cäsar zurück.

Der Römer war von der Zeitrechnung fasziniert. Sein "Julianischer Kalender", eingeführt 45 v. Chr., verdrängte den bis dahin gültigen römischen Kalender mit 355 Tagen. Das Problem der alten Zählweise bestand im regelmäßigen Einschub eines ganzen Schaltmonats. Cäsar verlängerte mit seiner Reform das Jahr auf 365 Tage, verteilte die neuen Tage auf die einzelnen Monate des Jahres und führte einen Schalttag alle vier Jahre ein. Damit war das Problem des Schaltmonats gelöst.

Allerdings hatte die neue Regelung auch einen Nachteil: Das Julianische Jahr ist gegenüber dem Sonnenjahr, der Zeit zwischen zwei gleichen Zeitpunkten im Ablauf der Jahreszeiten, immer noch um rund 11 Minuten zu lang. Somit wurde die Abweichung von den tatsächlichen Jahreszeiten immer größer.

Das war vor allem für christliche Gläubige ein Problem, da das Osterfest anhand des Frühlingsvollmondes berechnet wird. Deswegen führte Papst Gregor XIII. im Jahr 1582 den "Gregorianischen Kalender" ein, eine für die Zukunft angepasste Variante des Julianischen Kalenders, den wir auch heute noch verwenden.

Wieso heißt der November "November"?

Doch nicht nur in der Zeitzählung selbst schwingt der alte Geist Roms mit, auch die Monate an sich sind Abbilder lateinischer Geschichte – ein kleiner Überblick:

  • Januar: Im Monat des Jahresbeginns versteckt sich der Name des alten römischen Gottes Janus. Im Glauben der Römer ist Janus Beschützer der Stadttore, der Gott des Aus- und Einganges und im übertragenen Sinne damit des Anfangs und des Endes.
  • Februar: Der Monat beinhaltet den Begriff "Februa", das lateinische Wort für Reinigungs- oder Sühnemittel sowie Reinigungsopfer. "Februa" war im Römischen Reich der Name eines Sühne- und Reinigungsfestes, das auch Ende Februar gefeiert wurde.
  • März: Im Frühling beginnt sich die Vegetation nach dem Winter zu erholen, deswegen versteckt sich die Anleihe an den Gott des Krieges und der Vegetation, Mars, im Monatsnamen.
  • April: Die Herkunft des Namens war bereits in der Antike umstritten. Einige Quellen deuten auf die griechische Göttin "Aphrodite" als Ursprung, andere sehen Hinweise auf das lateinische Wort "aperiri", das "öffnen" bedeutet und damit einen Hinweis auf den Frühling enthält.
  • Mai: Die Pflanzen beginnen meist im Mai zu wachsen und prächtig zu blühen. Deswegen benannten die Römer diesen Monat nach "Iupiter Maius", dem römischen Gott des Frühlings und des Wachstums.
  • Juni: Sein Name leitet sich von der römischen Göttin Juno her. Juno ist die Göttin der Geburt und der Ehe.
  • Juli: Der Monat hieß ursprünglich "Quintilis", der "fünfte Monat", da das römische Jahr eigentlich im März begann. Zu Ehren von Julius Cäsar wurde sein Geburtsmonat ab 44 v. Chr. in "Julius" umbenannt, von dem sich das heutige "Juli" ableitet.
  • August: Auf den "Quintilis" folgte der "Sextilis", der "sechste Monat". Und auch er wurde zu Ehren eines Herrschers 8 v. Chr. umbenannt. Kaiser Augustus gab dem Monat seinen Namen.
  • September: Sein Name rührt vom lateinischen "septem", das für "sieben" steht, her. September war also der siebte Monat im alten römischen Kalender. Ursprünglich sollte er nach Kaiser Tiberius benannt werden, die Bezeichnung setzte sich aber nicht durch.
  • Oktober: Auch der Oktober ist nach einem Zahlwort benannt. "Octo" steht für den "achten Monat" nach dem römischen Kalender. Und wie auch wie der September, wollte sich ein römischer Kaiser mit seinem Namen verewigen. Doch die Bezeichnung "Domitianus" fand in der Bevölkerung keinen Anklang.
  • November und Dezember sind in der Folge die neunten ("novem") und zehnten ("decem") Monate der alten Römer. Auch diese Namen sind bis heute erhalten geblieben.

Ein neuer Kalender für Frankreich

Selbst neuere Kalenderentwürfe, wie beispielsweise der französische Revolutionskalender, orientierten sich in der Namensgebung noch deutlich an ihren römischen Vorgängern, obwohl er in seiner Einteilung radikal anders war. Stunden und Minuten wurden ins Dezimalsystem übertragen. Der Tag hatte damit nicht mehr 24 sondern nur noch zehn Stunden. Die Woche wurde abgeschafft, stattdessen hatte jeder Monat drei sogenannte Dekaden à zehn Tage. Auch die Monate wurden umbenannt und mit jahreszeitlich passenden Bezeichnungen versehen. Damit wäre beispielsweise aus einem Teil des Dezembers und des Januars der neue Monat "Nivôse" ("nivis" ist lateinisch für "Schnee") entstanden. Da das Jahr am Tag der französischen Revolution begann, wurde zudem die alte Monatseinteilung völlig zerstört.

Am 1. Juli 1794 führte Frankreich das Dezimalsystem für viele Bereiche des täglichen Lebens ein. So wurden Längenmaße, Gewichte und die Währung umgestellt. Doch während sich die Maßeinheiten für diese Größen relativ günstig herstellen ließen, war die Anfertigung neuer Uhren eine kostspielige Angelegenheit. Deswegen setzte sich die neue Zeitrechnung nicht durch und wurde 1806 offiziell abgeschafft. Einige Revolutionsuhren mit 10-stündigem Ziffernblatt kann man allerdings manchmal noch auf Antiquitätenauktionen bestaunen.

(as)