Es ist ein weiterer Beleg für den Klimawandel: Die Ozeane heizen sich immer schneller auf. Neue Daten zeigen, wie sehr sich Forscher in der Vergangenheit geirrt haben.

In ihren obersten drei Metern halten die Ozeane so viel Wärme wie die gesamte Lufthülle der Erde. Auch bei der Erderwärmung dienen sie als Speichermedium.

Mehr als 90 Prozent der Extrawärme verschwindet in den Ozeanen. Nur ein kleiner Teil lässt Gletscher schmelzen, Eisberge schwinden und wärmt die Luft.

Entsprechend viel verrät die Meerestemperatur über den Klimawandel - eigentlich. Doch aus der Vergangenheit existieren kaum zuverlässigen Daten über die Wassertemperaturen.

Während heute Tausende Bojen jede Regung überwachen und an Satelliten funken, existieren bis 2002 nur vereinzelt Daten. Das macht die Rekonstruktion der Meerestemperaturen äußerst kompliziert - und hat zu einem Grundsatzstreit von Forschern geführt.

1992 fast doppelt so schnell wie noch 1960

Lange sprachen Forscher von der "fehlenden Wärme", der "missing heat". 2013 deutete sogar der Weltklimabericht an, dass sich die Ozeane nur noch langsam erwärmen. Zwei Jahre später stellte sich heraus, dass sich die Forscher von ihren Messergebnissen hatten täuschen lassen.

Wissenschaftler spüren Verloren geglaubten Orbiter auf.

Jetzt zeigt eine aktuelle Studie, wie sehr Forscher die Geschwindigkeit der Meereserwärmung tatsächlich unterschätzt haben.

Der Untersuchung zufolge erwärmen sich die Ozeane rund 13 Prozent schneller als bisher gedacht. Hinzu kommt, dass sich der Prozess immer weiter beschleunigt.

1992 heizten sich die Ozeane bereits nahezu doppelt so schnell auf wie noch 1960, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt "Science Advances". Erst seit 1990 erreiche die Erwärmung überhaupt Wassertiefen unter 700 Metern.

Rekonstruktion in vier Schritten

Für ihre Analyse rekonstruierte das Forscherteam um Lijing Cheng von der Chinese Academy of Sciences in Peking in vier Schritten, wie sich die Meerestemperaturen zwischen 1960 und 2015 verändert hatten:

  • In einem ersten Schritt korrigierten sie die vereinzelten Daten früherer Messungen im Hinblick auf mittlerweile bekannte Messfehler der Methoden
  • Anschließend glichen sie die korrigierten Ergebnisse mit den Berechnungen von Computermodellen ab, um ihre Plausibilität zu überprüfen. Die Ergebnisse der angepassten, früheren Messungen stimmten mit denen der Modellierungen überein, so die Forscher.
  • In einem dritten Schritt übertrugen die Forscher die vereinzelten, existierenden Temperaturmessungen auf umliegende Areale, um Datenlücken zu schließen. Auf diese Weise habe eine einzelne Messung zum Teil ein großes Gebiet repräsentiert, erklärt der Co-Autor John Abraham von der University of St. Thomas in einem Gastbeitrag im "Guardian".
  • Auch hier überprüften die Forscher in einem vierten, letzten Schritt, ob die Ergebnisse realistisch sind. Dafür wendeten sie die Kalkulationen auch auf heutige, einzelne Messwerte an. Das Ergebnis verglichen sie anschließend mit den heute bekannten, flächendeckenden Messungen. Die kalkulierten und die tatsächlichen Werte stimmten überein, so die Forscher. Die Methode schien zuverlässig.

Weitere Studie: 0,12 Grad wärmer pro Jahrzehnt

Die aktuellen Ergebnisse decken sich mit denen einer Studie aus dem Januar, laut der sich das Wasser an der Oberfläche der Ozeane seit 1997 im Schnitt um 0,12 Grad pro Jahrzehnt aufgeheizt haben. Zuvor war man von einem Anstieg von nur 0,07 Grad Celsius im gleichen Zeitraum ausgegangen.

Für diese Untersuchung hatten Forscher um Zeke Hausfather von der University of California Daten von Tauchrobotern, Satelliten und Bojen ausgewertet.

Die Ozeane haben in den vergangenen Jahrzehnten deutlich mehr Wärme absorbiert als bislang gedacht, so das Fazit der beiden Untersuchungen. Das sei ein weiterer Beleg für den menschengemachten Klimawandel.© SPIEGEL ONLINE

Bei einer dreiwöchigen Expedition nach Amerikanisch-Samoa haben Biologen der US-Behörde NOAA in den Tiefen des Pazifischen Ozeans bislang unbekannte Lebewesen entdeckt.