Mumien faszinieren die Menschheit. Sie liefern der Wissenschaft detaillierte Einblicke in die Lebensumstände längst vergangener Zeiten und bleiben doch geheimnisumwittert. Während die unverwesten Körper die Jahrtausende nahezu unbeschadet überstanden haben, hat die Mythenbildung längst eingesetzt.

Was hat es mit dem "Fluch des Pharao" auf sich? Warum fanden bislang acht Männer, die bei der Entdeckung, Bergung und Erforschung der Gletschermumie Ötzi federführend waren, den frühen Tod?

Sank die Titanic, weil sich an Bord eine altägyptische Mumie befand? Und wird es dank "Kryonik", der Konservierung des Leichnams in flüssigem Stickstoff, künftig möglich sein, Tote erneut zum Leben zu erwecken?

Mumien im Film

Mehr Mystery als auf dieser Route kann ein Tourist nicht erleben.

Mumien, so der Kern zahlreicher Mythen, besitzen magische Kräfte. Diese richten sie weit über ihren Tod hinaus auf destruktive Weise gegen all jene, die ihre ewige Ruhe stören. In Filmen werden sie als Untote dargestellt, als unheilvolle Grenzgänger zwischen den Welten, die unsere moderne Zivilisation heimsuchen und bedrohen.

An Halloween ist die Verwandlung in eine Mumie – mittels Mullbinden oder Klopapier –, die für eine Nacht das Reich der Toten verlässt, ein Grusel-Klassiker. Doch worin begründet sich der Mythos?

Natürliche Mumifikation und die künstliche Mumifizierung

Manche Mumien, wie Ötzi, der Mann aus dem Eis, die Moorleichen Nordeuropas sowie Sand- und Trockenmumien, sind durch natürliche Mumifikation aufgrund geographisch-klimatischer Bedingungen entstanden.

In sauerstoffarmen Umgebungen können sich die für die Verwesung notwendigen Mikroorganismen schlecht vermehren.

Zahlreiche Völker kultivierten hingegen die hohe Kunst der Mumifizierung, eine aufwändige Prozedur, in der die alten Ägypter wahre Meister waren.

Die Ägypter glaubten an die Einheit von Körper und Seele über den Tod hinaus. Durch die Einbalsamierung und Ausstattung des Leichnams wollten sie sicherstellen, dass der Körper bestmöglich auf das Jenseits vorbereitet wird.

Das Privileg der künstlichen Mumifizierung wurde zunächst nur den Pharaonen zuteil, später auch einfachen Bürgern und sogar Tieren, wobei diese Osiris und dem Totenreich längst nicht so prachtvoll ausgestattet entgegen treten konnten wie die alten Herrscher.

Die Mumifizierung eines Leichnams, die sich in zahlreichen komplexen Schritten vollzog, dauerte im Idealfall 70 Tage lang an und wurde von magischen Riten begleitet. Das mythische Element gehörte somit untrennbar zum Akt der Mumifizierung.

Mumienpulver und Mumienpartys

Flugzeugabsturz im Jahr 1996 gibt Rätsel auf - und sorgt für Skandal.

Mit Hochachtung gingen die Ägypter allerdings nicht immer mit ihren Mumien um. Lange Zeit florierte der Mumienhandel mit Europa, den auch ein Verbot seitens der Araber im 16. Jahrhundert nicht vollkommen zum Erliegen bringen konnte.

Der schwäbische Arzt Paracelsus (1493-1541) verbreitete den Glauben weiter, "Mumia", angeblich eine Substanz aus staubfein zermahlenen ägyptischen Mumien, sei ein Zaubermittel, das gegen Epilepsie, Tuberkulose und Herzattacken helfe und als Aphrodisiakum wahre Wunder bewirke.

Noch bis in die 1920er Jahre hinein wurde "Mumia" als Heilmittel verkauft. Im 19. Jahrhundert wurde es dann in Teilen Europas "en vogue" "Mumienpartys" für illustre Gäste zu veranstalten, unter deren staunenden Blicken eine ägyptische Mumie langsam ausgewickelt wurde.

Warum sind wir heute noch von Mumien fasziniert?

Während die Ägypter alle Organe außer dem Herz bei der Mumifizierung entfernten und den Bauchraum mit Myrrhe, Kasia und Kräutern ausstopften, finden sich in anderen Kulturkreisen zahlreiche unversehrte Mumien, die in einem erstaunlich guten Zustand sind.

Das trifft besonders auf die natürlichen Mumien zu. Unter den Moorleichen beispielsweise gibt es sehr gut erhaltene Körper mit Haut und Haaren, Weichteilen, Innereien und Kleidungsstücken. Von Ötzi weiß man, das er kurz vor seinem Tod noch Steinbockfleisch gegessen hat.

Und Rosalia Lombardo, ein Mädchen, das 1920 kurz vor ihrem zweiten Geburtstag starb und deren Mumie sich in einem Gruftgewölbe in Palermo befindet, weckt den Anschein, als würde sie friedlich schlafen. Sie gilt als die schönste Mumie der Welt.

So wirken Mumien in der Jetztzeit gleichzeitig wie Fremdkörper und dennoch nahbar. Ihr Anblick vermag den Menschen daher auf einer tieferen Ebene zu berühren, als viele Skelette, deren Knochen und Zähne sehr viel abstrakter wirken.

Kriminalfälle

Experten bezeichnen diesen Ort als den gefährlichsten der Welt.

Mumien regen die Fantasie des Menschen an: Unter welchen Umständen starb der erst 19 Jahre alte Tutanchamun, dessen Grabstätte im Tal der Könige 1922 von dem britischen Ägyptologen Howard Carter entdeckt wurde?

Wie kam die Pfeilspitze aus Feuerstein in Ötzis Schulter, fiel er im Kampf? Weshalb musste die kleine Rosalia, kaum geboren, sterben? Und warum gab es so viele Leichen im Moor?

Um die berühmtesten Mumien der Welt ranken sich Spekulationen, ihr Tod wird zu ungelösten Kriminalfällen, an deren Aufklärung Forscher und Verschwörungstheoretiker gleichermaßen ihre Freude haben.

Der Fluch des Pharao

Der so genannte "Fluch des Pharao" hatte schließlich einen enormen Einfluss auf die Mythenbildung rund um Mumien. Darunter versteht man eine mysteriöse Serie von Todesfällen unter Personen, die an der Entdeckung oder Bergung einer Mumie beteiligt gewesen waren.

"Der Tod soll den mit seinen Schwingen erschlagen, der die Ruhe des Pharao stört", so lautet angeblich die Inschrift einer Tontafel im Grabe Tutanchamuns. Tatsächlich konnte eine derartige Fluchschrift weder gefunden noch dokumentiert werden. In anderen Grabkammern fanden sich jedoch tatsächlich ähnlich klingende Drohformeln.

Mythos Tutanchamun

Welche Geheimnisse nahm Tutanchamun, der, mit einer Maske aus massivem Gold bedeckt, circa 3.000 Jahre nach seinem Ableben entdeckt wurde, mit in den Tod? Warum starb Lord Carnarvon, der die Ausgrabung finanzierte, kurz nach der Entdeckung unter mysteriösen Umständen?

Warum häuften sich die Todesfälle der an der Öffnung des Grabes beteiligten Personen? Zufall oder Fluch? Inzwischen scheint eine plausible Erklärung für dieses Phänomen gefunden zu sein: Mediziner entwickelten die Schimmelpilz-Theorie, wonach eine besonders aggressive Gattung von Sporen im Grab des Pharaos verheerend auf lungenschwache Menschen gewirkt habe.

Beantwortet ist jetzt zumindest die Frage, warum Mumien in Filmen oft als unheilbringende Heimsuchung dargestellt werden. Übrigens wurde selbst der Untergang der Titanic im Jahre 1912 im Nachhinein auf eine ägyptische Frauenmumie geschoben, die sich angeblich an Bord des Luxusliners befunden haben soll, Eisberg hin oder her.

Der Fluch des Ötzi

"Wolfskinder" tauchen verwahrlost auf und mit ihnen schaurige Geschichten.

Noch mysteriöser wird es bei Ötzi: Helmut Simon, der die Gletschermumie 1991 bei einer Wanderung mit seiner Frau entdeckt hatte, starb 13 Jahre später auf eine ganz ähnliche Weise wie der Steinzeitmann: in den Bergen. Er war beim Wandern bei Eis und Schnee gestürzt.

Vor ihm hatte bereits drei weitere Männer, die mit dem Eismann in Berührung gekommen waren, der tödliche "Ötzi-Fluch" ereilt. Der Gerichtsmediziner Rainer Henn, der Ötzis Mumie einst in einen Leichensack verfrachtet hatte, starb bei einem Autounfall.

Der Bergführer Kurt Fritz, der Ötzis Gesicht vom Eis befreit hatte, kam beim Sturz in eine Gletscherspalte ums Leben und Rainer Hölzl, der die Bergung Ötzis für eine Reportage gefilmt hat, verstarb an einem Hirntumor.

Und so ging es weiter: Bislang starben acht Männer, die mit Ötzi in Berührung gekommen waren, einen unerwarteten Tod.

Parawissenschaftler vermuten dahinter die Rache der 5.300 Jahre alten Mumie vom Similaun, die bei ihrer Bergung sehr unsanft mit Skistöcken und Eispickeln traktiert und aus ihrer Ruhestätte gerissen worden war.

Das Leben nach dem Tod

Auch wenn die Mumienforschung inzwischen weit fortgeschritten ist, manche Geheimnisse behalten die Unverwesten auf Ewig für sich und bieten somit weiterhin Raum für Spekulationen, Mythenbildung und ausgefallene Theorien.

Die so genannten "Kryoniker" wollen den Leichnam eines Menschen bei minus 196 Grad in flüssigem Stickstoff konservieren, um so den Verwesungsprozess zu stoppen. Alles in der Hoffnung, dass der Körper in Zukunft reanimiert und zu neuem Leben erweckt werden kann.

Es ist die alte Sehnsucht, die die Menschen umtreibt, das mit dem Tod noch nicht alles vorbei sein kann, in der vermutlich auch die Faszination für Mumien begründet liegt.