189 Menschen sterben beim Absturz einer Birgenair-Maschine 1996 vor der Dominikanischen Republik, darunter zahlreiche Deutsche. Doch bis heute gibt es viele Ungereimtheiten.

Sie war erst wenige Minuten in der Luft, dann stürzte die Boeing 757 der türkischen Fluggesellschaft Birgenair 20 Kilometer vor der Küste ins Meer der Karibik. Bei der Katastrophe am 6. Februar 1996 starben alle 176 Passagiere und 13 Crewmitglieder.

Darunter waren 164 Deutsche – es ist bis heute der Flugzeugabsturz mit den meisten deutschen Todesopfern. Die Chartermaschine war unterwegs vom Flughafen Puerto Plata in der Dominikanischen Republik nach Berlin, mit Zwischenstopp in Frankfurt am Main.

Nur 73 Tote konnten geborgen werden, 166 Leichen sind bis heute verschollen. Sie befinden sich wahrscheinlich immer noch im Wrack, das in 2.000 Metern Tiefe auf dem Meeresboden liegt.

Der Abschlussbericht der Behörden hat die Unglücksursache von Flug 301 ausgemacht: Ein kleines Rohr war verstopft. Dieses setzte eine fatale Kettenreaktion in Gang. Ein Messgerät zeigte deshalb ein zu hohes Tempo an, der Autopilot orientierte sich daran, die Crew reagierte falsch und machte gravierende Fehler. Der Absturz gibt aber bis heute Rätsel auf, da die Untersuchung dilettantisch verlief.

Flugzeug sollte gar nicht abheben

Eigentlich sollte die Maschine gar nicht abheben. Der vorgesehene Flieger, eine Boeing 767, war defekt. Kurzfristig wurde deshalb die elf Jahre alte Boeing 757 von Birgenair eingesetzt. Sie stand 20 Tage auf dem Rollfeld am Flughafen Puerto Plata, ohne bewegt zu werden.

Die Ermittler vermuteten später, dass in dieser Zeit eines der Staudruckrohre verstopfte – womöglich durch ein Wespennest. Dieses Rohr fungiert als Messsystem: Es meldet die Geschwindigkeit des Fliegers an die Bordcomputer.

Normalerweise werden die Rohre abgedeckt, wenn ein Flugzeug länger steht – damit Staub oder Insekten nicht hineingelangen können. Bei der Birgenair-Maschine wurde das offenbar vergessen. Die Airline wehrte sich allerdings später gegen die Vorwürfe: Die Maschine habe nur zwölf Tage auf dem Rollfeld gestanden, und die Staudrucksonden-Löcher seien abgedeckt gewesen.

Warum brach der Pilot den Start nicht ab?

"Wolfskinder" tauchen verwahrlost auf und mit ihnen schaurige Geschichten.

Im Cockpit waren drei Crewmitglieder: Der erfahrene 62-jährige Kapitän, der Copilot und ein dritter Pilot. Der Kapitän hatte schon während des Starts auf der Rollbahn Probleme: Sein Geschwindigkeitsmesser zeigte zunächst gar nichts an, wenige Sekunden später ein zu hohes Tempo.

Das Messgerät des Copiloten funktionierte dagegen einwandfrei. Der Kapitän hätte daraufhin den Start abbrechen und das defekte Teil überprüfen lassen können, entschied sich aber dagegen. Stattdessen schaltete er den Autopiloten ein. Was die Piloten nicht wussten: Dieser stützte sich ebenfalls auf die falschen Geschwindigkeitsdaten.

Ebenfalls fatal: Die Crew nutzte während Ausbildung und Training ein veraltetes Handbuch vom Flugzeugbauer Boeing. Dass die Messgeräte unterschiedliche Daten anzeigen und der Autopilot sich daran orientieren könnte, kommt darin überhaupt nicht vor. Andere Airlines wie Delta hatten ihre Handbücher schon Jahre zuvor umgeschrieben und ergänzt, Birgenair nicht.

Der Autopilot versuchte nun, das vermeintlich zu hohe Tempo zu korrigieren, die Bordsysteme gaben widersprüchliche Warnungen heraus. Angezeigt wurden 650 km/h, tatsächlich flog die Maschine aber nur mit 370 km/h – das war viel zu langsam. Die Crew war völlig verwirrt.

Der Kapitän versuchte einzugreifen, interpretierte aber die Meldungen falsch. Es entstand ein gefährlicher Strömungsabriss an den Tragflächen. Daraufhin blieb der Auftrieb, welcher Flugzeuge in der Luft hält, urplötzlich aus. Die Folge: Die Maschine stürzte ab, schlug auf der Meeresoberfläche auf und zerschellte.

Es blieben viele Fragen offen: Warum hatte die Crew den Start nicht abgebrochen? Warum ignorierte der Kapitän die Daten der anderen Messgeräte? Und warum griffen Copilot und dritter Pilot nicht ein, als sie merkten, was passierte? Sie hatten den Kapitän auf die Fehler hingewiesen und zum Eingreifen aufgefordert, taten aber selbst nichts.

Die Fehler bei der Untersuchung des Absturzes

Experten bezeichnen diesen Ort als den gefährlichsten der Welt.

Die Untersuchung des Absturzes von Flug 301 verlief teilweise laienhaft, es passierten schwere Fehler. Der Chefermittler der Luftfahrtbehörde der Dominikanischen Republik sprach sehr schlechtes Englisch. Er musste aber eng mit einer US-Sicherheitsbehörde zusammenarbeiten und sich auf deren Erkenntnisse stützen.

Die Mitschrift des Voicerekorders aus dem Cockpit wurde später in den USA vom Türkischen ins Englische und dann ins Spanische übersetzt. Die Besatzung sprach türkisch, in der Dominikanischen Republik ist Spanisch die Landessprache.

Die Dialoge wurden zum Teil falsch übersetzt, und mehrere Aussagen dabei dem Kapitän zugeschrieben, obwohl einer der anderen Piloten gesprochen hatte. Der Untersuchungsbericht verzögerte sich deshalb mehrfach.

Makabrer Skandal schockiert Angehörige

Es gab nie eine Erklärung, warum die Toten nicht geborgen wurden. Angeblich war es zu teuer, sie vom Meeresboden zu holen. Für die Sicherstellung des Voicerekorders und verschiedener Wrackteile wurde allerdings ein großer Aufwand betrieben, Tauchroboter brachten sie an die Oberfläche.

Eher zufällig beförderten diese Roboter auch einige Leichenteile und Besitztümer der Opfer ans Tageslicht. Manche Angehörige bekamen erst ein Jahr nach dem Unglück eine Bestätigung, dass ihre Verwandten wirklich tot waren.

Schlimmer noch: es kam zu einem unfassbar makabren Skandal. Zwei Jahre nach dem Absturz wurden auf einer Müllhalde in Puerto Plata nicht nur Wrackteile entdeckt, sondern auch vergammelte Reisetaschen aus dem Birgenair-Flugzeug – und sogar einige Leichtenteile, die offenbar auf diese Weise einfach entsorgt wurden.

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