Seit dreieinhalb Jahren ist der Eiskoloss A-68A schon unterwegs und hat mittlerweile mehrere Babyeisberge hinterlassen. Satelliten beobachten die gefährliche Irrfahrt im Südatlantik.

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Er umfasst eine Fläche, die viermal so groß ist wie Hamburg, und niemand kann ihn stoppen: Der Eisberg-Gigant mit dem harmlosen Namen A-68A treibt frei im Südatlantik und bedroht das Leben auf der Insel Südgeorgien.

Im Juli 2017 brach die monströs große Platte vom antarktischen Schelfeis ab. Die auf ein Gewicht von einer Billion Tonnen geschätzte Eismasse machte damals rund zwölf Prozent des antarktischen Larsen-B-Schelfeises aus. Der Eisbruch war so groß, dass Forscher zeitweilig den völligen Kollaps der dortigen Schelfeisplatte befürchteten.

Mini-Eisberge brechen von A-68A ab

Bis November und Dezember vergangenen Jahres hatte der Eisberg bereits einen beachtlichen Weg von rund 1.500 Kilometern zurückgelegt. Seit einigen Monaten befürchteten Wissenschaftler, dass der riesige Eisberg mit der Westküste der Insel Südgeorgien kollidiert. Durch die Wucht des Aufpralls hätten dort ganze Pinguin- und Robbenkolonien ausgelöscht werden können. Doch die Katastrophe blieb aufgrund von günstigen Meeresströmungen bisher aus.

So hat sich A-68A vom 30. November bis zum 20. Dezember um Südgeorgien herumbewegt.

Stattdessen beobachteten Satelliten des US National Ice Center (USNIC) in den vergangenen Wochen, dass der Eisberg "gekalbt" hat, es also mittlerweile zwei weitere Mini-Eisberge in der Nähe von A-68A gibt.

Am 11. Januar 2021 machte der NOAA-20-Satellit ein Bild von A-68A sowie zwei kleinerer Teile, die bereits Ende Dezember abbrachen . Der "Muttereisberg" ist laut USNIC nun noch 74 Kilometer lang und 44 Kilometer breit. Die Teile, die im Dezember von A-68A abbrachen (A-68D und A-68E), sind kleiner. Doch die Größe reiche aus, um auch sie mit den Satelliten zu verfolgen, heißt es von den Forschern.

Das kleinste der drei Teile, A-68D, löste sich am 18. Dezember und liegt nun etwa 60 Kilometer südlich von Südgeorgien. Es bewege sich laut Forschern nur wenig. Sie vermuten, dass A-68D mit einer Größe von 181 Quadratkilometern am Meeresboden hängengeblieben ist.

Strömung treibt häufiger schwimmende Eisberge in Richtung Südgeorgien

Das zweite Stück, der sogenannte Finger, brach am 23. Dezember ab. Vorher sah der Eisberg lange Zeit aus wie ein ausgestreckter Zeigefinger. Der "Finger" wurde nun zu Eisberg A-68E. Dieses Stück Eis ist 61,2 Kilometer lang und 14,5 Kilometer breit. Der Mini-Eisberg – der trotzdem noch eine beeindruckende Größe besitzt – bewegt sich derzeit östlich von Südgeorgien.

In Südgeorgien werden nicht das erste Mal Eisberge gesichtet. Eine Strömung im Südatlantik hat bereits mehrere schwimmende Eisberge in die Richtung der Insel getrieben. Allerdings wurde noch nie ein Eisberg in dieser Größe beobachtet. Ob A-68A die Insel doch umschifft und die Pinguine verschont, ist noch offen.  © DER SPIEGEL

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