Der Franzose Patrick Modiano hat den Literaturnobelpreis 2014 erhalten. Das heißt, seine Werke werden in den Buchgeschäften demnächst ganz vorne stehen und von vielen Menschen gelesen. Es bleibt zu hoffen, dass sie beim Lesen auch bis zum Ende seiner Bücher durchhalten.

Wie so oft bei schweren Inhalten bleibt der Wälzer nur halb gelesen auf dem Nachttisch liegen und staubt ein. Unsere Redakteure kennen das nur zu gut und haben einige Bücher zusammengetragen, deren letzte Seiten für sie ewig unerreicht bleiben werden. Geht es Ihnen genauso?

1. Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Hoch gelobt, aber einfach nur langatmig und auch nicht so lustig, wie von vielen behauptet: "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" vom schwedischen Autor Jonas Jonasson. Trotzdem kauften und lasen viele den Roman, wohl auch, weil ihnen der Anfang der Geschichte gefiel: Zu seinem hundertsten Geburtstag nimmt Allan Karlsson einfach Reißaus und startet so in sein Abenteuer. Wer nicht genug Ausdauer für das Buch aufbringen kann oder will, dem sei die Verfilmung empfohlen.

2. Shades of Grey

Die Flucht verhärmter Hausfrauen aus dem Alltagstrott heißt "Shades of Grey". An den drei langatmigen Bänden berauschte sich die überwiegend weibliche Leserschaft. Für uns ist der Stil der Romane allerdings wenig befriedigend, sondern schlichtweg schlecht. So groß war unser Interesse am Ausgang des Sadomaso-Märchens dann doch nicht.

3. Die Bücherdiebin

Ein weiterer Bestseller, der unsere Nerven strapaziert hat: "Die Bücherdiebin" von Markus Zusak, die zur Zeit des Zweiten Weltkrieges spielt. Es geht um die kleine Liesel, die eben gerne Bücher klaut. Sie merken schon, hier geht es um die Meta-Ebene: Ein Buch darüber, wie wundervoll Bücher sind. Wenn aber ein Buch nur bejubelt wird, weil es den Zweiten Weltkrieg thematisiert, ist das nicht überzeugend. Zudem hat es rund 600 Seiten, da verliert man schnell die Lust.

4. Er ist wieder da

Die Hitler-Satire von Timur Vermes erschien im Jahr 2012 und wurde umgehend zum Bestseller. Die Idee: Adolf Hitler erwacht im Jahr 2011 in Berlin zum Leben und startet eine Karriere als Comedian. Wir finden das Buch aber nicht witzig, sondern halten es eher für eine Zumutung. Den ehemaligen Diktator zu verhöhnen, hat uns auf Dauer nicht bei Laune gehalten, dafür ist es leider zu platt geschrieben. Auch das Hörspiel ist keine Alternative. Der Schauspieler Christoph Maria Herbst imitiert beim Lesen durchgehend Hitlers Stimme. Gruselig.

5. Schiffbruch mit Tiger

"Schiffbruch mit Tiger" von Yann Mattel wurde 2002 mit dem Booker Prize ausgezeichnet. Ganz subjektiv halten wir das für ein wenig übertrieben. Dafür war der Roman streckenweise doch zu langweilig erzählt. Auch in diesem Fall verweisen wir auf den Film: "Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger" hat sogar vier Oscars gewonnen.

6. Das Kapital

Politische Literatur ist sowieso etwas für Fortgeschrittene. Wir wagten uns an "Das Kapital" von Karl Marx - und scheiterten. Als Urlaubslektüre taugt es auf gar keinen Fall: 15 Seiten waren für uns genug. Dafür waren einerseits die komplexen Gedankengänge verantwortlich und andererseits die kleine Schrift im Buch. So anstrengend muss das Lesen nun auch wieder nicht sein.

7. Stolz und Vorurteil

Elizabeth Bennet und Fitzwilliam Darcy haben es nicht leicht. Je nach Ausgabe brauchen sie gut 300 Seiten, um sich gegen die Zwänge ihrer Zeit durchzusetzen und ihrer gegenseitigen Zuneigung zu folgen. Bis es so weit ist, geht es im Buch über lange Strecken darum, wie sich eine junge Frau zu verhalten hat. Die Sprache wirkt ebenso veraltet wie die Konventionen. Für Geschichtsfans und echte Romantiker hat der Roman immer noch seinen Charme, dem modernen Leser sei aber die Version "Stolz und Vorurteil und Zombies" ans Herz gelegt, da ist deutlich mehr Action drin.

8. Ulysses

50 Seiten sind bei einem knapp 1.000-seitigen Wälzer nicht besonders viel, aber weiter sind wir beim Lesen von James Joyes Roman nicht gekommen. Weltliteratur hin oder her: Nachdem sich auf den ersten Seiten schon wenig bis gar nichts ereignete, verloren wir die Hoffnung auf einen spannenden Handlungsverlauf. Die Sprache tut ihr Übriges. Kurzum: Wir haben den Abbruch nie bereut.

Dennoch gibt es viele schöne, fesselnde Bücher und Geschichten zu entdecken. Auf der Buchmesse in Frankfurt stellen die Verlage derzeit ihre Neuerscheinungen vor und auch der Nobelpreisträger inspiriert Sie vielleicht, wieder einmal zu einem Buch zu greifen.