Wieder Salisbury, wieder zwei Opfer, wieder Nowitschok: In Südengland wird ein Paar vergiftet, vielleicht sogar mit dem Gegenstand, der Sergej und Julia Skripal beinahe das Leben kostete. Was macht den chemischen Kampfstoff so gefährlich?

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In Salisbury geht die Angst um: Wenige Monate nach dem Giftanschlag auf den russischen Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter Julia schweben erneut zwei Menschen in Lebensgefahr.

Diagnose: Vergiftung mit Nowitschok. "Es ist das gleiche Nervengift", sagte der Leiter der britischen Terrorabwehr, Neil Basu. Das Paar aus Südengland könnte in Kontakt mit demselben Gegenstand gekommen sein, mit dem schon die Skripals vergiftet wurden.

Unklar ist Basu zufolge, ob das Gift aus derselben Charge wie im Fall Skripal stammt. Auch ob sich das feststellen lasse, sei fraglich: Dies müssten nun Experten untersuchen.

Doch was weiß man überhaupt über Nowitschok? Wir klären die wichtigsten Fragen rund um den gefährlichen Kampfstoff.

Was bedeutet der Name Nowitschok?

Auf deutsch heißt Nowitschok "Neuling". Was harmlos klingt, hat es aber durchaus in sich: Es gilt als einer der tödlichsten je erfundenen Kampfstoffe.

Wer hat den Kampfstoff erfunden?

Das waren sowjetische Wissenschaftler. Streng genommen ist Nowitschok ein Relikt aus dem Kalten Krieg.

In den 1970er- und 1980er-Jahren forschte die Sowjetunion an neuartigen Nervengiften. Das passierte im Geheimen, um internationale Verbote zu umgehen. Auch aus diesem Grund sind über Nowitschok nur wenige Details bekannt.

Die Forschung an Chemiewaffen lief ähnlich ab wie bei der Atombombe: Die Supermächte versuchten, sich gegenseitig zu übertrumpfen. Jeder wollte die Waffe entwickeln, die am schnellsten und in der geringsten Konzentration tötet.

Wie wirkt der Kampfstoff?

Nowitschok findet häufig als feines Pulver Anwendung. Es dringt über Haut, Augen und Atemwege in den Körper ein und führt meist innerhalb weniger Stunden zum Tod durch Ersticken.

Das Gift soll fünf- bis zehnmal stärker sein als der chemische Kampfstoff VX. Mit letzterem war im Februar 2017 der Halbbruder des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un in Malaysia ermordet worden.

Was macht ihn so gefährlich?

Bei Nowitschok handelt es sich - vermutlich - um einen sogenannten binären Kampfstoff: Er besteht aus zwei oder mehr an sich ungefährlichen Komponenten.

Erst wenn diese vermischt werden, entfalten sie ihre tödliche Gefahr. Andere Binär-Waffen sind Sarin, Soman oder VX.

Im Fall von Nowitschok kommt erschwerend hinzu: Der Kampfstoff ist nur schwer nachzuweisen, die Überlebenschancen sind gering. Zudem gibt es viele verschiedene Varianten.

Selbst bei Vergiftungen dieser Art übliche Gegenmittel wie Atropin können meist nur wenig ausrichten.

Was weiß der Westen - und seit wann?

In den frühen 1990er Jahren bekam der Westen Wind davon, dass die Sowjetunion eine neue chemische Waffe entwickelt haben könnte. Mit dem Zerfall der Sowjetunion stieg die Zahl derer, die mit Informationen Geld verdienen wollten.

Einer von ihnen informierte den Bundesnachrichtendienst (BND) - und wollte auch eine Probe des Nervengifts zur Verfügung stellen.

Im Ausgleich für die Probe durften der Forscher und seine Frau 1998 nach Deutschland fliehen. Das Gift selbst sollte von einem neutralen Land untersucht werden, die Wahl fiel auf Schweden.

Das Ergebnis: Die Gerüchte über die Existenz einer neuen Generation von binären Kampfstoffen stimmten. Und Russland hatte sich offensichtlich nicht an die weltweite Vereinbarung zum Verbot von Chemiewaffen gehalten.

Deutschland gründete gemeinsam mit den USA, Großbritannien, Frankreich, Kanada und den Niederlanden eine geheime Arbeitsgruppe, in der Informationen über Nowitschok ausgetauscht wurden.

Einige Nato-Staaten produzierten kleinste Mengen des Kampfstoffs, um an Schutzkleidung und Behandlungsmethoden zu forschen. Eine Anklage Russlands blieb jedoch aus.

Mit Material von dpa und afp
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