Vor 25 Jahren führte die Deutsche Post die fünfstellige Postleitzahl ein. Die einzelnen Ziffern beschreiben die genaue Region, in der Briefe oder Pakete landen sollen. Es gibt aber auch kuriose Ausnahmen.

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Bis 1941 gab es in Deutschland keine Postleitzahlen. Doch im Zweiten Weltkrieg stieg die Zahl der Briefe und Pakete deutlich an: Die Soldaten an der Front schickten Feldpost an die Angehörigen zu Hause. Gleichzeitig waren aber die erfahrenen Postbeamten nicht mehr im Dienst, weil sie von der Wehrmacht eingezogen wurden.

Die Aushilfen hatten häufig Probleme, weil sie nicht genau wussten, wo bestimmte Städte und Regionen lagen. Erschwerend kam hinzu, dass die Wehrmacht Gebiete besetzt hatte, neue Orte waren hinzugekommen.

Die Postleitzahlen zunächst für Pakete sollten die Zustellung vereinfachen. Ab 1944 galten die zweistelligen Codes auch für Briefe - bis in die 1960er Jahre. Dann führten die Postbehörden in West- und Ostdeutschland jeweils vierstellige Postleitzahlen ein.

Doppelte Orte nach der Wiedervereinigung

Doch nach der Wiedervereinigung gab es ein Problem: 800 Orte in Ost und West teilten sich eine Ziffernfolge. 5300 stand etwa sowohl für Bonn als auch für Weimar. Also musste ein neues, einheitliches System her.

Die fünfstellige Postleitzahl galt ab dem 1. Juli 1993. Die Comicfigur Rolf, bestehend aus einer Hand mit fünf Fingern, warb für die neuen Zahlen - mit dem Slogan "Fünf ist Trümpf".

Die Post hob zudem hervor, dass mit der Umstellung des Systems eine automatische Sortierung von Briefen ermöglicht wurde, vorher wurden sie meist noch per Hand zugeordnet.

Zwei Ziffern zeigen die Region an

Die Anordnung der fünf Ziffern ist nicht zufällig. Aber wie setzen sie sich eigentlich zusammen und was sagen sie aus? Die ersten beiden Ziffern stehen für eine genaue geografische Zuordnung, sie heißen auch Leitregion.

Das lässt sich noch genauer aufschlüsseln. Die erste Zahl ist die Postleitzone: Deutschland ist in insgesamt zehn solcher Zonen eingeteilt. Die 0 und die 1 sind beispielsweise für Ostdeutschland reserviert, die 7 gilt vorwiegend in Baden-Württemberg, Bayern hat die 8 und die 9, Hessen die 3 und die 6.

Die Zuordnungen richten sich aber nicht nach Bundesländern, sondern nach dem Verkehrsflughafen, von dem aus die Post in der Regel ausgeliefert wird.

Die zweite Zahl beschreibt das konkrete Gebiet innerhalb der Postleitzone. So gelten zum Beispiel die Ziffern 60 für Frankfurt am Main Mitte, die 65 gehört zu Wiesbaden und zu Heidelberg die 69.

Was die letzten drei Ziffern verraten

Die drei übrigen Ziffern grenzen den Wohnbereich der Empfänger genau ein. Innerhalb jeder Leitregion sind zwischen 20 und 200 Nummern für die sogenannten Leitbereiche vorgesehen.

Das heißt: Jede Gemeinde bekommt einen solchen Nummernbereich. Diese Gemeinden entsprechen nicht unbedingt den politischen Gemeinden, der Bereich kann Kreis- und Landesgrenzen überschreiten.

Der Postbote kann anhand der Postleitzahl sofort erkennen, um welche Art von Empfänger es sich handelt: Ist es ein Großkunde, ein Postfach oder ein Zustellbezirk? Die niedrigsten Nummern innerhalb der Gemeinden gelten immer für Postfächer, die höchsten für Zustellbezirke, also für Wohnhäuser und Büros.

Dazwischen liegen Großkunden mit eigenen Postleitzahlen. So kennzeichnen beispielsweise in München Postleitzahlen ab 80001 die Postfächer. BMW nutzt für sich allein die 80788, die Stadtverwaltung hat die 80313. Die normale Briefpost teilt sich auf die Postleitzahlen zwischen 80331 und 85540 auf.

Bundestag, Zugspitze und ein Baum mit eigener Postleitzahl

Eine eigene Postleitzahl bekommen ein Konzern oder eine Institution nur, wenn sie entweder viel Post erhalten, eine bestimmte Funktion oder eine ungewöhnliche Lage haben.

Ein Brief oder ein Paket mit der Postleitzahl 11011 landet im Bundestag. Der Kiosk und die Wetterstation auf der Zugspitze haben die Postleitzahl 82475. Auch der Frankfurter Messeturm hat mit der 60308 eine persönliche Zuordnungszahl.

Es gibt sogar einen Baum mit einer eigenen Postleitzahl: Die Bräutigamseiche in Eutin bekommt immerhin 30 bis 40 Briefe pro Woche. Der Baum ist eine altmodische Dating-App: Der Briefträger steckt die Heiratsgesuche in ein Astloch, jeder kann sie lesen - und so vielleicht einen Partner finden.

29.000 Postleitzahlen und ein paar Pannen

Insgesamt gibt es in Deutschland 29.000 Postleitzahlen, 100.000 sind theoretisch möglich. 16.500 gehören zu Postfächern, 3.100 zu Großempfängern, 8.200 sind Postleitzahlen für die Hauszustellung. Dazu kommen 800 Aktions-Postleitzahlen, etwa für Briefwahlen.

Als die ausgeklügelten Postleitzahlen neu vergeben wurden, kam es zu ein paar kuriosen Pannen. So bekam das Dorf Billmutshauen an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze die Postleitzahl 98663, obwohl dort seit Ende der 1970er-Jahre niemand mehr wohnt. Gleichzeitig vergaß die Post eine Region komplett.

Der Gutsbezirk Reinhardswald im hessischen Landkreis Kassel misst zwar 185 Quadratkilometer. Die beiden einzigen Einwohner, die dort ein Lokal betreiben, mussten trotzdem lange ohne Postleitzahl auskommen. Erst seit 2015 sind sie über die 34346 per Post erreichbar.

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