• Oversharing: Wenn man dem Kassierer im Supermarkt von seinen Darmproblemen oder dem Kioskinhaber vom gebrochenen Herzen erzählt.
  • Um das zu vermeiden, muss man sich aber über die Ursache bewusst werden.
  • Wie erklären sechs mögliche Gründe.

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Was ist Oversharing? 

Oversharing ist, wenn man dem Kassierer im Supermarkt von seinen Darmproblemen oder dem Kioskinhaber um die Ecke vom gebrochenen Herzen erzählt. Too much information! Weder den Kassierer noch den Kioskinhaber interessieren diese Probleme – falsche Personenkonstellation und noch falschere Situation, um über sowas zu reden.

Sicherlich jedem von uns ist sowas schon mal passiert, egal ob als Erzähler oder Zuhörer. Wann die Grenze von Offenheit zum Oversharing überschritten wird, ist individuell und subjektiv. Manchmal bemerkt man es bereits in dem Moment, dass man gerade doch ein wenig zu viel Privates geteilt hat und manchmal eben erst danach. Studien zeigen, dass ältere Menschen eher zum Oversharing neigen als jüngere Erwachsene. 

Wie geht man damit um?

Meist passiert das Phänomen des Oversharing unbewusst im Affekt und ist uns hinterher einfach nur noch unangenehm. Um das in Zukunft zu vermeiden, sollte man versuchen, die Ursachen für das Geschehene zu finden. Es hilft, sich zu reflektieren und zu hinterfragen. Woher kommt es, dass ich so viel von mir preisgebe? Und wie kann ich das verhindern?

Erkennen wir Oversharing bei der Person gegenüber, hilft es, dass Thema subtil zu wechseln oder einfach mal zuzuhören – egal wie unangenehm es ist.

Mögliche Ursachen

Was sind eigentlich die Gründe für Oversharing? Die Psychologin Amy Morin erklärt, warum Menschen manchmal mehr teilen, als eigentlich angemessen ist.

1. Das Gefühl von Intimität

Ein perfektes Beispiel für Oversharing ist der Friseurbesuch. Wir kennen die Friseurin oder den Friseur überhaupt nicht und dennoch werden wir dazu verleitet, uns und unsere Geheimnisse zu offenbaren. Naja, immerhin massiert und wäscht er oder sie uns den Kopf – da kann schon mal das trügerische Gefühl der Intimität aufkommen. 

2. Bei Fremden ist es sowieso egal

Auch wildfremden Menschen verraten wir manchmal unsere intimsten Geheimnisse. Mit dem Gedanken "Ich sehe den oder die ja eh nicht wieder" fällt das Plappern aber auch viel leichter. Befreiend ist es auf alle Fälle, mal alles auszusprechen. 

3. Kompensation von Verlegenheit

Manchmal verleitet auch eine unangenehme Stille oder eine peinliche Situation Menschen dazu, diese durch Oversharing kompensieren und beseitigen zu wollen. Ob es das wirklich besser macht, ist eine andere Frage.

4. Schwammige Grenzen

Die Grenzen zwischen offenem Geplauder und Oversharing sind schwammig – und manchmal nicht ganz leicht einzuhalten. Da wird ein offenes Gespräch schnell zu einer eher unangenehmen Konversation.

5. Einsamkeit

Laut der Psychologin Morin stellt Oversharing häufig auch einen Versuch dar, eine Bindung zu anderen Menschen herzustellen und eine empfundene Einsamkeit zu kompensieren. Man erhofft sich dadurch vielleicht eine gewisse Nähe, die man aus dem Familien- oder Freundeskreis nicht erhält.

6. Erwiderung

Letztlich kann es auch passieren, dass Personen auf Oversharing mit erwidertem Oversharing reagieren – aus Unbehagen oder Empathie. Sie ziehen nach, wenn ihnen die gegenüberliegende Person etwas Persönliches erzählt. Ob das die Situation wirklich angenehmer macht?

Dies ist ein journalistisches Angebot des Online-Magazins ZEITjUNG.