In Guatemala könnte ein ähnliches Drama drohen wie einst in Pompeji, als der Vesuv die gesamte Stadt auslöschte. Grund sind die sogenannten pyroklastischen Ströme: tödliche Glutlawinen, die eine Geschwindigkeit von bis zu 400 Kilometer pro Stunde erreichen können.

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Seit einem Monat erbebt der Vulkan Kilauea auf Hawaii unter Eruptionen. Gestorben ist dabei noch niemand - ganz im Gegensatz zum Ausbruch des Volcán de Fuego in Guatemala, der seit dem Wochenende Asche spuckt.

Mindestens 70 Menschen sind beim Ausbruch des Feuervulkans bisher ums Leben gekommen. Und die Zahl wird wohl noch steigen.

Besonders tragisch: Zwei der entlegensten und ärmsten Dörfer rund um den Vulkan sind am schwersten betroffen. Rettern bot sich ein schreckliches Bild: Ganze Familien wurden ausgelöscht.

Die Siedlung El Rodeo, die rund zwölf Kilometer vom Vulkan entfernt liegt, ist weitgehend zerstört: Häuser und Menschen wurden zentimeterdick unter einer Ascheschicht begraben. Die gesamte Gegend um den Vulkan ist dicht besiedelt.

Was den Volcán de Fuego so gefährlich macht

Der gravierende Unterschied zwischen den beiden Vulkanen ist ihr Verhalten: Der Kilauea spuckt Lava - geschmolzenes Gestein -, das im Normalfall mit einer Geschwindigkeit von mehreren Hundert Metern pro Stunde vorwärts "kriecht".

Manche Vulkane auf Hawaii schaffen rund 65 km/h. Sich davor in Sicherheit zu bringen, bedarf dennoch keiner sonderlichen Eile, wenn man nicht gerade direkt daneben steht.

Im Gegensatz dazu produziert der Volcán de Fuego sogenannte pyroklastische Ströme - die um einiges schneller und auch weitaus tödlicher sind als ein Lavastrom.

Solche Glutlawinen treten meist plötzlich auf. Sie bestehen aus heißen Aschepartikeln, bis zu nussgroßen Steinchen und Gasen. Diese sind so schwer, dass sie den Hang des Vulkans hinabfließen - direkt auf die naheliegenden Ortschaften zu.

Bis zu 800 Grad heiß, bis zu 400 km/h schnell und praktisch lautlos

Ähnlich wie bei Lawinen hängt die Geschwindigkeit eines pyroklastischen Stroms maßgeblich mit der Hangneigung des jeweiligen Vulkans zusammen. Allerdings schwebt die Glutwolke auf einer Art Gaskissen - das die Reibung verringert und die Geschwindigkeit erhöht.

Laut dem Geologen Gunnar Ries erreichen pyroklastische Ströme problemlos Geschwindigkeiten von bis zu 400 Kilometern pro Stunde. Es gibt Hinweise darauf, dass im Jahr 1980 der initiale Strom des Mt. St. Helen sogar über 1.000 km/h erreicht haben könnte.

In Bodennähe ist das Gaskissen so heiß, dass die vulkanische Asche glüht. Im Inneren erreicht ein pyroklastischer Strom zwischen 300 und 800 Grad. In Guatemala wurden laut der US-Nachrichtenagentur AP Temperaturen von 700 Grad gemessen.

Alles, was einem solchen Aschemonster im Weg steht, verkohlt praktisch innerhalb von Sekunden. Vulkanfilmer Marc Szeglat vergleicht ihre Wirkung auf Gebäude mit einem Tanklastzug, "der geräuschlos in ein Haus donnert und explodiert".

Der pyroklastische Strom des Volcán de Fuego war so schnell, dass er die Menschen auf der Straße überraschte. "Er war viel schneller. Er hatte die Siedlungen bereits erreicht, als die Evakuierungswarnung veröffentlicht wurde", sagte David De León Villeda, Sprecher der guatemaltekischen Katastrophenschutzbehörde Condred.

Pompeji wurde von pyroklastischen Strömen zerstört

Wenn ein Vulkanausbruch verheerende Folgen hat, ist fast immer ein pyroklastischer Strom beteiligt - auch im Jahr 79, als der Vesuv die Stadt Pompeji zerstörte.

Der Ausbruch damals lässt sich laut dem Vulkanologen Hans-Ulrich Schmincke in zwei Teile teilen. Am Nachmittag regneten zunächst Gesteinsmassen als sogenannter Fallout auf die Stadt. Die Menschen wurden von einbrechenden Dächern erschlagen oder starben am Gas.

Erst um Mitternacht änderte sich das Verhalten des Vulkans: Eine ganze Reihe von Glutlawinen überrollte und bedeckte die Stadt. Dabei kamen auch die Menschen ums Leben, die sich in Bootshäusern am Strand in Sicherheit gebracht hatten.

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