Immer häufiger werden ältere Menschen Opfer von Verbrechen, besonders die Zahl der Trickbetrüger steigt. Wir haben die häufigsten Tricks zusammengestellt und erklären, wie Sie sich am besten schützen können.

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Die gute Nachricht zuerst: Ältere Menschen sind verhältnismäßig selten Opfer von Verbrechen wie Totschlag, Mord oder Körperverletzung. Das geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik für das Jahr 2014 hervor.

Allerdings geraten Senioren meist gezielt ins Visier, wenn es um Eigentums- und Vermögensdelikte geht, wie zum Beispiel Trickbetrug.

Immer wieder versuchen Betrüger, älteren Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen - egal ob per Telefon, Internet, Post oder an der Haustür.

Viele Senioren schämen sich

"Kriminelle überlegen sich immer raffiniertere Methoden, um sich gezielt an Senioren zu bereichern und sie zu betrügen", sagt Roswitha Müller-Piepenkötter, Bundesvorsitzende des Weissen Rings.

Ältere Opfer kämpfen vor allem mit psychischen Folgen solcher Taten. Müller-Piepenkötter betont: "Wer auf eine Masche hereinfällt, schämt sich oft im Nachhinein und möchte nicht, dass andere erfahren, wie naiv man war. Aus Scham melden sich viele ältere Menschen daher erst gar nicht bei der Polizei."

Damit ältere Menschen gar nicht erst in solche Situationen geraten, hat die Polizei verschiedene Tipps zusammengestellt, wie Senioren Trickbetrug und den sogenannten "Enkeltrick" vermeiden können.

Sicher im eigenen Zuhause

Betrüger greifen teilweise auf den "Wasser"-Trick zurück. Eine fremde Person klingelt und fragt nach einem Glas Wasser. Eine zweite Person dringt währenddessen ein und durchsucht die Räume nach Wertsachen wie Schmuck oder Bargeld.

Das gleiche gilt für andere vorgetäuschte Notsituationen.

Auch sich als falsche Beamte oder andere Amtsträger auszugeben ist eine beliebte Methode. Die Polizei warnt, dass sich Kriminelle schon als folgende Personen ausgegeben haben:

  • Polizei- oder Kriminalbeamte oder als Gerichtsvollzieher
  • Mitarbeiter der Elektrizitäts-, Gas- oder Wasserwerke
  • Handwerker, Heizkostenableser
  • Berater der Krankenkasse oder Rentenversicherung

Die Polizei rät in diesem Fall zu erhöhter Vorsicht und einem gesunden Misstrauen.

  • Keine Unbekannten in die Wohnung lassen
  • Besucher vor dem Öffnen der Tür genau anschauen
  • Tür nur mit vorgelegter Türsperre öffnen
  • Bei angeblichen Amtspersonen Dienstausweis zeigen lassen
  • Nur Handwerker hereinlassen, die Sie selbst bestellt haben oder die von der Hausverwaltung angekündigt wurden
  • Vorsicht vor angeblichen Notfällen wie zum Beispiel einem Rohrbruch - niemanden einfach in die Wohnung lassen, im Zweifelsfall bei den Stadtwerken nachfragen

Für zusätzliche Sicherheit empfiehlt die Polizei, die Wohnungstür zu sichern. Das kann über einen Weitwinkel-Türspion oder eine Türsperre geschehen. Auch eine Gegensprechanlage empfiehlt sich.

Vorsicht am Telefon

Neben dem bereits bekannten "Enkeltrick" versuchen Betrüger Senioren auch mit falschen Gewinnversprechen zu locken oder sie durch sogenannte Schockanrufe durcheinanderzubringen.

Beim Enkeltrick melden sich Betrüger häufig mit den Worten "Rate mal, wer hier spricht" um die Identität der Enkel oder anderer Familienmitglieder herauszufinden.

Anschließend täuschen sie Geldprobleme oder andere Notfälle vor und versuchen so, ihren Opfern eine hohe Geldsumme abzunehmen. Meistens verlangen sie dazu noch absolute Verschwiegenheit. Die Betrüger schicken dann einen "Bekannten" vorbei, um das Geld abzuholen.

Schockanrufe betreffen häufig ältere Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion. Die Trickbetrüger melden sich - meist in Russisch - am Telefon und täuschen vor, dass ein naher Verwandter in ein Strafverfahren verwickelt sei.

Nur wenn eine hohe Geldsumme gezahlt wird, könnte das Strafverfahren eingestellt werden, beschreibt die Polizei.

Um sich vor solchen Betrugsmaschen zu schützen, rät die Polizei:

  • Auflegen, wenn ein Gesprächspartner am Telefon Geld fordert
  • Misstrauisch sein, wenn sich jemand nicht vorstellt
  • Vergewissern Sie sich, dass die Person wirklich ein Verwandter ist, zum Beispiel, indem Sie denjenigen unter einer Ihnen bekannten Nummer anrufen
  • Übergeben Sie niemals Geld an fremde Personen
  • Geben Sie im Telefonbuch nie Ihren Vornamen an. Betrüger suchen gezielt nach alten Namen, um Senioren zu ermitteln

Bei falschen Gewinnversprechen melden sich die Täter oft als Mitarbeiter von Rechtsanwälten und Notaren. Diese behaupten dann, man hätte Geld oder eine Reise gewonnen, Um den Gewinn zu erhalten, sollen Senioren jedoch noch eine "Verwaltungsgebühr" zahlen.

Bei anderen Werbeanrufen versprechen die Kriminellen einen Gewinn in Form eines Gutscheins. Um diesen zu erhalten, sollen die Opfer Ihre Kontodaten durchgeben.

In solchen Fällen gilt:

  • Kein Geld ausgeben, um einen vermeintlichen Gewinn einzufordern
  • Keine teuren Sondernummern wählen, die beispielsweise mit 0900, 0180 etc. beginnen
  • Keine Zusagen am Telefon machen
  • Keine persönlichen Informationen wie Adresse, Nummer oder Kontodaten weitergeben

Wenn Sie den Verdacht haben, dass es sich bei einem Besucher oder einem Anrufer um einen Betrüger handelt, scheuen Sie sich nie, den Polizeinotruf 110 zu wählen.

Weitere Informationen und Tipps gibt es in den Broschüren "Sicher Leben" und "Sicher zu Hause" der Polizeilichen Kriminalprävention.

Diese können Sie im Internet herunterladen oder kostenlos in den Beratungsstellen der Polizei abholen.

Auf Reisen sind Touristen an vielen Orten im Visier von Betrügern, ohne dass sie es bemerken. Die Diebe sind meistens besonders hilfsbereit, bevor sie zuschlagen.