2014 war für die Raumfahrt ein fantastisches Jahr. Die Sonde Philae landete auf einem Kometen - eine technische Meisterleistung, vergleichbar mit der Mondlandung. Heute zieht der scheidende Esa-Chef Jean-Jacques Dordain seine Bilanz zum vergangenen Jahr und gibt eine Aussicht auf das neue Jahr. Was erwartet die Wissenschaftswelt also 2015?

Vor fast 46 Jahren setzten die ersten Menschen ihre Füße auf den Mond. Es war die Hochphase der bemannten Raumfahrt. Die Landung auf anderen Planeten, Ausflüge weiter ins All hinein fanden bisher nicht mehr statt, jedenfalls mit Menschen an Bord. Schlagzeilen machen wiederum die Erkundungsflüge von unbemannten Sonden im Weltraum – mit manchmal spektakulären Ergebnissen. Was wird in der Raumfahrt in den kommenden Jahren und Jahrzehnten noch geschehen? Welche Durchbrüche erwarten uns?

Zehn Jahre war die Raumsonde Rosetta unterwegs, bevor sie dieses Jahr den Kometen Tschurjumow-Gerassimenko erreichte. Mitte November 2014 setzte sie das Minilabor Philae darauf ab. Nie zuvor in der Geschichte der Raumfahrt ist so etwas gelungen. Zwar ist Philae mittlerweile verstummt. Aber Rosettas Aufgabe ist noch nicht erledigt. Seit Herbst umkreist die Sonde den Kometen und detaillierte Fotos aufnehmen.

Nasa-Sonden auf Erkundungsflügen

Nasa zeigt, dass unser Nachbarplanet mehr Facetten hat als staubige Ödnis.

Mehrere weitere Sonden sind derzeit im All unterwegs, die uns in den nächsten Jahren Informationen und Bilder liefern werden. Zum Beispiel die 2006 gestartete Nasa-Sonde "New Horizons", die im Juli 2015 den Zwergplaneten Pluto erreichen und umkreisen soll. Der am weitesten von der Sonne entfernte Planet unseres Sonnensystems wurde bisher noch von keiner Sonde besucht. "New Horizons" hat bereits mehrere bisher unbekannte Pluto-Monde entdeckt.

2016 soll die Nasa-Sonde "Juno" den Planeten Jupiter nach fünfjährigem Flug erreichen und ihn dann ein Jahr lang umkreisen. 2016 schicken die USA unter dem Namen "Osiris Rex" eine weitere Sonde zum Asteroiden RQ36, vier Jahre wird sie unterwegs sein. Alle drei fliegen im Rahmen des "New Frontiers"-Weltraumprogramms der Nasa.

Daneben betreiben die USA zwei weitere Programme: "Discovery" und "Flagship", die nach den Kosten pro Mission aufgeteilt sind. "Discovery" umfasst "günstigere" Projekte mit rund 500 Millionen Dollar, "Flagship" die teuren Missionen etwa ab zwei Milliarden Dollar. "New Frontiers"-Erkundungen liegen im Mittelfeld. Im Rahmen von "Discovery" kreist eine Sonde seit 2011 um den sonnennahen Planeten Merkur, sie wird dort im März 2015 abstürzen. Weitere Sonden sollen Kometen untersuchen. Zu "Flagship" gehören unter anderem die beiden Sonden, die als "Cassini-Huygens" bis wahrscheinlich 2017 den Saturn umkreisen. Auch der Mars-Rover "Curiosity" ist Teil der "Flagship"-Missionen. Aus Kostengründen sind im Moment alle weiteren "Flagship"-Pläne auf Eis gelegt.

Der Mond und der Mars

So sieht es aus, wenn sich eine Sonde der ISS nähert.

Seit 1972 hat kein Mensch mehr den Mond betreten. Das Apollo-Programm der USA ermöglichte die erste bemannte Landung auf dem Erdtrabanten am 20. Juli 1969. In den nächsten drei Jahren folgten fünf weitere Mondlandungen. Aber im Dezember 1972 stoppten die USA das Apollo-Programm aus Kostengründen.

Nur ein Land erwägt derzeit weitere bemannte Flüge zu unserem Trabanten: China. Bis die ersten Taikonauten dort aussteigen, könnten allerdings noch zehn Jahre vergehen. Mehrere Sonden aus dem Reich der Mitte landeten aber schon erfolgreich auf dem Mond. Die USA haben im Moment kein Interesse mehr an diesem Ziel. Präsident Barack Obama sagte schon 2010, auf dem Mond seien die Amerikaner schließlich schon gewesen. Höhere Ziele müssten her. Und das kann eigentlich vorerst nur eines sein: eine Landung auf dem Mars. Obama erklärte sogar, dass er diese noch miterleben wolle. Demnach müsste die Landung in den nächsten 30 bis 40 Jahren stattfinden, der Präsident ist schließlich 53 Jahre alt. Schon in 20 Jahren sollen Amerikaner zum Mars fliegen, ihn umkreisen und zurückkehren.

Bisher ist der Weg zum Mars viel zu weit. Wohl mindestens zwei Jahre würde die Reise quer zu unserem Nachbarplaneten dauern. Aber Raumschiffe, die diese Strecke bewältigen könnten, gibt es noch nicht. Sonden dagegen gibt es genug: Sieben sind derzeit entweder im Orbit um den Mars oder auf seiner Oberfläche unterwegs – darunter der US-Rover "Curiosity", die indische Sonde "Mars Orbiter", die seit September 2014 um den roten Planeten kreist, und eine Sonde der europäischen Weltraumorganisation ESA.

Auf der Suche nach Exoplaneten

Darum sind die Ergebnisse von "Philae" für die Wissenschaft so wichtig.

Die ESA will noch weiter ins All hinein. Im Dezember 2017 die Mission "Cheops". 3,5 Jahre ist das Weltraumteleskop mindestens unterwegs, um Exoplaneten zu erforschen. Das sind Planeten außerhalb unseres Sonnensystems, etwa 1.000 wurden bisher schon entdeckt.

Die NASA setzt derweil auch auf den Bau von Raumkapseln, mit denen Astronauten aus den USA zur Raumstation ISS transportiert werden sollen. Seit 2011 geht das nur noch mit sowjetischen Sojus-Raketen. Das Besondere: Kommerzielle Anbieter sollen den Transport der Amerikaner ab 2017 übernehmen. Die NASA mietet die Plätze, die Firmen könnten freie Sitze auch an Wissenschaftler oder reiche Weltraumtouristen verkaufen.

Private Flüge zum Mars – ohne Wiederkehr

Aber vielleicht geht es mit dem bemannten Flug zum Mars ja doch schneller: nicht mit staatlichen Raumfahrtprogrammen, sondern mit privaten. Unter dem Namen "Mars One" will eine niederländische Stiftung des Unternehmers Bas Landsdorp bis 2025 Menschen auf dem Mars landen lassen. Diese sollen sich dort ansiedeln, also nicht zur Erde zurückkehren. Die Rückreise wäre zu teuer, so die Begründung. Das Ganze soll gefilmt und als größte Reality Show aller Zeiten im Fernsehen übertragen werden. Die Pläne werden aus ethischen Gründen heftig kritisiert, aber schon 2015 will Landsdorp das Auswahlverfahren für bis zu 40 Astronauten starten.

Es gibt weitere mehr oder weniger skurrile Pläne für Weltraummissionen, die nicht aus dem Staatshaushalt bezahlt werden. Unter dem Namen "Lunar Mission One" suchte ein britisches Wissenschaftler-Konsortium bis Mitte Dezember 2014 Geldgeber, die einen Flug zum Mond finanzieren. Mit Erfolg, das Projekt kann nun dank einer Crowdfunding-Kampagne realisiert werden. Spender bekommen die Möglichkeit, Nachrichten oder Fotos zum Mond zu schicken – oder sogar ein Haar, um die eigene DNA zu hinterlassen. Das eigentliche Ziel der Wissenschaftler: Ein Roboter soll den Südpol des Trabanten daraufhin prüfen, ob dort eine bemannte Mondbasis gebaut werden könnte. Diese wiederum könnte als Ausgangspunkt für weitere Missionen ins All dienen.

Der Mond ist auch das Ziel eines Wettbewerbs, den Google finanziert: 20 Millionen Dollar Preisgeld bekommt das private Team, das einen eigenen Roboter zum Mond fliegt, ihn dort landen und 500 Meter fahren lässt. Teams aus der ganzen Welt machen bei "Google Lunar X Prize" mit, gefördert von Sponsoren. 18 Teams sind noch im Rennen, ob es eines bis zur Deadline Ende 2015 schafft, ist aber fraglich.

Was ist mit den deutschen Astronauten?

Ob es nach Alexander Gerst in nächster Zeit einen weiteren deutschen Astronauten geben wird, ist fraglich. Die Bundesregierung will sich dieses Geld offenbar vorerst sparen. Raumfahrt ist extrem teuer: Deutschland gibt dafür im Moment nach Angaben von "Bild" etwa eine Milliarde Euro pro Jahr aus, allein die Ausbildung eines Astronauten koste 70 Millionen Euro.

Der 38-jährige Gerst hat sechs Monate auf der ISS verbracht. Doch das reicht ihm noch nicht. In einem Interview erklärte er, dass er ein Ziel besonders reizvoll fände: den Mars.