Dass wir uns spätestens seit der Entdeckung des Universums fragen, ob wir Menschen ganz allein auf weiter Flur sind, ist nur allzu verständlich. Spätestens seit Beginn des 20. Jahrhunderts suchen Weltraumforscher unablässig nach Spuren außerirdischen Lebens oder schicken diverse Botschaften ins weite All hinaus.

Das Thema hat die Phantasie unzähliger Buch- und Drehbuchautoren beflügelt und begleitet die wildesten Verschwörungstheorien der Menschheit. Viele wollen schon UFOs gesehen und fotografiert haben. Immer wieder wecken wissenschaftliche Entdeckungen rund um die Zusammenhänge des Universums unsere Hoffnung, dass außerirdisches Leben möglich ist. Um eines gleich vorweg zu nehmen: Es spricht nichts gegen die Existenz intelligenten Lebens in der Endlosigkeit des Weltalls. Gefunden haben wir bis jetzt jedoch noch gar keine Lebensform.

Was verstehen wir unter außerirdischem Leben überhaupt?

Am liebsten stellen wir uns Wesen vor, deren Körpergröße irgendwo zwischen Hund und Elefant angesiedelt ist und die mit menschenähnlichen oder überhöhten Eigenschaften ausgestattet sind. Wesen, deren Intelligenz die unsere weit übertrifft, kommen in den meisten Science-Fiction-Filmen vor. Rein von der Definition her bezeichnet außerirdisches Leben jedoch alle nichtirdischen Lebensformen, von Mikroorganismen oder Viren über Pflanzen bis hin zu den hyperintelligenten Lebewesen. Allerdings könnte außerirdisches Leben ganz anders aussehen, als wir es uns vorstellen. Denkbar wären auch Organismen, die sich aus ganz anderen chemischen Elementen zusammensetzen.

Außerirdische sollen bereits fast jeden Ort der Erde besucht haben.

Gefunden haben wir bisher noch keine Form von Leben, auch keine Spuren außerirdischer Pflanzen. Und wenn wir sie fänden, würden wir uns sofort die Frage stellen, ob ein von Pflanzen bewohnbarer Planet sich so entwickelt, dass er früher oder später eine intelligente Spezies hervorbringen kann. Ob unsere Erde ein Spezialfall oder der typische Evolutionsweg jeder erdähnlichen Biosphäre ist, wissen wir nicht.

Was genau macht einen Planeten bewohnbar?

Flüssiges Wasser gilt als eine Grundvoraussetzung für außerirdisches Leben. Im Herbst 2015 horchte die Welt auf, als die NASA von Hinweisen auf fließendes Wasser auf dem Mars berichtete. Fotos einer Marssonde sollen Schmelzwasserbäche zeigen, die beweisen würden, dass es auf dem Mars nicht nur Gletschereis gibt. Bisher war bekannt, dass es auf unserem Nachbarplaneten in der Vergangenheit Flüsse, Ströme und Regen wie auf der Erde gegeben haben muss. Das beweisen Talstrukturen und verzweigte Flussbetten auf dem Mars.

Je erdähnlicher ein Planet ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit auf außerirdisches Leben, das sich annähernd mit dem unseren vergleichen ließe. Somit scheiden schon mal alle Planeten unseres Sonnensystems aus. Dennoch gibt die mögliche Existenz von Wasser auf dem Mars Anlass zur Hoffnung. Denn der Mars ist der einzige für uns in absehbarer Zeit erreichbare fremde Planet. Der Besuch anderer Sonnensysteme scheint völlig undenkbar – jedenfalls für Erdbewohner.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir nicht die einzigen intelligenten Lebewesen sind?

Die Wahrscheinlichkeit, dass es erdähnliche Planeten gibt, ist extrem hoch. Vor allem wenn man bedenkt, dass allein die Milchstraße 200 bis 400 Milliarden Sonnen beheimatet, die zumeist von Planeten umkreist werden. Insgesamt soll die Milchstraße 500 Millionen Planeten in bewohnbaren Zonen aufweisen. Noch dazu ist unsere Heimatgalaxie nur eine von über 100 Milliarden Galaxien im Universum. Besonders optimistisch gibt sich der Astronom Frank Drake, der anhand einer Wahrscheinlichkeitsrechnung auf über 300 mögliche intelligente Zivilisationen allein in unserer Galaxie kommt.

Hörten Astronauten außerirdische Musik auf der dunklen Seite des Mondes?

Allerdings darf man dabei nicht vergessen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass intelligentes Leben gleichzeitig mit dem unseren existiert, wesentlich geringer ist. In Relation zum Alter unseres Planeten bewohnt die Menschheit die Erde erst seit Kurzem – und genauso schnell könnte sie wieder verschwinden. Eine außerirdische Lebensform könnte bereits seit Jahrmillionen ausgestorben sein oder erst in ferner Zukunft ihr Sonnenlicht erblicken.

Was spricht gegen die Existenz außerirdischen Lebens?

Die Verfechter der sogenannten Rare-Earth-Hypothese sind der Meinung, dass intelligentes Leben auf der Erde nur durch einen äußerst seltenen und unwahrscheinlichen Zufall von Ereignissen zustande gekommen ist. Diese Sichtweise wird damit begründet, dass die Erde in einer für Leben perfekten Position innerhalb des Planetensystems liege, das sich seinerseits in einer optimalen Lage innerhalb des Milchstraßensystems befinde.

Dazu kommen noch die Größe der Erde, einige geologische und viele weitere Voraussetzungen. Eine derart optimale Bedingung für komplexes Leben sei sehr selten, so die Rare-Earth-Anhänger. Zwar schließt die Theorie die Existenz intelligenten Lebens im Weltall nicht aus, allerdings nimmt sie uns so gut wie jede Hoffnung, dass wir sie jemals finden werden.

Denn selbst wenn ein solcher Planet existierte, könnte er viele tausend Lichtjahre von uns entfernt sein. Dann stellt sich die Frage, ob das Zeitfenster der Existenz entwickelter Zivilisationen jemals ausreicht, um Kommunikationsformen zu erfinden, mit denen sich unsere Erde erreichen lässt.

Wie macht die Menschheit auf sich selbst aufmerksam?

Schon seit den 1960er Jahren schicken wir Raumsonden durch unser Sonnensystem, die in erster Line Fotos von den Oberflächen der Planeten und ihrer Monde schießen sollen. Um die entferntesten Planeten unseres Systems zu erreichen, brauchen die Sonden viele Jahre. Manche haben unser Sonnensystem sogar schon verlassen und keinen Kontakt mehr zu uns. Zu diesen gehört die 1973 losgeschickte US-Sonde "Pioneer 11".

Sie enthält eine Goldplatte mit Zeichnungen von Menschen, die dem potenziellen Finder zeigen soll, wie wir aussehen. Die Pioneer 11 ist so etwas wie eine Flaschenpost der Menschheit. Die 1977 ins All geschickte "Voyager 1" verließ 1990 unser Sonnensystem, versorgt uns jedoch weiterhin mit faszinierenden Fotos. Inzwischen ist sie als erstes von Menschenhand geschaffenes Objekt in den interstellaren Raum eingedrungen.

Die Sonde "New Horizons" versorgte uns mit atemberaubenden Landschaftsaufnahmen von Pluto, dem Kleinstplaneten am äußersten Rand unseres Sonnensystems. Bei minus 230 Grad Celsius erwartet freilich niemand, dort Anzeichen von Leben zu finden.

Zuletzt ist an dieser Stelle das Projekt SETI ("Search for Extraterrestrial Intelligence") zu erwähnen: Seit 1960 bereits durchforsten wir das Weltall nach Radiowellen, die Hinweise auf entwickelte Zivilisationen geben und über die wir mit ihnen in Kontakt treten könnten. Im August 1977 wurde im Rahmen dieses Projekts das sogenannte "Wow!"-Signal empfangen, dessen Ursache bis heute nicht zweifelsfrei geklärt werden konnte © 1&1 Mail & Media