In den vergangenen Jahren gab es vor allem in den USA immer wieder gefälschte Notrufe. Das Ziel beim sogenannten Swatting ist es, andere Menschen mit einem Einsatzkommando zu erschrecken und ihnen damit zu schaden. In Deutschland ist das strafbar – bislang ist hierzulande vor allem ein Fall bekannt.

Jemandem schaden und live dabei zusehen? Solche Fälle nehmen vor allem in den USA zu: Immer wieder kommt es vor, dass Menschen gefälschte Notrufe absetzen und anderen die Polizei oder die Feuerwehr ins Haus schicken. Dieses Vorgehen wird als Swatting bezeichnet.

In Kansas gab es kurz vor Silvester einen tragischen Fall, bei dem ein Mann erschossen wurde – die Polizei hatte ihn irrtümlich für einen Geiselnehmer gehalten. Besonders tragisch daran: Der Mann war ein völlig unbeteiligter Nachbar.

Was genau ist Swatting?

Swatting ist im Grunde eine Art Telefonstreich. Jemand ruft bei der Polizei oder der Feuerwehr an und täuscht einen Notfall vor – zum Beispiel eine Geiselnahme oder einen Brand.

Nach einem solchen Fake-Notruf rückt in der Regel ein Einsatzteam zum ahnungslosen Opfer aus. Darauf geht auch der Begriff Swatting zurück: Er leitet sich ab von der amerikanischen Spezialeinheit SWAT (Special Weapons and Tactics).

Was ist ein SWAT-Team?

Die SWAT-Einheiten in den USA sind vergleichbar mit einem Sondereinsatzkommando in Deutschland. Allerdings sind sie stärker bewaffnet. Generell ist die Polizei in den USA deutlich stärker militarisiert als in Deutschland. SWAT-Teams sind dort präsenter als beispielsweise Sondereinsatzkommandos in Deutschland. In fast jeder kleinen Stadt ist in den USA ein solches Team stationiert.

Warum ist Swatting gefährlich?

Wenn die Polizei davon ausgeht, dass sie es mit einem bewaffneten Täter zu tun hat, dann greift sie im Zweifel hart durch. Dabei können Unschuldige verletzt oder sogar getötet werden – wie zum Beispiel zuletzt in Kansas.

In diesem Fall war der Polizei eine Geiselnahme gemeldet worden. Als sie vor dem Haus des Nachbarn des Spielers stand, dessen Adresse sie erhalten hatte, trat ein Mann vor die Tür und machte verdächtige Bewegungen. In der Annahme, dass er ein Geiselnehmer sei, schoss die Polizei auf ihn und verletzte ihn tödlich.

Swatting bindet auch die Kräfte von Polizei und Feuerwehr. Tritt parallel ein echter Notfall ein, fehlen womöglich Einsatzkräfte. Außerdem verursacht Swatting durch die intensiven Einsätze hohe Kosten, die am Ende die Steuerzahler tragen.

Welche prominenten Swatting-Fälle gibt es?

Prominente Fälle von Swatting sind vor allem aus den USA bekannt: So gab es beispielsweise 2012 nach einem Fake-Notruf einen Polizeieinsatz bei Ashton Kutcher. Der Täter war ein Zwölfjähriger, der noch andere Notrufe absetzte und so unter anderem einen Polizeieinsatz bei Justin Bieber auslöste.

Eine weitere Attacke erlebte 2013 P. Diddy: Ein Anrufer hatte der Polizei gemeldet, dass auf seinem Anwesen ein Mann erschossen worden sei. Die Polizei fand das Haus jedoch leer vor.

Ein weiterer Fall von Swatting ereignete sich bei Tom Cruise: Ein Anrufer hatte einen bewaffneten Eindringling gemeldet. Nachdem die Polizei sein Grundstück umstellt hatte, fand sie heraus, dass lediglich die Security anwesend war.

Weitere promintente Opfer von Swatting sind Paris Hilton, Rihanna, Clint Eastwood, Justin Timberlake und Selena Gomez.

Wer wird zum Opfer von Swatting?

Im Grunde genommen kann jeder zum Opfer von Swatting werden. Zuletzt ändert sich die Stoßrichtung der Täter: Viele Opfer sind nicht prominent, sondern Gamer. Betroffen sind dabei vor allem diejenigen, die live spielen und streamen, beispielsweise über Youtube oder den Dienst Twitch.

Der besondere Reiz für die Täter scheint darin zu liegen, dass sie live miterleben, wie das Einsatzkommando in die fremde Wohnung eindringt.

Die Motive sind vielschichtig: Rache kommt vor, wenn der Gamer eine andere Figur verletzt hat. Aber auch Langeweile ist ein Motiv für Swatting.

Gibt es auch in Deutschland solche Fälle?

In Deutschland ist vor allem ein Fall von Swatting bekannt. Er richtete sich gegen den YouTuber und Gamer Drachenlord und ereignete sich im Juli 2015 in Mittelfranken. Der Täter hatte der Feuerwehr einen Brand gemeldet – und die fuhr einen Großeinsatz, um das vermeintliche Feuer zu löschen.

Ist Swatting in Deutschland strafbar?

Der Missbrauch des Notrufs ist in Deutschland strafbar – und damit auch Swatting. Das regelt der Paragraph 145 aus dem Strafgesetzbuch. Tätern droht je nach Schwere der Tat eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe.

Im Drachenlord-Fall wurde der Täter gefasst. Er wurde zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und fünf Monaten verurteilt – allerdings nicht nur für das Swatting, sondern auch für weitere Straftaten.

Warum sind die Täter so schwer zu fassen?

Grundsätzlich lassen sich Anrufe nachverfolgen – allerdings ist es beim Swatting oft schwierig, die Täter aufzuspüren. Sie nutzen verschiedene Hilfsmittel, um unerkannt zu bleiben. Dazu zählen zum Beispiel Dienste, die Anrufe über verschiedene Länder leiten und die Stimme des Anrufers verändern.

In Kansas wurde der Anrufer gefasst, der den Einsatz ausgelöst hatte. Er gab an, für den Fake-Notruf von einem Unbekannten bezahlt worden zu sein und ihn in dessen Auftrag ausgeführt zu haben.