Barack Obama ist der erste US-Präsident, der Hiroshima besucht - einen Teil des nuklearen Erbes der Menschheit. Bis heute folgten zahlreiche, weitere Nuklearkatastrophen. Hiroshima war nur der Anfang.

Atombombe auf Hiroshima: Erster militärischer Einsatz

Hiroshima in Japan ist ein weltweites Symbol für Krieg - und für Frieden. Um Japan im Zweiten Weltkrieg zur Kapitulation zu zwingen, hatte die US-Luftwaffe am 6. August 1945 über der Stadt eine Atombombe abgeworfen. Schätzungsweise 70.000 Bewohner starben sofort, rund 70.000 bis 80.000 in den folgenden Monaten.

Die "Doomsday Clock" warnt die Menschheit - und das zu Recht.

Auch Jahrzehnte nach der Katastrophe leiden und sterben zahlreiche Menschen an den Spätfolgen der atomaren Strahlung. Heute ist Hiroshima auf der Insel Honshu eine Metropole mit etwa 1,1 Millionen Einwohnern. An den Abwurf der Atombombe erinnert der Friedenspark mit der ausgebrannten Kuppel einer Ausstellungshalle als mahnendem Symbol.

Nuklear-Unfall in Kyschtym in Russland

Am 29. September 1957 explodierte ein Lagertank für hochradioaktive Rückstände in der Kerntechnischen Anlage Majak im Westen Russlands. Durch den radioaktiven Zerfall der Stoffe entsteht Wärme, weswegen diese Tanks ständig gekühlt werden müssen. Nachdem eine Leitung undicht geworden war, wurde die Kühlung an einem dieser Tanks abgestellt. Der Inhalt begann zu trocknen.

Der Funke eines Messgeräts löste schließlich die Explosion aus – große Mengen an radioaktivem Material wurden freigesetzt und verteilten sich über dem Ural und in der Gegend um das russische Kyschtym.

Die radioaktive Belastung entsprach dabei nahezu der doppelten Menge des Tschernobyl-Unfalls. Da die kontaminierte Wolke in geringer Höhe über dem Boden trieb, schlugen die Messgeräte in Europa nicht an. Der Rest der Welt erfuhr erst rund 30 Jahre später von dem GAU.

Nuklearkatstrophe von Tschernobyl

Experten bezeichnen diesen Ort als den gefährlichsten der Welt.

Der 26. April 1986 veränderte die Welt. In Block 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl nahe der ukrainischen Stadt Prypjat kam es zum ersten katastrophalen Unfall im Nuklearzeitalter – mit weitreichenden Folgen. Die Stadt Prypjat ist bis heute verlassen.

Weite Teile um das Kernkraftwerk sind Sperrgebiet, viele Länder in Europa hatten mit dem nuklearen Fallout zu kämpfen. In der Gegend um Tschernobyl selbst wurden laut Experten rund 600.000 Menschen einer hohen Strahlendosis ausgesetzt.

Laut WHO sind bis heute 150.000 schwer erkrankt. Auch hier wurde die Weltöffentlichkeit nicht sofort informiert. Erst am 29. April 1986 wurde von sowjetischer Seite erstmals von einem "Unfall" in Tschernobyl gesprochen, nachdem am Tag zuvor in einem schwedischen AKW erhöhte Strahlenwerte gemessen wurden.

Diese wurden durch die strahlende Wolke aus Tschernobyl verursacht, die sich über ganz Europa ausbreitete.

Kernschmelze in Fukushima

Am 11. März 2011 wurde Japan vom Tohoku-Erdbeben erschüttert. Die Schockwellen und der anschließende Tsunami beschädigten das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi schwer. In der Folge kam es in den Blöcken 1 bis 3 zu Kernschmelzen.

Explosionen zerstörten die Reaktorgebäude. Große Mengen an radioaktivem Material wurden in die Umwelt freigesetzt und kontaminierten Luft, Böden, Wasser und Nahrungsmittel in Umgebung. Vor allem die Kühlung der Reaktoren mit Meerwasser führte zur Verseuchung des Ozeans.

Ungefähr 100.000 bis 150.000 Einwohner mussten das Gebiet vorübergehend oder dauerhaft verlassen. Durch Konflikte innerhalb des Managements der Betreibergesellschaft Tepco kam es immer wieder zu Fehlinformationen über die Schwere des Unfalls.

Experten schätzen, dass die Aufräumarbeiten etwa 40 Jahre andauern werden. Die Kosten der Katastrophe belaufen sich nach Schätzungen auf über 150 Milliarden Euro.

Zwischenfälle in Three Mile Island und in Sellafield

Arbeiter hatten bei Wartungsarbeiten am 28. März 1979 im Kernkraftwerk Three Mile Island im amerikanischen Harrisburg zwei Ventile falsch verbunden. Dieser Fehler und weitere technische Versäumnisse führten zu einer Kernschmelze im Reaktorblock.

In den 16 Stunden des Störfalls wurde den Technikern bewusst, dass sie nur knapp an einer Explosion des Reaktors vorbeigeschrammt waren. Um das System zu stabilisieren, wurden radioaktive Abgase aus dem System ungefiltert in die Umwelt abgelassen. Dieser Vorgang ist bis heute hoch umstritten.

Auch im Kernreaktor Pile No. 1 in Windscale (heute Sellafield) führte eine Fehleinschätzung zur Freisetzung von radioaktiven Elementen. Vom 7. bis 12. Oktober 1957 wurde Graphit in dem luftgekühlten Reaktor ausgeglüht und schließlich zum Abkühlen verwahrt.

Allerdings waren die Techniker aufgrund einer Fehlinterpretation der Messdaten mit dem Ergebnis unzufrieden und heizten den Reaktor erneut, in einem nicht freigegebenen Bereich an. Das Ergebnis: Das Graphit begann zu brennen, die Luftfilter konnten dem Feuer nur kurz standhalten.

In Panik fluteten die Verantwortlichen den Reaktor mit Wasser. Radioaktive Gase und Wasserdampf gelangten in die Umwelt. In der Folge wurde die Milcherzeugung im Gebiet um den Reaktor verboten. Der Unfall wurde später für Dutzende von Krebstoten verantwortlich gemacht.

Lichtblitze im Indischen Ozean: Das Vela-Ereignis

Am 22. September 1979 registrierten die optischen Sensoren des Vela-Satelliten 6911 zwei kurz aufeinander folgende Lichtblitze im Indischen Ozean. Solche Blitze entstehen normalerweise bei einer oberirdischen Detonation einer Atombombe.

Da der Satellit bereits länger im Orbit kreiste, waren einige Systeme ausgefallen, darunter der EMP-Detektor. EMP steht für "elektromagnetischer Puls", eine Nebenerscheinung einer Atombombenexplosion. Somit konnte der Satellit nicht genau klären, ob es sich tatsächlich um einen zu dieser Zeit illegalen Nuklearwaffentest handelte.

Es wurde darüber spekuliert, ob Südafrika einen Test durchgeführt hatte. Das Land hatte Ende der 1970er Jahre sein Atomwaffentestprogramm forciert. Allerdings ergab eine Untersuchung des Zielgebietes nichts. Es wurden keine radioaktiven Rückstände gefunden. Bis heute ist dieses Rätsel ungelöst.

Mit Material der dpa