Um ihn ranken sich unzählige Mythen und zahlreiche Überlieferungen sprechen dem Vollmond besondere Kräfte zu. Auch Gesundheit und Wohlbefinden von Menschen soll er beeinflussen. Doch lassen sich Vollmond-Mythen auch wissenschaftlich belegen?

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Mythen um den Vollmond – nicht nur in esoterischen Kreisen sind sie verbreitet. Auch wer nicht unbedingt Friseurbesuch, Operation oder Gartenarbeit nach dem Mondkalender richtet, hat sicherlich schon einmal von Schlafstörungen oder innerer Unruhe bei Vollmond gehört oder persönlich die Erfahrung gemacht.

Fakt ist: Der Mond hat einen großen Einfluss auf viele Abläufe auf der Erde, etwa auf die Stabilität der Erdachse. Diese ist in einem Winkel von etwa 23,5 Grad zur Ekliptik geneigt, also zur Ebene, auf der die Erde die Sonne umkreist. Durch diese Neigung sind die Jahreszeiten wie wir sie kennen möglich. Dass die Neigung der Erdachse sich kaum verändert, ist der Schwerkraft des Mondes zu verdanken, wie Astronom Jacques Laskar im Jahr 1993 veranschaulichte.

Auch die Gezeiten beeinflusst der Mond maßgeblich. Wie ein Magnet zieht die Gravitationskraft des Erdtrabanten Wasser auf der Erde an und sorgt für Ebbe und Flut. Stehen Sonne, Mond und Erde bei Vollmond und Neumond auf einer Linie, verstärkt die Sonne die Kraft des Mondes, es kommt zu starkem Hochwasser, der sogenannten Springtide. Doch nicht nur Wasser wird vom Mond angezogen. Sogar die Erdkruste wölbt sich durch seine Anziehungskraft leicht.

Der Mensch, der Mond und das Wasser

Da der menschliche Körper aus rund 70 Prozent Wasser besteht, wird im Volksglauben und in der Esoterik-Szene gerne behauptet, der Mond wirke sich auch auf den Menschen aus. Doch ist dem so?

Um Wasser in Bewegung setzen zu können, benötigt der Mond riesige Massen. Die Größe eines Gewässers spielt neben anderen Faktoren eine entscheidende Rolle.

Der Mond versetzt Ozeane in Bewegung. An der Nordsee kommt es durch den Anschluss an den Atlantik zu Ebbe und Flut. Auf kleinere Gewässer oder gar auf den Menschen hingegen wirken sich die Gezeitenkräfte nicht aus, da konkurrierende Effekte diese aushebeln und die Schwerkraft des Mondes nicht stark genug ist.

Die Schwerkraft auf dem Mond beträgt nur ein Sechstel der auf der Erde messbaren Schwerkraft, da der Mond kleiner und leichter ist als unser blauer Planet.

Vollmond und weiblicher Zyklus

In esoterischen Ratgebern wird häufig der vermeintliche Zusammenhang zwischen dem Mondzyklus und weiblichem Zyklus thematisiert. Der Mondzyklus dauert etwa 29,53 Tage, der weibliche Zyklus liegt im Schnitt bei 28 Tagen. Die Ovulationsphase soll mit dem Vollmond in Verbindung stehen. Wissenschaftliche Belege für einen Zusammenhang von Mondphasen und weiblichem Zyklus gibt es nicht.

Besonders verbreitet ist der Glaube, der Vollmond wirke sich negativ auf den Schlaf aus. Ein Studie der Universität Basel sorgte im Jahr 2013 für Schlagzeilen. Untersucht wurde die Schlafqualität von 33 Probanden. Die Forscher konnten bei Vollmond deutlich kürzere Tiefschlafphasen und eine verkürzte Nachtruhe messen.

Dr. Martin Dresler, Neurowissenschaftler am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München, bemerkte, dass die bei Vollmond schlecht schlafenden Probanden der Baseler Studie Personen im fortgeschrittenen Alter waren. Da die Schlafqualität im Alter sich verschlechtert, sieht er das Ergebnis der Schweizer Forscher kritisch. Zudem könne es sich bei Studien mit wenigen Probanden auch um Zufallsbefunde handeln.

In einer Studie mit Daten von 1.265 Probanden aus 2.097 Nächten konnten Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts keine Hinweise auf einen Zusammenhang von Mondphasen und Schlafqualität finden. Endgültig geklärt ist die Frage jedoch nicht, da die Studienlage nach wie vor dünn ist.

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Beeinflusst der Mondschein den Hormonhaushalt?

Auch das helle Licht des Vollmondes stand bereits im Verdacht, für unruhige Nächte zu sorgen. Das Hormon Melatonin regelt Schlaf- und Wachphasen des Menschen. Bei Dunkelheit wird es vermehrt ausgeschüttet. Die These: Scheint der Vollmond hell ins Zimmer, könnte das einfallende Licht die Melatoninbildung hemmen.

Doch offenbar hakt die Theorie, denn aus wissenschaftlicher Sicht ist der Vollmond mit 0,2 Lux ist nicht hell genug, um den Schlaf zu stören. Was bleibt also übrig? Womöglich die selbsterfüllende Prophezeiung: Heute ist Vollmond, deshalb werde ich heute Nacht nicht schlafen können. Und so kommt es dann in der Regel auch.

Heilen Wunden bei Vollmond schlechter?

Wer sein Leben nach den Mondphasen ausrichtet, wird sich vermutlich freiwillig bei Vollmond keiner Operation unterziehen. Angeblich heilen bei Vollmond entstandene Wunden schlechter und auch das Risiko von Komplikationen sei erhöht. Der Mondkalender rät: Operationen besser auf einen Tag bei abnehmendem Mond legen.

Das Uniklinikum Saarland wertete die Daten von 27.914 Patienten aus, die zwischen 2001 und 2011 am Klinikum operiert wurden. Dabei wurden 111 Mondzyklen untersucht. Die Forscher konnten weder erhöhte Blutungen noch eine höhere Zahl von Notfällen bei Vollmond feststellen.

Eine im Jahr 2009 veröffentlichte Studie der Ludwig-Maximilians-Universität in München lieferte ebenfalls keine Hinweise für einen Zusammenhang zwischen den Mondphasen und postoperativen Komplikationen von Lungenkrebspatienten.

Verwendete Quellen:

  • Universität Basel: Doch kein Mythos: Schlechter Schlaf bei Vollmond
  • Welt der Physik: Die Kräfte der Gezeiten
  • Research Gate: Popular Belief Meets Surgical Reality: Impact of Lunar Phases, Friday the 13th and Zodiac Signs on Emergency Operations and Intraoperative Blood Loss
  • Research Gate: The dark side of the moon: Impact of moon phases on long-term survival, mortality and morbidity of surgery for lung cancer
  • MPG: Beeinflusst der Mond unseren Schlaf?
  • SWR: Mythos Mond – was ist dran?
  • Neurologen und Psychiater im Netz: Schlafverhalten bzw. Schlafstörungen im Alter
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