Was bedeutet Islandtief oder Isobaren? Wetterbegriffe leicht erklärt

Man muss kein Meteorologe sein, um immer und überall über das Wetter diskutieren zu können. Doch einige Wetterbegriffe helfen, um Wind und Wetter auf der Erde besser zu verstehen: von Islandtief bis Isobaren über Föhnwind und Diamantstaub ... © 1&1 Mail & Media/teleschau

Wind, Sturm, Regen, Schnee und Sonne werden beim Wetterbericht ohne weitere Erklärung verstanden. Doch darüber hinaus gibt es einige Wettererscheinungen und Phänomene, die wohl nur Meteorologen sofort einordnen können. Oder wissen Sie, wie Azorenhoch, Isobaren, Nordatlantische Oszillation, Kobolde oder Islandtief die Wetterlage beeinflussen?
Ein Tief oder Tiefdruckgebiet beschreibt eine Luftmasse, die im Vergleich zu angrenzenden Luftzonen einen niedrigen oder sinkenden Luftdruck aufweist. Der Druckabfall in diesem Gebiet führt zu einer Veränderung der Wetterlage, die sich mit mehr Wolken und Niederschlägen sowie Schnee zeigt. Auf der Wetterkarte werden diese Bereiche mit "T" gekennzeichnet.
Als Gegenspieler des Tiefdruckgebiets über Island wirkt das Azorenhoch. Dieses Hochdruckgebiet bildet sich meist im Bereich der Azoren im Nordatlantik aus und verantwortet zusammen mit dem Islandtief entscheidend das Wetter in Mitteleuropa. Denn je nach Lage und Druckunterschied der beiden Systeme kann es in Europa zu Regen, Sturm, Schnee oder Sonnenschein kommen.
Das Zusammenspiel zwischen dem Islandtief und Azorenhoch wird Nordatlantische Oszillation (NAO) genannt. Der NAO-Index ist dabei maßgeblich für Klimaschwankungen auf der Nordhalbkugel verantwortlich und umfasst den Bereich von Nordamerika, dem Nordatlantik und Europa. Besonders stark beeinflusst die NAO das Winterwetter in Europa.
Milde Winter entstehen in Europa, wenn Islandtief und Azorenhoch ausgeprägt auftreten und somit ein großer Luftdruckunterschied entsteht. Das führt zu einer milden Westwindlage mit feuchten Wintermonaten. Bei geringem Druckunterschied der Systeme bestimmt hingegen die kalte und trockene Luft über Osteuropa das Winterwetter in Europa.
Auf Wetterkarten werden neben Tief- und Hochdruckgebieten auch Kalt- und Warmfronten eingezeichnet. Dabei handelt es sich um Luftmassengrenzen im Zusammenhang mit einem Tiefdruckgebiet. Bei einer Kaltfront wird kalte Luft unter wärmere Luftmasse geschoben und es folgt Abkühlung. Bei einer Warmfront schiebt sich wärmere Luft auf eine Kaltluft-Zone.
Neben den Fronten wird in Wetterkarten zudem der Luftdruck dargestellt. Dabei kennzeichnen sogenannte Isobaren Orte mit gleichem Luftdruck. Diese Orte werden mit Linien verbunden, um im Umkehrschluss das Druckgefälle und somit die Windstärke zwischen den Isobaren zu ermitteln. Je enger die Isobaren liegen, desto größer wird der Druckunterschied und stärker der Wind.
Der Passat beziehungsweise die Passatwinde bezeichnen ein fast ganzjähriges Windsystem, das am Äquator entsteht. Dort steht die Sonne fast ausschließlich im Zenit und strahlt am heißesten. Dadurch dehnt sich die Luft aus, steigt auf und strömt am 30. Breitengrad in zwei unterschiedlichen Hauptwindrichtungen rund um den Erdball: der Nordost-Passat auf der Nordhalbkugel sowie der Südost-Passat auf der Südhalbkugel.
Und auf die Passatwinde ist Verlass. In England wurden die Winde früher auch "Handelswinde" genannt, denn sie sind so zuverlässig, dass sogar Segelschiffe relativ zügig Ozeane überqueren konnten. Bis heute legen Segler ihre Routen nach den Passatwinden. Denn selbst wenn sich dadurch die Segelstrecke verlängert, verkürzt die Kraft der Passatwinde die Fahrtzeiten.
Im Wirkungsbereich der Passatzirkulation entstehen auch die Monsunwinde. Dabei handelt es sich um großräumige Luftzirkulationen, die halbjährlich ihre Hauptwindrichtung wechseln und maßgeblich das Klima in den Regionen der Tropen und Subtropen bestimmen. Vor allem in Indien bringen die Winde viel Feuchtigkeit mit sich und führen zu starken Regenfällen im Sommer.
Über 60 Prozent der Weltbevölkerung, vor allem in Indien und Südchina, ist von Monsunphänomenen und deren Auswirkungen betroffen. So müssen landwirtschaftliche Erträge nach dem Monsun ausgerichtet werden. Denn ein ausgeprägtes Monsunklima kann Landschaften, die während der Trockenzeit dürr und ausgetrocknet sind, zur Regenzeit in fruchtbares Land verwandeln.
Sturmtiefs oder Sturm-Zyklone entstehen, wenn unter dem Einfluss von Tiefdruckgebieten eine Windstärke von mindestens Beaufort 8 gemessen wird. Diese hohen Windgeschwindigkeiten werden durch große Luftdruckunterschiede hervorgerufen und formieren sich oftmals über dem Meer. Der Ursprung eines Sturmtiefs ist meist eine flache Welle an der Polarfront.
Hurrikans sind tropische Wirbelstürme ab Windstärke 12 - also Orkanstärke. Sie bilden sich über Wasser und bergen mit schweren Niederschlägen, Sturzfluten, Erdrutschen und Überschwemmungen große Gefahren für Mensch und Natur. Der stärkste jemals gemessene Hurrikan weltweit war 2015 Hurrikan Patricia, der eine Rekord-Windgeschwindigkeit von 345 km/h erreichte.
Auch Saharastaub steht in Verbindung mit Hurrikans. Denn die trockenen Luftmassen aus der Sahara hindern die Entstehung von tropischen Wirbelstürmen. Doch der Wirkungsbereich ist deutlich größer: Der Staub der Sahara gilt als wertvoller Träger von Mineralstaub-Partikeln, die zum Beispiel den nährstoffarmen Regenwald im Amazonas fruchtbarer machen und über das Mittelmeer auch nach Europa gelangen.
Diamantstaub wird auch Polarschnee genannt und bezeichnet feinste Eisnadeln, die in der Sonne wie Diamanten glitzern. Oftmals entstehen bei geeigneter Sonneneinstrahlung wunderschöne Lichteffekte, sogenannte Halos. Dieses Phänomen entsteht bei starkem Frost im zweistelligen Minusbereich, bei meist wolkenlosem Himmel, wenn Wasserdampf direkt gefriert.
Polarlichter sind magische Leuchterscheinungen. Das Himmelsschauspiel in variierenden Farben wird hauptsächlich um den Polarkreis beobachtet. Dabei werden elektrisch geladene Partikel aus Sonnenwinden durch das Erdmagnetfeld zum Leuchten gebracht. Das Auftreten von diesen Elektrometeoren hängt stark von der Sonnenaktivität ab. Selten treten sie auch im nördlichen Mitteleuropa auf.
Kurzzeitige Leuchterscheinungen treten ebenfalls im Zusammenhang mit Gewittern auf. Diese elektrischen Wetterphänomene werden unterschiedlich benannt, wie zum Beispiel "Rote Kobolde". Als große, sekundenschnelle Blitze in Säulen- oder Quallen-Form dehnen sich die Kobolde bis in 100 Höhenkilometer aus. Wegen ihrer schwachen Helligkeit sind die Lichtphänomene nur nachts zu beobachten.
Föhnwind ist warmer, trockener Fallwind, der im Windschatten (Leeseite) von größeren Gebirgen auftritt. Dabei steigt die Lufttemperatur, trockene Luft fällt ab und Wolken lösen sich auf. Auf der dem Wind zugewandten Seite (Luv) des Gebirges steigt die Luft und es kommt zu Regen oder Schnee. Vor allem der Föhnwind an den Alpen beschert im Winter zu hohe Temperaturen für die Jahreszeit.
Hochnebel bezeichnet eine Art des Strahlungsnebels als gleichmäßige, tiefliegende Wolkenschicht, die zwischen zehn Metern bis zu zwei Kilometern über dem Boden liegt. Der Nebel entsteht oft im Herbst in Beckenlagen und in manchen Gebirgs-Tälern, wenn sich die Luft bei hoher Feuchtigkeit nachts stark abkühlt.
Cumulonimbus bezeichnet eine vertikale massige Wolke in Form eines hohen Bergs oder Turms. Sie ist Vorbote für Gewitter mit Regen, Hagel oder auch Schnee. Cumulonimbuswolken treten oft mit Böenwalzen am unteren Rand in Erscheinung. Die dunklen Wolken entstehen, wenn sich die Gewitter im Zusammenhang mit einer Gewitterfront verlagern.