Hetze in Form eines Comics: Im Internet ist ein Video der Zeugen Jehovas aufgetaucht, das auf perfide Art und Weise Homosexualität verunglimpft. Besonders empörend ist, dass sich der Clip gezielt an Kinder richtet.

Ein Kommentar
von Swen Thissen, Chef vom Dienst Mobile & Social Media (nicht mehr im Unternehmen)

Das Video sieht auf den ersten Blick friedlich und harmlos aus: Eine Tochter kommt von der Schule nach Hause, erzählt der Mutter von ihrem Schultag.

Doch als das Gespräch ins Rollen kommt, wird schnell klar, dass hier kein gewöhnlicher Comic-Film zu sehen ist, sondern eine bösartige Hetze gegen Homosexuelle. Urheber: die amerikanischen Zeugen Jehovas mit Sitz in New York.

Los geht die Kurzgeschichte damit, dass die Tochter stolz ein Bild zeigt, das sie von ihrer Familie gezeichnet hat.

Dabei erzählt sie, dass ihre Mitschülerin auf ihrem Bild zwei Mamas gemalt habe. "Sie erzählte mir, dass sie verheiratet sind", sagt die Tochter. Und: "Mein Lehrer sagt, dass nur wichtig ist, dass sich Menschen lieben und glücklich sind."

Die Mutter zögert kurz, antwortet dann: "Die Leute haben unterschiedliche Ansichten, was richtig oder falsch ist. Aber wichtig ist, was Jehova fühlt. (…) Er weiß, wie wir am glücklichsten sind."

"Wir müssen seinen Standards folgen"

Mit einem seltsamen Vergleich versucht die Comic-Mutter ihrer Tochter zu erklären, dass Homosexualität dem Glauben der Zeugen Jehovas nach falsch sei:

"Was passiert, wenn jemand etwas in ein Flugzeug mitnehmen will, was nicht erlaubt ist?", fragt sie. "Dann darf er nicht mitfliegen", antwortet die Tochter. "Richtig", sagt wiederum die Mutter: "Jehova möchte, dass wir für immer im Paradies leben. Aber wir müssen seinen Standards folgen, um dorthin zu gelangen. Wir müssen alles, was er nicht gutheißt, hinter uns lassen."

"Wir verbreiten seine Botschaft, weil sich Menschen ändern können", schlussfolgert die Mutter.

Es ist die vielleicht hässlichste Szene in dem seltsamen Filmchen, weil sie suggeriert, dass Homosexualität verdrängt, überwunden, vielleicht sogar geheilt werden könnte. So als wäre sie eine Krankheit.

Das Video können Sie hier sehen:

Sie missionieren meistens an der Haustür oder in Fußgängerzonen, werden oft belächelt oder missachtet: Die Zeugen Jehovas. Wir sagen, wie die relativ junge Glaubensgemeinschaft tickt und was deren Jünger antreibt.

Vor allem in den USA hat der Clip für großes Aufsehen gesorgt. Rund 750.000 Menschen haben ihn angeschaut, seit ihn die Online-Plattform "Pink News" im Internet veröffentlicht hat. Es hagelte wutentbrannte Kommentare auf Facebook und Twitter.

Dass die Zeugen Jehovas bezüglich Homosexualität eine Weltanschauung aus der Steinzeit vertreten, ist (leider) längst keine Neuigkeit mehr. Doch dass sie versuchen, mit einem Comic Kindern und Jugendlichen eine Gehirnwäsche zu verpassen, sorgt dann doch für Empörung.

Denn das ist eine neue Stufe der perfiden Hetze gegen Schwule und Lesben.