Laut Umfragen wünscht sich die überwiegende Mehrzahl der Menschen in Deutschland Treue in einer Beziehung. Trotzdem halten sich manche nicht daran. Danach stellt sich die Frage: Erzähle ich es meinem Partner oder lasse ich es lieber? Eine Suche nach der Antwort.

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Weggegangen, betrunken gewesen, fremd geknutscht, Sex gehabt. Es hat nichts bedeutet, war ein One-Night-Stand, wir sehen einander nie wieder. Ist doch besser, wenn ich das meinem Partner gar nicht erst sage, es würde ihn/sie nur verletzen und gar nichts bringen. Auch wenn wir einander eigentlich versprochen haben, immer ehrlich zu sein.

Solche oder ähnliche Gedanken machen sich, wenn man Umfragen glaubt, regelmäßig recht viele Menschen. Denn offenbar ist fast jeder Zweite in einer Beziehung schon mal fremdgegangen. Oft handelt es sich tatsächlich nur um ein einmaliges Ereignis, manchmal wird aus einem One-Night-Stand aber auch eine Affäre oder sogar eine Zweitbeziehung.

Werden Experten dazu befragt, wie ehrlich Menschen, die fremdgegangen sind, damit sein sollten, fällt die Antwort unbefriedigend aus.

Vor allem, wenn es um die einmaligen Fehltritte geht, lautet sie meist: je nachdem. Je nachdem, wie gut man mit seinem eigenen schlechten Gewissen umgehen kann. Je nachdem, für wie gefestigt und gut man die eigene Beziehung hält. Und je nachdem für wie offen und gefestigt man seinen Partner hält.

"Ein schlechtes Gewissen bedeutet auch Loyalität"

Erzählen - ja oder nein? Um diese Frage zu beantworten, müsse sich die Person, die fremdgegangen ist, vor allem zwei Fragen beantworten, sagt der Berliner Paartherapeut Christoph Uhl.

Erstens: Ist die Beziehung stabil und hat man schon einiges gemeinsam durchgemacht? Hält sie also ein solches Geständnis aus? Zweitens: War der Seitensprung ein einmaliger Ausrutscher?

Je nachdem wie die Antwort auf diese Fragen ausfällt, sollte man davon erzählen oder eben schweigen. Prinzipiell hält Uhl Erzählen aber für die bessere Variante.

"Selbst wenn die Beichte zunächst nur der Beruhigung des schlechten Gewissens dient, auf den ersten Blick also egoistisch wirkt, hat das auch etwas Gutes: Der Betrüger fühlt sich seinem Partner gegenüber schuldig, ist ihm oder ihr also loyal verbunden", so Uhl im Gespräch mit unserer Redaktion. Das sei ein Zeichen von Nähe.

Christoph Uhl findet es also nicht verwerflich, dass so ein Geständnis auch den Effekt hat, das eigene Gewissen zu erleichtern. Einige andere Experten finden es hingegen egoistisch, den Partner zu kränken und zu verletzen, nur weil man es selbst nicht mehr aushält, das Geheimnis mit sich herumzutragen.

"Wenn Sie wissen, dass Sie in einer völligen Ausnahmesituation stehend Sex hatten, das nie wieder tun möchten und zudem Ihr Seitensprung-Partner das genauso sieht, dann müssen Sie Ihr Handeln mit sich selbst ausmachen", sagt etwa der Psychologe Lorenz Wohanka.

Viele wünschten sich aber Absolution. "Dann wird der Betrogene mit dem emotionalen Müll des Betrügenden überschüttet und muss selbst noch seine eigenen Gefühle von Trauer und Wut aushalten." Das sei rücksichtslos, so Wohanka.

Auch die Kölner Psychotherapeutin Andrea Schaal findet: "Wenn ein One-Night-Stand oder eine Affäre keine Bedeutung für die Beziehung haben, sollte man genießen und schweigen." Nur zu beichten, um das eigene schlechte Gewissen zu entlasten, sei schäbig, sagt sie.

Keine Ausreden, keine Vorwürfe

Was ist aber, wenn aus einem One-Night-Stand mehr wird, man einander regelmäßig trifft, sich verliebt? Dann sollte man, da sind sich die Fachleute einig, unbedingt mit dem Partner sprechen.

Nicht nur, weil mit der Zeit die Gefahr steigt, dass die Affäre entdeckt wird, sondern weil eine Affäre oder Zweitbeziehung die Ursprungsbeziehung aushöhlt, diese an Bedeutung verliert und man dem Partner die Chance geben sollte, sich zu überlegen, ob es überhaupt noch sinnvoll ist, zusammenzubleiben.

Ob nun Affäre oder One-Night-Stand: So ein Gespräch anzugehen ist schwierig, aber nicht unmöglich. Experten raten wie bei anderen Konfliktgesprächen auch hier dazu, bei sich zu bleiben und sich mit Ausreden oder Vorwürfen zurückzuhalten.

"Das Wichtigste ist, sich klar vor Augen zu führen und zu vermitteln: Der One-Night-Stand war ein Fehler, den man bereinigen will. Punkt. Alles was darüber hinaus geht, kann nach hinten losgehen", sagt Christoph Uhl.

Vor allem fadenscheinige Begründungen wie "Es war der Alkohol" und Vorwürfe wie "Wir hatten ja schon Ewigkeiten keinen Sex mehr" seien Gift, um die Beziehung wieder ins Lot zu bekommen, so der Paartherapeut.

"Wenig hilfreich ist außerdem, zu viel Verständnis vom Betrogenen zu erwarten. Für ihn ist die Situation ein Schock, ein traumatisches Erlebnis, selbst wenn er den Seitensprung geahnt haben sollte." Deswegen brauche es auch seine Zeit, bis wieder ein gewisses Maß an Vertrauen hergestellt ist. "In den meisten Fällen vergehen ein bis zwei Jahre", sagt Uhl.

Ungelöste Probleme in der neuen Beziehung

Manche Beziehung wird einen Seitensprung oder auch eine längere Affäre verkraften. Oft wird aber genau das passieren, wovor derjenige, der fremdgegangen ist, Angst hatte: der Partner trennt sich nach dem Geständnis.

Diese Angst sollte aber nicht der Grund sein, nichts zu sagen. Wenn er oder sie nicht ein "absolut egozentrisches Weltbild verfolgt", wie es Lorenz Wohanka ausdrückt, sollte dieses Risiko eingegangen werden.

Dass nach einer Trennung die Affäre die neue feste Beziehung wird, ist übrigens gar nicht so wahrscheinlich. Das hat zumindest Andrea Schaal festgestellt. "Um es ganz klar zu sagen: Viele Affären münden nicht in eine Beziehung", sagt sie.

Die dritte Person müsse sich außerdem darüber im Klaren sein, dass der Partner ein ungelöstes Problem mit in die Beziehung bringe.

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