Dressur ist für sie nur eine Pflichtübung und erst bei einem 1,50 Meter hohen Oxer werden sie wach: Vorurteile über Springreiter gibt es viele. Und mindestens genauso viele unterschiedliche Typen gibt auch unter ihnen. pferde.de hat sich mal im Parcours umgesehen.

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Springreiter sind alle gleich – davon ist so mancher Dressur-Reiter überzeugt. Auf Turnieren stehen sie lässig am Bierwagen, während ihr gesatteltes Pferd im Anhänger auf sie und die nächste Prüfung wartet. Und wenn die Sonne scheint und die Dressurreiter unter ihrem Jackett zerlaufen, galoppieren Springreiter lässig im kurzen Hemd vorbei.

Doch ganz so einfach ist es nicht. Im Gegenteil: Auch unter Springreitern gibt es die Streber, die Ängstlichen und die Korrekten. Deshalb kommt hier eine kleine Springreiter-Typologie – natürlich mit einem Augenzwinkern.

1. Der Unermüdliche

Diesen Typ findest Du, na klar: auf dem Springplatz. Zum Aufwärmen gibt es ein paar Cavaletti-Reihen, dann kommen die Steilsprünge und zum Schluss noch einmal der gesamte Parcours. Dressur? Muss nicht sein. Diesem Typ reicht es, dass er die Wirkung der äußeren Hilfen kennt – und natürlich den fliegenden Galoppwechsel im Schlaf beherrscht.

Manchmal zieht es auch diesen Typen ins Gelände. Doch wenn Du an einen gemütlichen Ausritt denkst, wirst Du verwundert feststellen, wie viele Springmöglichkeiten es auf Eurem Weg gibt. Denn natürlich wird jedes kleine Stöckchen mitgenommen und selbst eine Pfütze eignet sich als Wasserhindernis.

Im Winter muss dieser Typ in die Halle und darf nicht jeden Tag Hindernisse aufbauen? Kein Problem: Dann wird eben das kleine Verkehrshütchen genommen, das eigentlich die Hallenhälften trennen soll. Kleiner Tipp: Diesen Typ erkennst Du meistens schon beim Einritt in die Halle. Dann ruft er nämlich laut "Sprung frei!"

Der Unermüdliche trainiert immer fleißig.
Der Unermüdliche trainiert immer fleißig.

2. Der Waghalsige

Höher, schneller, weiter – das ist das Reit-Mantra für diesen Springreiter. Auf dem Turnierplatz beweist er, dass selbst die unmöglichsten Wendungen machbar sind, solange die Strecke dadurch auch nur zehn Zentimeter kürzer wird. Und da dieser Typ weiß, dass auch die Zeit zählt, ist er immer mit Voll-Speed unterwegs. Andere verkürzen ihr Pferd vor dem nächsten Hindernis? Völlig überflüssig, findet dieser Typ. Die Stangen fallen dabei reihenweise? Egal! Ihn kann nur eins stoppen: ein Sturz vom Pferd. Ansonsten gilt: Solange er im Sattel sitzt, wird weitergeritten. Hauptsache, er ist der Schnellste im Parcours.

Diesen Typ erkennst Du übrigens meist schon, wenn er den Parcours abgeht. Während alle mit den üblichen Ein-Meter-Schritten die Abstände zwischen den Hindernissen messen, macht er Riesenschritte. Denn er weiß: Bei einer Kombi, die auf sechs Galoppsprünge gestellt ist, reichen auch vier Sprünge.

3. Der Mut-Lerner

Springen hat auch etwas mit Mut zu tun – das hat dieser Typ gehört. Und da er gerade daran arbeitet, sich seinen Ängsten zu stellen, hat er sich zur Springstunde angemeldet. Zugegeben: Er hyperventiliert bereits, wenn er seinem Pferd den Springsattel auf den Rücken legt. Beim Blick auf die Cavalettis bekommt er dann Schnappatmung. Während seine Mit-Springer bereits ihre Pferde für die Stunde aufwärmen, überlegt dieser Typ, ob die Sache mit dem Mut nicht völlig überbewertet wird.

Hinter vorgehaltener Hand mögen Zuschauer jetzt bereits darauf wetten, dass dieser Typ nicht einmal das erste Cavaletti schaffen wird. Doch Vorsicht: Damit wird er meist unterschätzt. Zwar wird jeder kleine Steilsprung zum emotionalen Drama für ihn, aber am Ende kommen er und sein Pferd sicher auf der anderen Seite an. Und das Strahlen, dass dieser Typ dann im Gesicht hat, würde selbst die düsterste Reithalle in eine Festhalle verwandeln. Natürlich ist er nächste Woche wieder dabei. Mut bekommt man schließlich nicht an einem Tag.

Der Mut-Lerner überwindet all seine Ängste.
Der Mut-Lerner überwindet all seine Ängste.

4. Der Vergessliche

Rechts rum, wieder rechts, nochmal rechts, dann links und wieder rechts rum: So ein Parcours kann ganz schön schwierig sein. Findet zumindest dieser Typ unter den Springreitern. Und auch, wenn er zehn Starter bereits im Parcours gesehen hat: Spätestens nach dem zweiten Sprung ist er unsicher, ob es jetzt rechts oder links weitergeht. Im Falle eines Falles lässt er sein Pferd entscheiden – die Chancen bleiben schließlich auch dann bei 50 zu 50.

Natürlich kennt der Vergessliche seine Schwächen. Und versucht, sie zu umgehen. Statt sich rechts und links zu merken, prägt er sich die Hindernisfarben ein (Rot vor Blau). Und wenn das auch nicht hilft, funktioniert beim Turnier vielleicht der persönliche Trick: Erst Pommes essen, dann die Richter grüßen, gucken welche VIPs da sind und schließlich noch schnell Leckerlis shoppen. Heißt: Erstes Hindernis steht vor der Pommes-Bude, das Nächste am Richter-Turm, Nummer 3 bei den VIP-Plätzen und die Kombination neben dem Wagen mit den Pferde-Leckerlis.

5. Der Korrekte

Beim Springen ist die Länge eines Galopp-Sprungs im Schnitt 3,50 Meter – und das weiß dieser Typ ganz genau. Vor einer Prüfung geht er entsprechend genau den Parcours ab. Und zwar so lange, dass er am Ende nicht nur die Distanzen, sondern auch jeden Grashalm zwischen den Sprüngen kennt. Zwei Sprünge stehen nicht in der korrekten Distanz? Dann wird erst einmal mit den Parcoursbauern diskutiert, ob dieser Schwierigkeitsgrad wirklich zur Prüfung passt.

Natürlich beobachtet dieser Typ die Starter vor ihm genau. Bevor er selbst in den Parcours reitet, malt er die Reihenfolge der Hindernisse noch einmal mit dem Finger in die Luft. Die richtige Vorbereitung ist eben alles.

Am Ende hat eine Distanz doch nicht gepasst? Dann ist das nicht seine Schuld. Irgendjemand hat ganz schnell den Sprung verstellt. Ehrlich…

Der Korrekte kennt alle Regeln.
Der Korrekte kennt alle Regeln.

6. Der Hubschrauber-Pilot

Die Sache mit dem idealen Absprung und der perfekten Flugphase ist für diesen Typ überflüssige Theorie. Denn er weiß: Mit seinem Pferd muss er immer direkt an den Sprung heranreiten. Und natürlich auf den letzten beiden Galoppsprüngen noch einmal richtig Gas geben.

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Das Gute: Dieser Springreiter-Typ hat meist auch das passende Pferd, das in seinem ersten Leben vermutlich ein Hubschrauber war. Auch wenn dieses Paar keine Spring-Schönheitspreise gewinnt – es kommt größtenteils sicher über die Hindernisse. Okay, für eine Schleife mag es am Ende nicht reichen, aber dafür hatten sie den spektakulärsten Ritt. Und das ist doch auch ein Sieg, oder?  © Pferde.de