Beim Vorstellungsgespräch möchte sich jeder von seiner besten Seite zeigen. Doch manch ein Personaler provoziert gerne und überrumpelt Bewerber mit kniffligen Fragen. Warum sie das tun und wie man dabei gelassen bleibt, erklärt ein Karriereberater.

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Erhält man eine Einladung zum Vorstellungsgespräch, ist die erste Hürde der Job-Suche geschafft. Jetzt geht es darum, auch im persönlichen Austausch zu punkten.

"Heutzutage geht es in Vorstellungsgesprächen auch darum, wie Bewerber oder Bewerberinnen ticken, welche Fähigkeiten sie haben, wie die Arbeitsweisen sind und welche Werte sie schätzen", sagt Walter Feichtner, Kulturwirt und Inhaber von Karrierecoach München.

Einige Unternehmen versuchen deshalb, über unangenehme oder kuriose Fragen Verhaltensmuster und Fähigkeiten ausfindig zu machen. Als Job-Anwärter fühlt man sich dabei leicht vor den Kopf gestoßen – dabei reagiert man laut Feichtner am besten so: auch bei skurrilen Fragen nicht einknicken, sondern sich darauf einlassen und zeigen, dass man auch in schwierigen Situationen ruhig bleibt und lösungsorientiert denkt.

"Wir sollten immer ein gleichberechtigter Gesprächspartner sein und uns auch trauen, etwas zu sagen, auch selbst Fragen zu stellen. Wer zu passiv ist, wird einen schlechten Eindruck hinterlassen. Beide Seiten wollen schließlich herausfinden, ob sie zusammenpassen", erklärt der Experte im Gespräch mit unserer Redaktion.

Geschicktes Verhalten im Bewerbungsgespräch

Wer sich durch fiese Fragen angegriffen oder überrumpelt fühlt, sollte nicht patzig werden. Denn bei jedem Kennenlernen spielt auch die Sympathie eine große Rolle. "Generell sind skurrile Fragen ein Spiel. Der andere wirft mich in unerwartete Situationen oder erzeugt Stress und möchte damit mein Verhalten testen. Da sollte man mitspielen“, sagt der Karriereberater.

Beliebt in Vorstellungsgesprächen oder bei Assessment-Centern großer Unternehmen sind sogenannte "brainteaser"-Übungen, zum Beispiel:

Wie viele Golfbälle passen in einen Kombi? Wie groß ist der Windelmarkt in Deutschland?

Dabei handelt es sich um Schätzfragen, um Mathematik-Aufgaben oder Fragen, bei denen man die genaue Antwort gar nicht im Kopf haben kann.

Hier geht es nicht um die korrekte Antwort, sondern dass Bewerber und Bewerberinnen beweisen, dass sie in der Lage sind, durch kluge Gedankengänge eine realistische Lösung zu finden.

Vorstellungsgespräch: Zu Lücken im Lebenslauf stehen

Wer auf Lücken im Lebenslauf oder eine zu lange dauernde Ausbildung angesprochen wird, sollte nicht versuchen, sich rauszureden.

"Überzeugend wirkt immer derjenige, der zu sich und seinen Erfahrungen steht", bestätigt der Karriereberater. Wer beispielsweise wegen einer Erkrankung längere Pausen eingelegt hat, muss darüber nicht offen sprechen, könnte aber die Zeit als Orientierungsphase abtun.

Bei unzulässigen Fragen ist Lügen erlaubt

Wem unzulässige Fragen – zum Beispiel zu einer geplanten Schwangerschaft, religiöser Ausrichtung, dem Gesundheitszustand oder den Vermögensverhältnissen – gestellt werden, der muss diese nicht wahrheitsgemäß beantworten. Nur in Ausnahmefällen sind diese Informationen wirklich für die Einstellung relevant.

Hier wiegelt man am besten ab oder bedient sich einer Notlüge. Was man nicht tun sollte: den Personaler oder möglichen künftigen Chef darauf aufmerksam machen, dass er diese Fragen nicht stellen darf – denn das kostet Sympathiepunkte.

"Wenn der andere sehr unangenehm ist und immer wieder unzulässige Fragen stellt, dann sollte man überlegen, ob das der richtige Arbeitgeber für einen ist", sagt Feichtner.

Wenn es im Vorstellungsgespräch um den Verdienst geht

"Wie wichtig ist Ihnen Geld?" oder "Was verdienen Sie momentan?" – auch von diesen Fragen fühlen sich Bewerber und Bewerberinnen oft ertappt. Mogeln ist auch hier erlaubt, denn genaue Beträge gehen das Gegenüber nichts an.

"Hier reagiert man am besten mit einem Mix aus Authentizität und Raffinesse", rät der Experte. Beispielsweise kann man das Gespräch auf das Zielgehalt lenken und den Arbeitgeber danach fragen, ob für die Stelle eine bestimmte Gehaltsgruppe vorgesehen ist. Auf Job-Portalen oder bei Kollegen in ähnlicher Position kann man sich vorab über branchenübliche Gehälter informieren.

Persönlichkeit erkennen lassen

"Wären Sie lieber Förster oder Lehrer?" Diese Frage kann einen stutzig machen, wenn man sich doch auf eine ganz andere Stelle beworben hat. Oder: "Wenn Sie Zugfahren – unterhalten Sie sich dann mit den anderen Reisenden?" Auch das erscheint auf den ersten Blick weit hergeholt, zielt aber darauf ab, mehr über soziale Kompetenzen des Bewerbers zu erfahren.

"Hier gibt es keine richtige oder falsche Antwort, da werden Soft Skills abgefragt. Derjenige, der mit den anderen im Zug sprechen würde, würde als offener eingestuft werden, also mit einem besseren Sozialverhalten als derjenige, der nur aus dem Fenster sieht", erklärt Feichtner.

Von Unterstellungen nicht provozieren lassen

Auch vermeintlich gemeine Äußerungen, wie "Ich habe das Gefühl, Sie können dies und das gar nicht so gut" sind in der Regel nicht wörtlich zu nehmen. Ebenso, wenn es am Ende eines guten Gesprächs plötzlich heißt: "Wir denken, dass jemand anders für die Stelle besser geeignet ist."

Der Personaler oder Chef setzt einen damit bewusst unter Druck und testet die Schlagfertigkeit. "Solche Unterstellungen sind oft nicht ernst gemeint, sondern eher eine Einladung, dem Chef jetzt nochmal seine Stärken unter die Nase zu reiben, ihn von den eigenen Fähigkeiten zu überzeugen", erklärt der Experte.

Bei Fallbeispielen souverän bleiben

Auch Rollenspiele, sogenannten "cases", werden in Vorstellungsgesprächen oft durchgeführt. Der Gesprächspartner versucht, den Bewerber mit unangenehmen Situationen oder möglichen Problemen zu konfrontieren und stellt sein Verhalten auf die Probe.

Beispiel-Fälle: "Ein Kollege redet immer schlecht über Sie, wie wehren Sie sich dagegen?" Oder: "Ich bin ein autoritärer Chef, wie gehen Sie damit um?"

Feichtner rät dazu, ruhig zu bleiben, sich auf die Übung einzulassen und vor allem lösungsorientiert zu denken. Das beeindruckt.

Verwendete Quelle:

  • Interview mit Walter Feichtner, Kulturwirt und Inhaber von Karrierecoach München

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