(lug/ncs) - Laut einer Studie des Marktforschungsinstituts "Gallup" haben 7,8 Millionen Arbeitnehmer keine Lust auf ihren Job. Was sind die Ursachen für fehlende emotionale Bindung zum Arbeitsplatz?

Zu viel Stress

Die Folgen von Stress, Zeitdruck und der Angst um den Arbeitsplatz machen immer mehr Menschen physisch und psychisch krank. Im Extremfall können sie sogar bis zum Selbstmord führen. Der Leistungsdruck kann selbst auferlegt, oder vom Arbeitsumfeld induziert sein. Wer merkt, dass seine Akkus leer sind, sollte unbedingt dringend einen Arzt aufsuchen.

Im Idealfall lässt man es aber erst gar nicht so weit kommen und zieht die Bremse, sobald man merkt, dass die Arbeit einen überfordert. Ernstzunehmende Warnsignale können vom Gefühl permanenter Anspannung, übermäßiger Getriebenheit und Nervosität bis hin zu Antriebslosigkeit reichen. Auch Hinweise von Freunden und der Familie sollte man nicht unbeachtet lassen, denn häufig will man sich die Überforderung nicht selbst eingestehen.

Langeweile

Burnout ist als Krankheit infolge von zu viel Stress wohlbekannt, doch auch chronische Unterforderung kann Schaden anrichten: Das Boreout-Syndrom ist quasi das Gegenstück zum Burnout. Der Begriff kommt vom englischen "bordedom", zu Deutsch "Langeweile". Allerdings sind die Symptome fast die gleichen wie beim überforderten Zwilling, der in der öffentlichen Wahrnehmung wesentlich mehr Beachtung erfährt.

Psychotherapeut Wolfgang Merkle liefert hierfür eine Erklärung: "Es ist einfacher, zu sagen 'Ich bin überfordert' als 'Ich habe nichts zu tun'." Wenn man merkt, dass einen die Arbeit anödet, kann es hilfreich sein, sich zu überlegen, wie man seine Aufgaben sinnvoller und besser gestalten könnte. Das Ziel sollte sein, anspruchsvolle, interessante und angemessene Aufgaben zu schaffen. Dabei schadet es auch keineswegs, selbst aktiv zu werden und mehr Verantwortung im Job zu fordern.

Mangelnde Wertschätzung

Wenn man im Beruf alles gibt und die eigene Leistung nicht gewürdigt wird, kann das schnell frustrieren. Ob die Erwartungen des Chefs zu hoch gesteckt sind oder ihm einfach die nötige Sozialkompetenz fehlt, zu erkennen, wann ein Lob angebracht ist, spielt dabei keine Rolle. Vorenthaltene Anerkennung zermürbt den Arbeitnehmer stärker als die für die Leistung aufgebrachte Energie.

Sprechen Sie Ihren Chef also ruhig auf Ihre Leistungen und Ihre damit verbundenen Erwartungen an. Zum Beispiel indem Sie, wenn sie ihre Ergebnisse präsentieren, fragen: "Sind Sie hiermit zufrieden?" Das ist weder aufdringlich, noch anmaßend, "zwingt" den Chef aber dazu, Ihnen die verdiente Anerkennung zukommen zu lassen.

Fehlende Entschlussfreudigkeit

Häufig scheuen Vorgesetzte spontane und klare Ja- oder Nein-Entscheidungen. Alles muss dreifach abgesegnet werden oder die bürokratische Mühle erschwert die Umsetzung sinnvoller Verbesserungen. Das schafft Frust, soll aber nicht heißen, dass Sie mit innovativen Vorschlägen hinter dem Berg halten müssen.

Allerdings sollten Sie Ihren Chef nicht permanent mit neuen Ideen bombardieren. Sammeln Sie diese lieber und legen Sie sie dem Chef gebündelt bei einem gemeinsamen Meeting vor. Wichtig: Fordern Sie nicht nur Aufmerksamkeit ein, sondern bieten Sie auch direkt konkrete Umsetzungsvorschläge an.

Unklare Rollenverteilung

"Das ist doch nicht meine Aufgabe!" - diesen Satz kennt jeder, der bereits mit der Arbeitswelt in Berührung gekommen ist. Er nervt gewaltig und kann gehörigen Unmut ins Team bringen. Und daran ist nicht immer derjenige schuld, der ihn ausspricht. Denn wenn man mit Zusatzaufgaben belastet wird, die eigentlich völlig außerhalb des eigenen Kompetenzbereichs liegen, ist Frust vorprogrammiert.

Auf der anderen Seite ist es ebenso nervig, wenn man niemanden findet, an den sich eine Aufgabe delegieren lässt, weil niemand dafür zuständig zu sein scheint. Hier hilft nur die Erarbeitung klarer Strukturen innerhalb des Teams. Sollte es daran fehlen, kann das getrost offen zur Sprache gebracht werden. Denn nur wenn die Aufgaben klar verteilt sind und das Team gut zusammenarbeitet, lässt sich ein frustfreier Arbeitsalltag gewährleisten.

Falsche Prioritäten

Gerade hat man eine gute Idee für ein wichtiges Projekt und steht kurz vor der Umsetzung, da kommt auch schon der Chef mit einem ganz dringenden Auftrag ins Büro gestürmt, der postwendend erledigt werden muss. "Na gut", denkt man sich und macht sich ans Werk. Doch kaum ist man richtig in die Materie vertieft, geht das Unterbrechungs-Spiel von vorne los.

Nicht selten stellt sich am Ende heraus, dass die dringenden Angelegenheiten auch bis zum nächsten Tag hätten warten können. Das Ergebnis: Frust! Weisen Sie Ihren Chef also ruhig auf Ihre aktuelle Beschäftigungssituation hin und fragen Sie lieber noch einmal nach, in welcher Reihenfolge Sie die Tätigkeiten erledigen sollen. Das erspart Verwirrung und unnötigen Druck.

Klimakatastrophe

Das Betriebsklima spielt für die Motivation der Beschäftigten eine extrem wichtige Rolle. Wer mit seinen Kollegen persönlich nicht zurechtkommt verliert schnell die Lust, morgens aufzustehen und zur Arbeit zu gehen. Die extremste und zugleich schlimmste Form des schlechten Betriebsklimas stellt das Mobbing dar.

Psychoterror am Arbeitsplatz hat oft das Ziel, die betroffene Person aus dem Betrieb zu ekeln, doch die Konsequenzen sind weitreichender. Mobbing-Opfer leiden unter gravierenden gesundheitlichen Schäden und verfallen nicht selten in Depressionen. Allerdings kann es auch zu unbewusstem Mobbing kommen, etwa wenn ein Kollege nie zu außerbetrieblichen Aktivitäten eingeladen und von den anderen als Sonderling ausgemacht wird.

Als außerordentlich wichtig gilt, frühstmöglich ein klares "Stop!" zu signalisieren, um nicht wehrlos zu wirken. Betroffene, die es nicht fertig bringen selbst einzuschreiten, können sich Hilfe innerhalb des Betriebes suchen, etwa bei Vorgesetzten, vertrauenswürdigen Kollegen oder dem Betriebsrat.

Es besteht auch die Möglichkeit, externe Beratungsstellen aufzusuchen. Nichtsdestotrotz sehen laut einer Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 22,5 % der Mobbing-Opfer jedoch nur die Kündigung als einzigen Ausweg.