Erste Grenzen sind geöffnet, der Flugbetrieb nimmt zu und Hotels empfangen wieder Gäste. Viele Urlauber möchten trotzdem im eigenen Land bleiben und Abstand und Ruhe in der Natur genießen. Wohnmobile sind daher auch bei Camping-Neulingen stark gefragt. Ein Erfahrungsbericht der Autorin von der Ostseeküste.

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Auf dem Campingplatz "Ostseeblick" in Trassenheide auf Usedom stehen Wohnwagen, Reisemobile und Zelte im lichten Kiefernwald direkt am Meer. Bis zum breiten Sandstrand sind es nur wenige Meter, auch der Ostseeradweg führt hier vorbei.

Wenn am frühen Morgen die Kaffeebecher der Nachbarn klappern, ist es Zeit zum Aufstehen. Also schnell frisch machen, raus aus dem Wohnmobil und mit dem Fahrrad warme Brötchen in der kleinen Bäckerei am Eingang des Campingplatzes holen. Inzwischen ist der Frühstückstisch unter den hohen Kiefern gedeckt und wärmende Sonnenstrahlen versprechen einen sommerlichen Tag.

Es sind bereits viele Urlauber angereist - und doch hat hier jeder ausreichend Platz für sich. Ein Punkt, der nicht ganz unwichtig ist in Zeiten der Corona-Pandemie. Camping statt Pauschal-Urlaub - eine Alternative, die auch für Neulinge attraktiv ist.

Unter hohen Kiefern - und mit viel Abstand zu den Nachbarn - verbringt man hier seinen Caravan-Urlaub.

Mit den eigenen vier Wänden sicher unterwegs

Wer mit einem Wohnmobil unterwegs ist, kann auf einem Campingplatz die geltenden Abstandsregeln gut einhalten. "In der aktuellen Situation ist Caravaning besonders sicher, da man individuell und meist nur mit Personen des eigenen Haushaltes verreist", betont Daniel Onggowinarso, Geschäftsführer des Caravaning Industrie Verband e.V. (CIVD) gegenüber unserer Redaktion. "Zudem ist man durch eigene Wohn-, Schlaf-, Koch und Sanitärmöglichkeiten weitestgehend autark."

Wer hingegen die Sanitärgebäude nutzen möchte, muss sich an die üblichen Abstands- und Hygieneregeln halten und einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Dazu gelten von Platz zu Platz unterschiedliche Zutrittsbeschränkungen.

Camping auch bei jungen Menschen beliebt

Caravaning ist so populär wie selten zuvor. Die Neuzulassungen von Freizeitfahrzeugen stiegen im Mai um fast 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf mehr als 14.000 Fahrzeuge. Mit mehr als 10.000 Neuzulassungen erlebten Reisemobile sogar den besten Monat ihrer Geschichte und ein Plus von 30 Prozent.

Der Grund liegt auf der Hand. "Urlaub mit Reisemobil oder Caravan steht für selbstbestimmtes und individuelles Reisen sowie Nähe zur Natur und trifft damit den Nerv der Zeit", bringt es Onggowinarso auf den Punkt. Caravaning gilt heute als cool und begeistert zunehmend auch jüngere Urlauber.

Caravaning: Das sollten Einsteiger beachten

Warum also nicht die Coronakrise dazu nutzen, um eine neue Reiseform im eigenen Land auszuprobieren? Einsteiger leihen sich am besten für die erste Tour ein Wohnmobil aus.

Dieser Urlaub wird anders als im Hotel - das beginnt schon beim Packen. Neben einer Reisetasche mit Kleidung für jedes Wetter gehören auch Bettzeug, Hand- und Geschirrtücher, eine kleine Küchenausstattung samt Töpfen und Besteck sowie eine Ration Lebensmittel ins Gepäck.

Erste Erfahrungen sammeln

Mit dem beladenen Wohnmobil geht es dann auf große Fahrt. Die oftmals um die sieben Meter langen Reisemobile lassen sich gut fahren, moderne Modelle sorgen mit Tempomat und Rückfahrkamera für Komfort und Sicherheit. Auf dem Campingplatz ist es jedoch hilfreich, wenn der Beifahrer aussteigt und einwinkt.

Wer mehrere Tage auf einem Platz stehen möchte, sollte vorher die Anzeigen für die Wassertanks prüfen. Es ist sinnvoll, bereits bei Ankunft die Frischwasserreserven aufzufüllen und das Abwasser zu entsorgen. Dafür gibt es feste Stationen auf Stell- und Campingplätzen. Und mit einem vollen WC-Tank läuft oder radelt man dann – wie alle anderen auch – regelmäßig zur Entsorgungsstation.

An die Raumaufteilung im Wohnmobil gewöhnt man sich schnell, außerdem verbringen echte Camper so viel Zeit wie möglich im Freien. Gegessen wird draußen – wenn es nicht gerade regnet. Ansonsten bieten moderne Fahrzeuge gemütliche Sitzgruppen und eine Heizung für kühle Tage. Im Reisemobil ist man also bei jedem Wetter gut aufgehoben.

Tipp für Einsteiger: Roadtrip entlang der Ostseeküste

Für Wohnmobil-Neulinge bietet sich in Corona-Zeiten eine Tour entlang der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns an. Hier gibt es abseits der großen Ferienzentren zahlreiche Stellplätze an breiten Sandstränden, die nur wenig besucht sind.

Wenig besuchte Strände findet man an der Ostseeküste häufig.

In einer Woche beispielsweise lassen sich die Regionen Rügen, Usedom und Fischland-Darß-Zingst bequem erkunden. Hier einige Stellplatz-Tipps:

Relativ wenig los ist im Südosten Rügens in der Region Mönchgut. Spaziergänge führen zur sehenswerten Steilküste am Lobber Ort, mit dem Rad geht es in das historische Dorf Middelhagen oder ganz in den Süden ins Surferparadies Thiessow.

Überall an der Ostsee finden sich ruhige Strände wie hier im Süden von Rügen an der Steilküste am Lobber Ort.

Wer die Klassiker nicht auslassen möchte, fährt per Schiff zu den Kreidefelsen und vom Seebad Binz mit der Dampfbahn "Rasender Roland" zurück. Dort ist allerdings wie an jedem touristischen Hotspot mit mehr Besuchern zu rechnen.

Auf Usedom sind die breiten Sandstrände zwischen Trassenheide und Zinnowitz leerer als in Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin. Diese Kaiserbäder sind aber über den überraschend hügeligen Ostseeradweg gut per E-Bike zu erreichen. In der anderen Richtung liegt Peenemünde. Hier wurde einst Raketenforschung betrieben, heute locken interessante Museen in einem U-Boot und im ehemaligen Kraftwerk.

Zum Relaxen geht es dann weiter ins ruhige Fischland-Darß-Zingst. Hier spaziert man entlang der weißen Strände, hält nach Bernstein Ausschau und kehrt in guten Fischrestaurants ein. Wer noch mehr Einsamkeit sucht, wandert früh morgens zum Weststrand an der Landzunge Darßer Ort, beobachtet die Vogelwelt und genießt am Abend die Aussicht aus dem Reisemobil.

Verwendete Quellen:

Die deutsche Corona-Warn-App steht zum Download bereit

Seit den frühen Morgenstunden des 16. Juni 2020 steht die deutsche Corona-Warn-App interessierten Menschen zum Download auf das Smartphone zur Verfügung. Ihre Verwendung erfolgt auf freiwilliger Basis und dient der Nachverfolgung möglicher Infektionsketten.