Monatelange Dürre, zerstörte Ernten, mangelernährte Kinder in Somalia: Die Lage ist bereits dramatisch. Nun droht auch noch ein Wetterphänomen mit schweren Folgen.

Seit Monaten herrscht am Horn von Afrika Dürre. Doch in den kommenden Wochen werden mit dem Wetterphänomen El Niño schwere Fluten erwartet. In Somalia, wo durch die Trockenheit nur etwa ein Fünftel der üblichen Ernte eingebracht wurde und die Zahl stark unterernährter Kinder bedrohliche Ausmaße annimmt, rechnen Hilfsorganisationen mit dramatischen Auswirkungen.

Beim schlimmsten Szenario wären 2,5 Millionen direkt von schweren Überschwemmungen betroffen, schätzt UNICEF. Folgen wären etwa Vertreibung und ein kein oder kaum Zugang zu Nahrung, einer stabilen Gesundheitsversorgung, sauberem Wasser und Bildung. Vor allem Kinder wären betroffen.

Im März dieses Jahres berichtete UNICEF, dass rund zwei Millionen Kinder in Somalia von akuter Mangelernährung bedroht seien. Vor allem die Wasserknappheit, so heißt es in einer Pressemitteilung des Kinderhilfswerks, sei einer der entscheidendsten Treiber der Krise im Land.

Katastrophen in Somalia mit schwerwiegenden Auswirkungen

Schon seit Monaten hält die Flucht in die Städte an, weil Familien sich in ihren Dörfern nicht mehr versorgen können. Verschärft wird die Lage durch die Mittelkürzungen für humanitäre Hilfe aus den USA, aber auch von europäischen Regierungen. Mehr als 400 Gesundheitseinrichtungen mussten in Somalia aufgrund der ausbleibenden Finanzierung bereits schließen. Darunter waren auch mehr als 125 Zentren, die mangelernährte Kinder behandeln, berichtet UNICEF.

"Diese Mittelkürzungen versperren den Zugang zur Gesundheitsversorgung, sie führen zur Schließung von Ernährungsdiensten, sie rücken all die lebenswichtigen Dinge, die Kinder brauchen – Wasser, Bildung, Schutz – immer weiter in die Ferne", sagt James Elder, Sprecher von UNICEF, der Deutschen Presse-Agentur. "Und wie immer sind es die Kinder, die den Preis dafür zahlen."

Nach Angaben von UNICEF stehen weniger als ein Prozent der internationalen humanitären Hilfe für Präventivmaßnahmen zur Verfügung. Diese, so das Kinderhilfswerk in einer Pressemitteilung, seien jedoch entscheidend, um Leben zu retten

Kinder sind besonders durch die Auswirkungen eines starken El Niño betroffen, da sie körperlich schlechter für Wetterextreme und die Folgen gewappnet sind, erklärt UNICEF-Sprecherin Katja Sodomann auf Anfrage unserer Redaktion.

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Ein Drittel der Bevölkerung hat nicht genug Essen

In Australien, Indonesien und im südlichen Afrika kommt es während El-Niño-Phasen oft zu Trockenheit und Dürren, während an der Westküste Südamerikas, in Ostafrika und den südlichen USA oft sehr viel Regen fällt. Meteorologen erwarten in den kommenden Wochen einen sehr starken El Niño, der bis zum kommenden Februar andauern könnte.

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Ähnliche Extremlagen mit Hungerkrise, Dürre und Fluten gab es in Somalia zuletzt vor drei Jahren. Seitdem konnten sich die Menschen dort nicht ausreichend von dem Schaden erholen. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen verweist darauf, dass zudem diesmal 88 Prozent weniger Hilfsgelder der internationalen Gemeinschaft zur Verfügung stehen. Bereits ein Drittel der Bevölkerung von Somalia hat nicht genug zu essen. UNICEF schätzt, dass bis Ende des Jahres mehr als 1,8 Millionen Kinder unter fünf Jahren akut mangelernährt sein könnten. (cm)

Verwendete Quellen