Continental könnte perspektivisch – zumindest in Teilen – seinen Unternehmensbereich Automotive abspalten. Entsprechende Überlegungen bestätigte Konzernchef Nikolai Setzer beim Kapitalmarkttag des DAX-Unternehmens am Montag (4. Dezember 2023). Dabei hat das Conti-Management insbesondere das Geschäft mit Auto-Cockpits und Displays im Auge, das für einen Jahresumsatz von etwa 3,5 Milliarden Euro sorgt. Der Einstieg eines Investors oder eine Überführung in ein Joint-Venture mit einem Partnerunternehmen sei ebenso denkbar wie der Börsengang oder gar der Verkauf dieses Geschäftsbereichs.

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Auf diese Weise wolle der Konzern den Schritt vom reinen Teilelieferanten zum Technologiepartner der Autobranche machen, so Setzer weiter. Für kleinere Geschäftsfelder der Automotive-Sparte, die zusammen etwa 1,4 Milliarden Euro Jahresumsatz repräsentieren, prüfe man dieselben Optionen. Entschieden sei aber noch nichts, einen Zeitplan gebe es ebenfalls noch nicht. Einen Komplettverkauf der Automotive-Sparte ("auch künftig eine starke Säule") schloss Setzer dagegen ebenso kategorisch aus wie einen Rückzug aus dem Geschäft mit dem autonomen Fahren.

Continental löst Smart Mobility auf

Um die für die Umstrukturierungen nötigen Voraussetzungen zu schaffen, strafft Continental seine Organisationsstruktur von sechs auf fünf Geschäftsfelder. So sollen Teile des bisherigen Geschäftsfelds Smart Mobility, das komplett aufgelöst wird, 2024 in die Automotive-Sparte überführt werden, da es hier bereits natürliche Schnittmengen gebe. "Mit der Bündelung unserer Struktur bringen wir Technologielösungen in die Geschäftsfelder ein, wo wir Synergien sehen", sagte Philipp von Hirschheydt, Continental-Vorstandsmitglied und Leiter des Unternehmensbereichs Automotive, bereits Mitte November 2023. So könne Continental besser auf Marktanforderungen eingehen.

Darüber hinaus verpasst Continental der Automotive-Sparte ein umfassendes Sparprogramm. Der Dax-Konzern will ab 2025 jährlich 400 Millionen Euro sparen. Zu diesem Zweck verschlankt er die Geschäfts- sowie Verwaltungsstrukturen und senkt seine Ausgaben für Forschung sowie Entwicklung. Zum Beispiel, indem die Zahl der weltweit 82 Entwicklungsstandorte reduziert und ein größerer Anteil der Entwicklung in Ländern mit niedrigeren Kosten gestemmt wird. Teil der Strategie sind zudem Stellenstreichungen. Wie viele Arbeitsplätze genau wegfallen werden, steht noch nicht fest. Der DAX-Konzern geht von einer mittleren vierstelligen Zahl aus und plant, den Jobabbau möglichst sozialverträglich zu gestalten.

"Wichtig, um Wettbewerbsfähigkeit zu stärken"

"Diese ersten Maßnahmen sind wichtig, um die Wettbewerbsfähigkeit des Automotive-Bereichs zu stärken", sagt von Hirschheydt vor einigen Wochen. Strukturen zu vereinfachen und Funktionen zu reduzieren, sei wesentlich eine erfolgreiche Zukunft des Unternehmens, so der Continental-Vorstand weiter. Das Management sehe sich "alle Funktionen und Prozesse vom Vertrieb über Forschung und Entwicklung bis zur Produktion ergebnisoffen an, um Effizienz und Effektivität signifikant zu verbessern".

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Continental erzielte 2022 einen Umsatz von insgesamt 39,4 Milliarden Euro. Der DAX-Konzern beschäftigt aktuell ungefähr 200.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 57 Ländern und Märkten. Etwa die Hälfte davon ist im Automotive-Bereich beschäftigt, der auch nach einer möglichen Abspaltung des Cockpit- und Display-Geschäftsbereiches noch einen Jahresumsatz von ungefähr 15 Milliarden Euro beisteuern dürfte. Und damit ähnlich groß wäre wie das nach wie vor profitable Reifengeschäft, das perspektivisch sogar durch Zukäufe gestärkt werden könnte.

Hinweis: In der Fotoshow erfahren Sie Näheres zum Continental Driver Identification Display, und im Video informieren wir Sie über die neue Trommelbremsen-Technologie des Automobilzulieferers.  © auto motor und sport

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