Man muss nur ein "smart" davor setzen, und schon wird alles digital. Dieses Prinzip der sprachlichen Digitalisierung hat ein japanisches Unternehmen nun ins Absurde getrieben. Es produziert einen "klugen Holzklotz" ("smart wood"). Der soll helfen, endlich mal ganz smart abzuschalten und sich nicht vom Smartphone dominieren zu lassen.

Prof. Dr. Miriam Meckel
Eine Kolumne
von Prof. Dr. Miriam Meckel , Publizistin, Verlegerin

Damit das gelingt, muss das "kluge Holz" allerdings erst einmal selbst ein technisches Gerät sein. Der Klotz namens "Mui" (japanisch für "Stille", "Muße" oder auch "Nichts") wird einfach an die Wand gehängt. Da leuchtet er dann vor sich hin und kann auf Anfrage sagen, wie das Wetter draußen ist.

Einfach mal den sprechenden Holzklotz fragen

Natürlich könnte man das auch feststellen, wenn man einfach aus dem Fenster schaut. Nur tut man das ja nicht mehr, sondern befragt lieber eine App, und schon hat man das Smartphone wieder in der Hand. Der sprechende Holzklotz entlastet uns davon.

Bei einer PR-Präsentation des Geräts in der Redaktion des "New Yorker" beschrieb der Werbeverantwortliche den Vorteil sehr einleuchtend: "Wenn man auf sein Smartphone schaut, schaut man nach unten. Für Mui schaust du nach oben."

Richtig, denn der Holzklotz hängt ja an der Wand. Und wenn in dem Moment, in dem ich "Mui" anschaue, jemand ins Bild läuft, entsteht womöglich gar menschliche Kommunikation. "Muy bien", wie der Spanier sagen würde.

Man kann über Google Home mit "Mui" sprechen, ihn zum Beispiel fragen, wie der französische Präsident heißt. Natürlich nur, wenn man das nicht weiß (was vielleicht noch größere Sorgen machen sollte als die Abhängigkeit vom Smartphone).

Weil all das geht, hat die Firma "Mui" unter dem Slogan "interaktives Holz" auf Facebook vermarktet. Das war wegen der beschämenden Assoziationen vieler Nutzer*innen nicht so erfolgreich. Jetzt lautet der Slogan "Calm design".

Unser Vorschlag wäre: "Dreistes Design". 999 Dollar kostet das Ding nämlich. Wer sich so etwas kauft, für den ist "Mui" vor allem der eigene Holzkopf, den man sich symbolisch an die Wand nageln kann, um gelegentlich an die eigene Blödheit erinnert zu werden.

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