Jeder kennt es: Man erlebt eine atemberaubende Landschaft oder sieht ein interessantes Gesicht und will den Moment in einem Foto festhalten, aber das Ergebnis ist enttäuschend. Dass die Fotos in Hochglanz-Magazinen viel imposanter sind als die eigenen Urlaubsfotos, ist nicht zwangsläufig der Verwendung von besserem Equipment geschuldet. Der Profi-Fotograf Christian Kasper gibt leicht umzusetzende Tipps, wie Ihnen auch mit einer Laien-Ausrüstung beeindruckende Bilder gelingen.

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Abendlicht ist besonders schön für Portraitaufnahmen. © christiankasper.com

Um richtig gute Bilder zu machen, reicht es bereits, ein paar gestalterische Regeln und ein bisschen Technik zu berücksichtigen. Fotograf Christian Kasper geht hier auf ein paar Basics und typische Aufnahmesituationen ein und zeigt, was man dabei beachten sollte. Wer die Tipps dazu beherzigt, wird schnell zu professionell wirkenden Bildern kommen und sicher Spaß beim Fotografieren haben.

1. Licht und Schatten als Grundlage

Es gibt eine Handvoll typischer Lichtsituationen, die man ständig vorfindet. Weiß man damit umzugehen, hat man schon mehr als die Hälfte zum guten Bild beigetragen.

Zusammengefasst kann man hier sagen: Am schönsten ist das Tageslicht morgens und abends. Es schmeichelt jeder Personenaufnahme und auch Landschaftsfotos werden hier besonders stimmungsvoll.

Lassen Sie ablenkende Elemente im Bild weg. Das Bild gewinnt dadurch deutlich an Aussage. © christiankasper.com

Suchen Sie in der Mittagszeit für Personenaufnahmen am besten den Schatten auf, zu der Zeit wirft die Sonne besonders unschöne Schatten im Gesicht. Sie können hier aber auch den Blitz verwenden, um dieses ungünstige Licht auszugleichen.

Da die Sensoren moderner Kameras immer lichtempfindlicher werden, können Sie – je nach Resthelligkeit – auch im Dämmerlicht oder in Innenräumen ohne Blitzlicht fotografieren. Damit erhalten Sie die Lichtstimmung und das Bild wirkt natürlich.

2. Der Blick auf das Wesentliche

Ein Foto ist meist deshalb gut, weil die Absicht dahinter klar erkennbar ist und der Betrachter sofort erfassen kann, worum es im Bild geht. Machen Sie sich klar, was Sie an einer Szene so interessant finden, dass Sie sie fotografieren wollen. Finden Sie nun heraus, was in Ihrem Bild von der Aussage ablenken könnte und versuchen Sie, diese Elemente in Ihrem Bildaufbau zu eliminieren.
Oft reicht es dann schon, einen Schritt zur Seite oder zum Objekt hin zu machen, um einen anderen Blickwinkel zu bekommen.

Die Kamera möchte immer einen Mittelwert zur Belichtung finden. Bei Motiven mit hohen Kontrasten wie hier kann das zu unbeabsichtigter Helligkeit führen. © christiankasper.com

Auch das Spiel mit Schärfe und Unschärfe, das unten genauer erläutert ist, kann helfen, den Blick aufs Wesentliche zu konzentrieren.

3. Gut fotografieren mit der Programmautomatik

Die Programmautomatik Ihrer Kamera (Symbol "P") wählt alle Parameter für Sie aus, theoretisch müssen Sie einfach nur auf den Auslöser drücken. Sie haben dabei jedoch die Möglichkeit, Zeit und Blende im Verhältnis zu ändern. Das ist z.B. sinnvoll, wenn Sie eine niedrige Blendenzahl wählen möchten, um mehr Unschärfe ins Bild zu bekommen. Ein Vorteil der Programmautomatik ist auch, dass Sie eine Über- und Unterbelichtung einstellen können. Das ist sinnvoll, wenn große Helligkeitsunterschiede im Bild vorhanden sind.

Mit einer Belichtungskorrektur in der Programmautomatik können Sie die Belichtung anpassen. © christiankasper.com


Durch stürzende Linien wirkt es so, als würde das Gebäude nach hinten kippen. © christiankasper.com

Die meisten Kameras bieten auch spezielle Programme an, etwa für Landschaft, Portrait, Makroaufnahmen und Vieles mehr. Diese sind mit Symbolen wie Berg, Gesicht usw. gekennzeichnet. Machen Sie doch mal den Versuch und finden Sie heraus, zu welchem Ergebnis Sie damit kommen.

4. Verwenden Sie das Histogramm

Was zunächst technisch kompliziert aussieht, ist eine ganz einfache Hilfestellung. Das Histogramm zeigt an, ob ein Foto richtig belichtet ist. Man kann es meist über den Button "Display", "Info" oder ähnliches einblenden. Zu sehen ist hier ein Diagramm, dass von ganz dunkel (links) bis ganz hell (rechts) alle Teile des Bildes anzeigt. Die Höhe des Diagramms zeigt an, wie viele Anteile im Bild eine bestimmte Helligkeit aufweisen.

Linke Seite: Das eigentliche Motiv, die junge Frau, ist nur ein Element von vielen in dem Bild und verschwindet daher im Foto. Rechte Seite: Der Fokus liegt jetzt eindeutig auf der Frau, deren Blick nun auch viel intensiver wahrgenommen wird. Es entsteht mehr Nähe zur Person. © christiankasper.com

In der Praxis heißt das, dass bei einem ausgewogenen Bild über den gesamten Bereich des Diagramms hinweg auch ein Wert vorhanden sein sollte. Ist die Kurve extrem nach links gestaucht, dann ist das Bild technisch unterbelichtet.

Ist hingegen die Kurve extrem nach rechts zusammengeschoben, so ist das Foto technisch überbelichtet und viele Stellen sind einfach nur weiß, Sie können hier nichts mehr erkennen. Über- und Unterbelichtung kann man natürlich auch als Stilmittel einsetzen, hier sollten Sie selbst ein wenig experimentieren.

5. Hilfslinien im Sucherbild nutzen

Die meisten Kameras bieten die Möglichkeit, Hilfslinien im Display einzublenden. Falls Ihre Kamera das kann, machen Sie Gebrauch davon! So können Sie damit den Horizont gerade ausrichten, was sehr viel zu einer sauberen Bildwirkung beiträgt. Bei Architekturbildern sind sie eine große Hilfe, um stürzende Linien entweder zu vermeiden oder bewusster einzusetzen.

Benutzen Sie die Hilfslinien auch, um Ihr Bild zu unterteilen. So können Sie Ihr Motiv mal im Goldenen Schnitt positionieren, am Bildrand oder wirklich zentral.

6. Sind Sie auch nahe genug dran?

Sie haben ein Bild fein säuberlich eingeteilt, sich auf das Wesentliche konzentriert und immer noch sieht es langweilig aus. Das mag unter Umständen daran liegen, dass Sie nicht nah genug am Motiv dran waren.

Statt das gewünschte Objekt einfach heran zu zoomen, sollte man sich die Mühe machen, ein paar Schritte näher ranzugehen. Gerade spontane und lebendige Szenen wirken viel besser, wenn man als Fotograf selbst mittendrin ist.

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7. Scharfe und unscharfe Teile im Bild

Das Spiel mit der Schärfe ist eines der wichtigsten Gestaltungsmittel in der Fotografie. Sie verleiht einem Bild Tiefe. Das folgende Bild ist mit einem Teleobjektiv aufgenommen, ich habe das Motiv herangezoomt.

Mit der Programmautomatik wählen Sie nun eine kleine Blendenzahl, z.B. Blende f4.0. Dadurch wird der Hintergrund extrem unscharf und verschwimmt, das Bild wird ruhiger.

© christiankasper.com

Das Gegenteil können Sie zum Beispiel bei einer Landschaftsaufnahme machen. Bei der folgenden Szenerie wurde ein Weitwinkelobjektiv verwendet, was dem Bild mehr Dynamik verleiht. Wählt man dann mit der Programmautomatik (s.o.) eine große Blendenzahl, etwa Blende f11, erreicht man, dass sowohl Vorder- als auch Hintergrund scharf abgebildet sind. Schon hat man ein sauber wirkendes Landschaftspanorama.

Mehr Foto-Inspirationen von Christian Kasper gibt es auf seiner Instagram-Seite.

Christian Kasper ist Fotograf für People, Portrait und Werbung in München: www.christiankasper.com
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