Wenn Oma und Opa oder die eigenen Eltern anfangen, immer mehr zu vergessen, können das die ersten Zeichen einer beginnenden Demenz sein. Nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für die Angehörigen kann diese Krankheit zur Belastung werden. Wir haben Tipps und Tricks für den Umgang mit Erkrankten.

Etwa 1,6 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Demenz, davon zwei Drittel an Alzheimer – der häufigsten Form der Erkrankung. Dabei sterben Gehirnzellen ab - das Gehirn schrumpft förmlich. Wie es dazu kommt, ist noch immer nicht vollständig geklärt.

Die Krankheit verändert das Wesen und beeinträchtigt das Urteilsvermögen dramatisch. Sprach- und Gedächtnisverlust sowie Verwirrtheit sind weitere Begleiterscheinungen.

Weltweit sind rund 46 Millionen Menschen betroffen. Das Risiko einer Erkrankung steigt mit dem Alter. Aufgrund der Demographie der deutschen Bevölkerung rechnen Experten im Jahr 2050 mit drei Millionen Betroffenen.

Heilbar ist Alzheimer nicht, eine richtige Therapie und Pflege können das Fortschreiten der Erkrankung zumindest verlangsamen.

So brutal wurden psychische Erkrankungen früher behandelt.

Etwa 80 Prozent der Erkrankten werden von ihren Angehörigen versorgt - eine verantwortungsvolle Aufgabe. Dabei gib es zwei zentrale Fragen: Wie gehe ich als Bezugsperson mit Alzheimer um? Wie verhalte ich mich gegenüber meinem erkrankten Angehörigen?

Fordern, aber nicht überfordern

"Gerade im frühen Stadium der Erkrankung ist es wichtig, Routine und Abläufe im Leben des Betroffenen beizubehalten", erklärt Ellen Nickel vom Alzheimer-Telefon der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. Diese werden auch im weiteren Verlauf der Erkrankung noch sehr lange erhalten bleiben

Die Diplom-Psychologin berät seit über 16 Jahren Angehörige im Umgang mit Alzheimerpatienten.

"Das Augenmerk sollte darauf liegen, was noch geht und was meinem erkrankten Angehörigen Freude bereitet. Fordern, aber nicht überfordern – das ist das A und O", so Nickel. Im frühen und mittleren Stadium der Erkrankung kann es hilfreich sein, den Alzheimer-Patienten nicht aus seiner gewohnten Umgebung zu reißen. Die eigenen vier Wände bieten eine gewisse Sicherheit und Vertrautheit.

Emotionen ernst nehmen

Die Wesensveränderung ist eine der wesentlichen Begleiterscheinungen von Alzheimer. Fehlt plötzlich der Geldbeutel, verdächtigen Erkrankte oft die Angehörigen. Denen schlägt dann eine Welle von Verzweiflung und Aggressivität entgegen.

"Es bringt nichts, zu beteuern, dass man die Dinge nicht genommen hat. Man muss sich darauf einstellen, andere Wege zu gehen. Dabei ist es wichtig, den Erkrankten in seiner Emotion ernst zu nehmen", erklärt Nickel. Als Beispiel nennt sie eine gemeinsame Suche nach dem verlegten Portemonnaie. So können Angehörige das Gefühl vermitteln, sich zu kümmern.

Ist die Situation nicht zu entschärfen, kann es sinnvoll sein, kurz den Raum zu verlassen. "Bevor es eskaliert, ist das der bessere Weg. Dabei kann einem die Vergesslichkeit auch in die Karten spielen. Zehn Minuten später ist der verlegte Geldbeutel womöglich nicht mehr das zentrale Thema", so Nickel.

Wenn es nicht mehr ohne Hilfe geht

Viele pflegende Angehörige kommen irgendwann an den Punkt, an dem sie das Gefühl haben, dass es nicht mehr alleine geht. Es gibt verschiedene Warnzeichen: Unter anderem sind sie selbst genervt und frustriert, depressiv oder sogar aggressiv. Vor allem dann, wenn Angehörige dazu neigen, den Erkrankten abzuwerten, sollten Angehörige Hilfe holen.

Dabei gibt es verschiedenste Unterstützungsmöglichkeiten – beispielsweise auch Angehörigengruppen, bei denen man sich austauscht. "Aber das ist nicht für jeden etwas. Bei uns als Beratungsstelle hat man sofort telefonisch Hilfe. Wir bieten psychosoziale Beratung am Telefon und vermitteln auch weitere Kontakte", so Nickel.

Hier finden Sie Hilfe

Ob regionale Alzheimergesellschaften, Angehörigeninitiativen oder Beratungstelefone – Unterstützung gibt es im Umgang mit dem Thema Alzheimer. Auch viele Online-Ratgeber und Broschüren beantworten erste Fragen.

Hilfreiche Links:

www.wegweiser-demenz.de
www.deutsche-alzheimer.de
www.alz.ch (für die Schweiz)
www.alzheimer-selbsthilfe.at (für Österreich)