• Testzentren sind dieser Tage vielerorts heillos überlastet, und eine Testkassette vom negativen Selbsttest reicht als Nachweis nicht aus.
  • Überwachte Video-Tests könnten diese Probleme lösen - doch leider gibt es einen großen Haken.

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Videoüberwachte Corona-Tests könnten ein großer Problemlöser sein - eigentlich. Denn die Selbsttests, die im Handel prinzipiell erhältlich, wenn auch derzeit oft schwer zu bekommen sind, sind zwar zugelassen. Im Alleingang angewendet, ist deren Ergebnis allerdings nicht mehr als eine Info für einen selbst. Als offizieller Nachweis, der irgendwo Zutritt verschafft, reicht die Testkassette allein nicht. Dafür braucht es ein Zertifikat.

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät allerdings zur Vorsicht bei videoüberwachten Corona-Schnelltests. Die Zertifikate, die man nach einem Video-Test erhält, seien mit Blick auf die aktuellen gesetzlichen Vorgaben als 3G-Testnachweis zur Vorlage am Arbeitsplatz oder in der Bahn nicht gültig, erklärt der bei der Verbraucherzentrale tätige Gesundheitsrechtsexperte Arne Weinberg.

Er bezieht dabei auf die entsprechende Corona-Testverordnung, wonach bei Antigen-Tests zur Eigenanwendung die Durchführung "vor Ort" von einem Leistungserbringer überwacht werden muss. Auch das Bundesgesundheitsministerium sieht in videoüberwachten Selbsttests keinen gültigen Testnachweis im Sinne der geltenden Verordnungen.

Arbeitsrechtliche Konsequenzen möglich

Eine mögliche Konsequenz: Mit so einer ungültigen Bescheinigung gehe man das Risiko ein, im Rahmen einer 3G-Regel am Arbeitsplatz oder in öffentlichen Verkehrsmitteln keinen Zugang zu bekommen, erläutert Weinberg. Für Arbeitnehmer könne das aus seiner Sicht durchaus Konsequenzen nach sich ziehen, etwa Abmahnungen oder Lohnkürzungen.

"Wenn ein Arbeitnehmer aufgrund eines ungültigen Tests seine Arbeitsleistung nicht erbringen kann, ist ihm nach meiner Auffassung jedenfalls Fahrlässigkeit vorzuwerfen", so der Jurist weiter, "da er die öffentlichen Warnungen der Ministerien und Medien vor derartigen Tests hätte zur Kenntnis nehmen können."

Video-Schnelltest kein "Bürgertest"

Bei den videoüberwachten Schnelltests kauft man einen zugelassenen Selbsttest und testet sich vor der eingeschalteten Smartphone-Kamera. Geschulte Kräfte schauen dabei zu, prüfen das Ergebnis und senden dann das Testzertifikat zu. Die Kosten von 15 bis 20 Euro muss man selbst tragen. Es ist kein kostenloser "Bürgertest", wie er in Testzentren möglich ist. (dpa/af)

Teaserbild: © dpa / Zacharie Scheurer/dpa-tmn/Illustration