• Nach einer akuten Corona-Infektion treten bei vielen Menschen auch viel später noch Symptome auf.
  • Wann Betroffene ärztlichen Rat einholen sollten und was es mit schubartigen Rückschlägen auf sich hat - und was man gegen diese Crashes unternehmen kann.

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Für viele Menschen endet COVID-19 nicht mit einem negativen Test: Millionen Menschen leiden Wochen und Monate nach der eigentlichen Corona-Infektion noch an Symptomen. Dauern diese länger als vier Wochen an, ist die Rede von Long COVID, nach drei Monaten spricht man von Post COVID.

Die Beschwerden sind sehr individuell, mehr als 200 verschiedene Symptome sind nach derzeitigem Stand gezählt. Bei vielen Betroffenen treten die Symptome in Wellen auf: Auf gute Tage folgen plötzlich wieder schlechte, die Symptome kommen stärker zurück – es kommt zum sogenannten Crash.

Woher kommt der Begriff "Crash"?

Viele Betroffene einer Corona-Infektion haben Wochen und Monate nach der Erkrankung noch mit großer Erschöpfung und Müdigkeit zu kämpfen, hierbei spricht man von einer Fatigue.

Auch Personen mit dem eigenständigen Krankheitsbild Chronisches Fatigue-Syndrom (CFS oder auch Myalgische Enzephalomyelitis, kurz ME) leiden an einer besonders ausgeprägten Fatigue und an weiteren Symptomen. ME/CFS ist zwar bereits seit Ende der 1960er-Jahre bekannt, aber dennoch kaum erforscht.

Bei der Erkrankung haben Menschen, etwa nach einer Infektion mit einem Virus, mindestens sechs Monate später mit besagter Erschöpfung und vielen unterschiedlichen Symptomen zu kämpfen. Das wesentliche Merkmal der Krankheit: Der Zustand verschlechtert sich nach geringer geistiger oder körperlicher Anstrengung: Bereits bekannte Symptome verschlimmern sich oder neue kommen meist innerhalb von zwölf bis 48 Stunden nach der Belastung hinzu.

Die Beschwerden können mehrere Tage, Wochen oder länger bleiben. Diese Belastungsintoleranz bezeichnet man in der Medizin als Post-Exertional Malaise (PEM) – umgangssprachlich sprechen Betroffene häufig von einem Crash.

Wie kann ein Crash aussehen?

Seit Tagen fühlt man sich gut und gesund – und probiert es nach langer Zeit wieder mit leichtem Ausdauertraining. Am nächsten Tag sind Halsschmerzen, Husten, Herzrasen und extreme Erschöpfung zurück, sodass selbst Alltägliches zu anstrengend erscheint und mehrere Tage Bettruhe nötig sind.

Das könnte ein Beispiel für einen typischen Crash sein. In der Realität Betroffener ist die PEM allerdings oft nicht so eindeutig zu bestimmen und kann sich – genau wie die Symptomatik – individuell sehr stark unterscheiden. So können auch intensive Gespräche oder ein Spaziergang zu viel sein und zum Crash führen.

Crashes bei Long COVID?

Die Langzeitfolgen einer COVID-Infektion erinnern in vielen Punkten an das Krankheitsbild von ME/CFS, auch wenn erst nach medizinischer Abklärung und mindestens sechsmonatigen Beschwerden von einem chronischen Fatigue-Syndrom gesprochen wird.

Wer also nach einer Corona-Infektion länger braucht, um sich wieder gesund zu fühlen und dabei auch Rückschläge erlebt, hat natürlich nicht automatisch eine chronische Erkrankung. Vielmehr ist in der Medizin bekannt, dass der Körper oft mehrere Wochen oder Monate braucht, um sich von einer Virusinfektion zu erholen.

Dennoch ist es für Genesene wichtig und empfehlenswert, ihren Körper genau zu beobachten. Aufpassen sollte man, wenn bereits abgeklungene Symptome stärker beziehungsweise in Wellen auftreten, man sich deutlich erschöpfter fühlt oder neue Symptome hinzukommen. Wer derartige Muster im Genesungsprozess feststellt, sollte Rücksprache mit der behandelnden Ärztin oder Arzt halten. Wichtig ist dafür auch die ehrliche Beantwortung folgender Frage (und denken Sie auch an Tätigkeiten, die Sie früher nie als anstrengend empfunden hätten):

Gab es in den letzten 48 Stunden körperliche, soziale, emotionale oder geistige Aktivitäten, die zu einer Verschlechterung geführt haben könnten, weil sie zu anstrengend gewesen sind?

Long COVID: Was tun bei Verschlechterung der Symptome?

Neben der medizinischen Abklärung und Behandlung der individuellen Symptome sollten sich von Crashes Betroffene mit ihrem Alltag auseinandersetzen und ihn entsprechend ihres Energiehaushalts gestalten. Hier raten Fachleute zum sogenannten Pacing, also dem schonenden Umgang mit der eigenen Energie.

Dieses Konzept wird ME/CFS-Patientinnen und -Patienten empfohlen. Es soll dabei helfen, die eigenen Kräfte zu reflektieren und so einzuteilen, dass man PEM möglichst vermeidet. Allgemeine Pacing-Tipps:

  • Suchen Sie Pacing-Strategien, die zu Ihrem Leben passen.
  • Versuchen Sie, Ihr Leben an Ihr derzeitiges Energielevel anzupassen – dabei kann das Bild eines Handyakkus helfen. Priorisieren und planen Sie Aufgaben im Alltag und achten Sie dabei darauf, wie viel "Akku" diese Sie kosten und wie viel Sie dann noch zur Verfügung haben.
  • Verständnis und Unterstützung sind hier besonders wichtig – sei es aus dem sozialen Umfeld oder wenn nötig von professioneller Seite.
  • Machen Sie sich keine Vorwürfe, wenn es Rückschläge gibt. Pacing bedeutet auch, herausfinden, wo die eigenen Grenzen liegen und sie gegebenenfalls langsam zu verschieben.
  • Achtsamkeit, Meditation, Yoga oder autogenes Training helfen in vielen Fällen, ruhiger zu werden und die momentane Situation zu akzeptieren.
  • Leicht gesagt, schwer umzusetzen: Versuchen Sie, positiv zu bleiben und auch kleine Veränderungen zum Besseren anzuerkennen.
  • Ein Aktivitäten-Symptom-Tagebuch kann helfen, Muster zu erkennen – vergessen Sie dabei Fortschritte und positive Entwicklungen nicht.
  • Die 4P-Regel bringt die wesentlichen Faktoren des Pacings zusammen: Priorisieren - Planen - Pausen machen - Positiv bleiben.

Die Informationen in diesem Artikel ersetzen keine persönliche Beratung und Behandlung durch eine Ärztin oder einen Arzt.

Verwendete Quellen:

  • Altea-network.com: Krankhafte Müdigkeit und Erschöpfung: Diese Tipps sind wichtig
  • Deutsche Gesellschaft für ME/CFS
  • Long Covid Netzwerk Deutschland
  • Medizinische Universität Wien
  • eigene Recherchen
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