Ein Forscherteam aus Irland hat vier Jahre lang den menschlichen Bauchraum mikroskopisch untersucht – mit einem erstaunlichen Ergebnis: Wir verfügen über ein inneres Organ mehr als bislang angenommen.

In kaum einem Wissenschaftszweig wird so intensiv geforscht wie in der Medizin. In immer kürzeren Abständen gelingen Durchbrüche, die Krankheiten leichter therapierbar machen und unsere Lebensqualität und –erwartung verbessern. Angesichts dessen klingt es erstaunlich, dass Wissenschaftlern bislang entgangen sein soll, dass der menschliche Körper ein weiteres Organ besitzt.

Das Mesenterium, auch Gekröse genannt, kannten Mediziner bereits. Schon Leonardo da Vinci hatte es beschrieben. Jedoch gingen Forscher bislang davon aus, dass es sich dabei um verteilte Gewebestrukturen handelt, die dazu dienen, andere innere Organe wie Darm und Magen an der Bauchwand zu befestigen.

Das Forscherteam um Calvin Coffey am Universitätskrankenhaus Limerick in Irland hat das Gekröse in den vergangenen vier Jahren jedoch genauer untersucht. Im Fachjournal "The Lancet Gastroenterology & Hepatology" haben sie die Ergebnisse ihrer umfangreichen mikroskopischen Untersuchungen des Verdauungstraktes und Bauchraumes veröffentlicht.

Ein eigenständiges Organ

Darin klassifizieren sie das Mesenterium als eigenständiges Organ. Anders als bislang angenommen, handele es sich dabei um eine zusammenhängende Struktur. Coffey geht davon aus, dass es auch andere Funktionen erfüllt, als lediglich als Halterung für andere Organe zu dienen.

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Bisher ist nachgewiesen, dass das Gekröse den Dünndarm mit sauerstoffreichem Blut versorgt und unter anderem Lymphflüssigkeit abtransportiert. Außerdem überträgt das Gewebe Nervensignale. Weitere Forschungen sollen genauere Erkenntnisse über die Funktion des Organs bringen.

Eine bessere Kenntnis darüber könnte völlig neue Ansatzpunkte für die Diagnose und Therapie von Erkrankungen liefern. "Wir kennen jetzt die Anatomie und die Struktur. Jetzt müssen wir die Funktion des Organs herausfinden. Wenn wir die verstehen, wissen wir auch, wann das Organ nicht normal arbeitet – und können somit neue Krankheiten des Verdauungstraktes erkennen", schreibt Coffey. (ada)