Etwa 3.000 Menschen sind bei den Terroranschlägen am 11. September 2001 ums Leben gekommen. Doch die Zahl muss vermutlich nach oben korrigiert werden: Auch 13 Jahre nach 9/11 leiden noch tausende Polizisten, Feuerwehrleute, Anwohner und Helfer unter den fatalen gesundheitlichen Spätfolgen.

Für tausende New Yorker ist der 11. September 2001 auch heute noch präsent - denn sie leiden an Krebs, Posttraumatischer Belastungsstörung und Asthma. Die "World Trade Center (WTC) Health Registry" untersucht regelmäßig den Gesundheitszustand von über 70.000 Personen, die gesundheitlich vom dem Einsturz der Zwillingstürme betroffen sind: Diejenigen, die aus den Gebäuden gerettet werden konnten, aber vor allem auch die Feuerwehrleute, Polizisten und Aufräumhelfer sowie die Anwohner und Arbeiter der umliegenden Häuser.

Ihnen allen wurde der giftige Staub zum Verhängnis, der sich beim Einsturz der Gebäude in den Straßen New Yorks ausbreitete. Schädliche Stoffe wie Asbest, Glasfaserpartikel, Blei und Aluminium setzten sich in ihren Lungen fest. "Schon nach wenigen Tagen hatte ich trockenen Husten, meine Augen tränten", berichtet Alex, einer der Arbeiter am Ground Zero in einem Videointerview. Später kamen noch Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen hinzu. Unter dem sogenannten "WTC-Husten" litten damals tausende Helfer. "Aber an die Kontamination haben wir gar nicht gedacht", sagt Alex. "Wir haben einfach unseren Job gemacht."

Spätfolgen: Asthma und Krebs

Drei große Erhebungen hat die "WTC Health Registry" bereits durchgeführt, die jüngsten Ergebnisse stammen aus dem Jahr 2012 und sind beunruhigend. Denn sie zeigen, dass die Polizisten, Feuerwehrmänner und Helfer aufgrund des Kontakts mit dem giftigem Staub überdurchschnittlich oft an Krebs erkranken. Vor allem Prostatakrebs, Schilddrüsenkrebs und Multiples Myelom (Krebserkrankung des Rückenmarks) nehmen zu. Über 2.500 Helfer und Arbeiter sind bereits krank - Tendenz steigend. Das fand die "New York Post" Anfang des Jahres bei ihren Recherchen heraus.

Der Staub, der sich in den Lungen der Menschen festsetzte, hat auch langfristige Atemwegserkrankungen zur Folge. Der "WTC-Husten" ging bei vielen in chronisches Asthma über. Auch Kinder waren und sind davon betroffen: Nach Angaben der "WTC Health Registry" haben sich am 11. September 2001 etwa 25.000 Kinder in direkter Nähe zum World Trade Center aufgehalten - einige von ihnen inmitten der Staubwolke. Das Risiko, an Asthma zu erkranken, ist bei ihnen doppelt so hoch - und die gesundheitlichen Spätfolgen sind noch kaum absehbar.

Tausende New Yorker litten unter psychischen Folgen

Nicht nur die physischen Leiden sind für die New Yorker noch heute spürbar - tausende haben zusätzlich mit den psychischen Auswirkungen zu kämpfen. In einer Studie konnte die "WTC Health Registry" zeigen, dass jeder 13. Feuerwehrmann auch Jahre nach 9/11 an einer Posttraumatischen Belastungsstörung litt. Schlafprobleme hatte sogar jeder Dritte.

Fatal war das Erlebnis vor allem für schwangere Frauen, die sich zum Zeitpunkt der Anschläge im World Trade Center selbst, in den Nebengebäuden oder in der Umgebung aufgehalten haben. Durch die PTBS kam es vermehrt zu Frühgeburten; zudem übertrugen einige Mütter den Stress auf ihre ungeborenen Babys, sodass diese unterernährt zur Welt kamen.

Hilfsprogramme unterstützen die Betroffenen

Doch die Betroffenen sind mit ihren Problemen nicht allein. Als sich abzeichnete, welche Folgen der Terroranschlag auf die Gesundheit der Menschen hatte, brachte US-Präsident Barack Obama im Jahr 2011 ein milliardenschweres Gesetz zur Unterstützung auf den Weg. "Wir werden niemals den selbstlosen Mut der Feuerwehrleute, Polizisten und Helfer der ersten Stunde vergessen, die ihr Leben riskierten, um das anderer zu retten", hatte der US-Präsident damals erklärt.

Mit dem Geld wird unter anderem das "World Trade Center Health Programm" unterstützt, in dem auch Aufräumarbeiter Alex Hilfe gefunden hat. Wie so viele andere hat er noch immer mit den Spätfolgen zu kämpfen, ist gesundheitlich angeschlagen. "Dass ich in dieses Programm aufgenommen wurde, gibt mir endlich wieder Hoffnung", sagt er. "Hier weiß man, was mir fehlt, wie man mir helfen kann - und was ich alles durchgemacht habe."