Das triste Wetter und die dunklen Tage im Herbst und Winter schlagen vielen Menschen auf‘s Gemüt. Nur miese Stimmung oder schon eine ernst zu nehmende Depression? Wir erklären den Unterschied.

Der aktuelle Psychoreport der DAK-Gesundheitskasse zeigt: Psychische Leiden sind in Deutschland mittlerweile zur Volkskrankheit geworden. Den Erhebungen zufolge blieb im vergangenen Jahr jeder 20. Arbeitnehmer mit einer solchen Erkrankung dem Arbeitsplatz fern, hochgerechnet sind damit 1,9 Millionen Menschen hierzulande betroffen.

"Seit 1997 hat sich die Anzahl der Fehltage, die von Diagnosen wie Depressionen oder Anpassungsstörungen verursacht werden, verdreifacht", fasst die DAK die Entwicklung zusammen. "Bundesweit lagen Seelenleiden 2014 damit erstmals auf dem zweiten Platz der Krankheitsarten." Auf dem ersten Platz rangieren Muskel-Skelett-Erkrankungen.

Depression ist mit 47 Prozent die häufigste psychische Erkrankung. Mit ihr fühlt man sich niedergeschlagen und antriebslos – Gefühle, die vermutlich viele Deutsche mit Beginn der dunklen Jahreszeit empfinden. Hier gehört jedoch unterschieden: Handelt es sich schlicht um einen "Herbstblues" mit gedrückter Stimmung, um eine echte Depression oder gar um eine spezielle Winterdepression?

Wie erkenne ich einen Herbstblues?

"Sicherlich spüren sehr viele Menschen eine vorübergehende melancholische Stimmung, wenn die ersten Blätter fallen und das Leben sich mehr in sich selbst zurückzieht", erklärt Prof. Dr. Ulrich Hegerl von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Umgangssprachlich heißt das auch: depri sein.

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"Das gehört jedoch zum Leben dazu und hat nichts mit einer Depression im medizinischen Sinne zu tun." Bei einem solchen Stimmungstief kann man dem Experten zufolge leicht Abhilfe schaffen: "Gut ist, auch im Winter regelmäßig Sport zu treiben, idealerweise an der frischen Luft." Wichtig sei außerdem, soziale Kontakte zu pflegen und sich nicht zu sehr zurückzuziehen. Auf sich zu achten, auch angenehme Dinge in den Tagesablauf einzubauen sowie nicht zu lange zu schlafen: "Das ist sicher ein probates 'Rezept', um gut gelaunt durch die dunklere Jahreshälfte zu kommen."

Wie erkenne ich eine Depression?

Um eine Depression handelt es sich, wenn mehrere konkrete Symptome über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen auftreten – bei vielen Betroffenen sogar über Monate. Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe unterscheidet dabei zwischen Haupt- und Zusatzsymptomen einer Depression. Hauptsymptome sind der Verlust von Interesse und Freude, eine depressive Stimmung und ein verminderter Antrieb.

Nebensymptome sind schlechte Konzentration, vermindertes Selbstwertgefühl, pessimistische Zukunftsperspektiven, Appetitminderung, Schuldgefühle oder Gefühle von Wertlosigkeit, Schlafstörungen und gar Suizidgedanken. "Manche Patienten entwickeln auch Wahnvorstellungen, zum Beispiel die Überzeugung unheilbar erkrankt zu sein, oder sich und die Familie finanziell ruiniert zu haben", heißt es bei der Stiftung. "Die Betroffenen sind nur schwer davon zu überzeugen, dass sie eine Krankheitsepisode durchleben, die in den meisten Fällen gut zu behandeln ist."

Treten nun mindestens zwei Haupt- und zwei Zusatzsymptome auf, so ist nach Ansicht der Experten die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich um eine Depression handelt. Doch auch länger anhaltende körperliche Beschwerden können von einer psychischen Ursache herrühren. "So können zum Beispiel Rücken- oder Magenschmerzen auf eine depressive Erkrankung hinweisen", sagt Prof. Dr. Ulrich Hegerl. Oft würden dann psychische Ursachen auf den ersten Blick gar nicht in Betracht gezogen, weshalb viele Depressionen zunächst unerkannt bleiben.

"Wenn Sie glauben depressiv zu sein, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen. Wichtig ist, dass eine Depression rechtzeitig erkannt und konsequent behandelt wird", rät der Experte. "Haben Sie zu ihrem Hausarzt ein vertrauensvolles Verhältnis, können Sie zu diesem gehen. Darüber hinaus sind Fachärzte, also Psychiater, Neurologen oder psychologische Psychotherapeuten die richtigen Ansprechpartner."

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Wie erkenne ich eine Winterdepression?

Es gibt tatsächlich auch eine saisonal abhängige Depression in den Herbst- und Wintermonaten, die jedoch nur einen Bruchteil der Erkrankungen ausmacht. "Im Gegensatz zur jahreszeitlich unabhängigen Depression leiden Betroffene nicht unter Ein- und Durchschlafstörungen, sondern haben eine erhöhte Schlafneigung", berichtet Prof. Dr. Ulrich Hegerl. "Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist der Appetit. Depressive Patienten leiden unter Appetitmangel und nehmen häufig ab, Menschen, die an einer saisonal abhängigen Depression leiden, haben dagegen mehr Hunger, speziell auf kohlenhydratreiche Lebensmittel wie Süßigkeiten."

Grund für die spezielle Erkrankung ist oft das mangelnde Sonnenlicht in der dunklen Jahreszeit; zur Behandlung wird daher oft Lichttherapie eingesetzt. "Dafür benötigt man nicht unbedingt spezielle Lichtlampen, ein täglicher ausgedehnter Spaziergang im Freien ist ausreichend", rät der Experte. Selbst an trüben Tagen entspreche der Lichteinfall draußen in etwa dem einer Therapielampe.