Durch das feuchte Wetter sprießen Pilze schon ungewöhnlich früh aus dem Boden. Das hat Folgen: In den vergangenen Tagen seien vermehrt Menschen mit Pilzvergiftungen eingeliefert worden, berichtet die Medizinische Hochschule Hannover (MHH). Denn oft erkennen Sammler giftige Arten nicht.

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Wegen des feuchten Wetters sprießen viele Pilze bereits aus dem Boden. Schon jetzt zieht die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) eine traurige Bilanz der Pilzsaison.

In einer aktuellen Pressemitteilung schlagen die Wissenschaftler Alarm. Denn seit Anfang August seien allein an der MHH sechs Menschen auf der Intensivstation behandelt worden; eine davon sei verstorben, bei einer weiteren müsse eventuell die Leber transplantiert werden.

Zum Vergleich: In den vergangenen Jahren wurden dem Bundesamt für Risikobewertung (BfR) durchschnittlich zehn Vergiftungen pro Jahr mitgeteilt.

Sammler erkennen Gefahr nicht

Er sieht genießbar aus, ist aber toxisch: Für viele Pilzvergiftungen ist der Grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) verantwortlich. Die meisten Patientinnen und Patienten, die mit einer Vergiftung eingeliefert werden, würden aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion und des Mittleren Ostens stammen – und die Gefahr gar nicht kennen, so die MHH.

Markus Cornberg, stellvertretender Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie, Infektiologie und Endokrinologie, sagt: "In den Heimatländern der betroffenen Personen ist der Knollenblätterpilz vermutlich weniger verbreitet. Hier in Deutschland wird aufgrund von Unkenntnis die Gefahr des Pilzesammelns oft nicht ausreichend ernst genommen." Auch Apps oder Pilzbücher würden nicht vor Verwechslung schützen, warnt er. Wer giftige Pilze isst, riskiert eine Vergiftung und Leberversagen.

Knollenblätterpilz für 80 Prozent der Vergiftungen verantwortlich

Das BfR schätzt, dass für 80 Prozent aller tödlichen Pilzvergiftungen Knollenblätterpilze verantwortlich sind. Die MHH spricht sogar von 90 Prozent. Die Pilze sind von August bis Oktober in Laub- und Laubmischwäldern oder in Parks oft unter Eichen und Buchen zu finden. Der grüne, grün-gelbe oder weiße Pilz hat einen drei bis 15 Zentimeter breiten Hut, der glockig bis schirmartig aussieht. An dessen Unterseite sind weiße Lamellen. Wegen seines Aussehens könnte er mit dem grün gefärbten Frauentäubling, einem Speisepilz, verwechselt werden, warnt der Naturschutzbund.

Frauentäubling
Der Frauentäubling ist essbar - anders als der Grüne Knollenblätterpilz, der giftig ist. © picture alliance / blickwinkel/F. Hecker

Das Heimtückische am Grünen Knollenblätterpilz: Erst Stunden nach dem Verzehr wirkt sein Gift, wenn es bereits im ganzen Körper aufgenommen ist. Betroffene könnten womöglich erst eine Magen-Darm-Infektion vermuten, denn zu den ersten Beschwerden zählen Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Ein bis zwei Tage darauf ist die Leber geschädigt, es kann außerdem zu Blutgerinnungs- und Nierenfunktionsstörungen kommen. "Im schlimmsten Fall stellt die Leber ihre Funktion ein, sodass nur noch eine Lebertransplantation das Leben der Patienten retten kann", sagt Cornberg.

Bei einem Verdacht auf eine Pilzvergiftung sollte man deshalb sofort den Notdienst rufen. Ein Tipp der MHH: Um die Diagnose zu erleichtern, sollten Pilzreste und Erbrochenes aufgehoben werden.

Auf Nummer sicher gehen

"In Deutschland gibt es sehr giftige Pilze, die den essbaren Exemplaren ähneln. Das kann selbst für Sammlerinnen und Sammler mit - noch begrenzter - Erfahrung gefährlich werden", sagt Herbert Desel, Leiter der Fachgruppe Expositionsbewertung von gefährlichen Produkten am BfR.

Deshalb sollte man bei Zweifeln immer auf Nummer sicher gehen und den Giftnotruf befragen oder geprüfte Pilzsachverständige der Deutschen Gesellschaft für Mykologie e.V. zurate ziehen.

Die Informationen in diesem Artikel ersetzen keine persönliche Beratung und Behandlung durch eine Ärztin oder einen Arzt.

Verwendete Quellen:

  • Mitteilung der Medizinischen Hochschule Hannover: "Achtung Giftpilze: MHH warnt vor tödlicher Gefahr" (09. August 2023)
  • Website der Deutschen Gesellschaft für Mykologie e.V.
  • Nabu Niedersachen: "Beliebte Speisepilze und ihre giftigen Doppelgänger"
  • Bundesinstitut für Risikobewertung: "Pilze: Verwechslungen können lebensgefährlich sein"
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